14. Türchen


Die liebe Sarah vom Blog „Sinnvoll leben-sinnvoller erleben“ macht sich Gedanken über unsere Erwartungen an das Weihnachtsfest…

Zwischen
Weihnachtszauber und Weihnachtswahnsinn


Bei einer Tasse Tee blättere ich in einer weihnachtlichen Zeitschrift, welche zuhauf die Regale der Kiosks füllen. Wunderbare Bilder von festlich gedeckten Tafeln, stilvoll dekorierte Wohnräume und glitzernde Weihnachtsbäume sowie köstliche Rezepte stimmen einem spätestens beim Betrachten dieser Bilder auf die Weihnachtszeit ein.
Erinnerungen an meine frühen Kindheitstage werden geweckt. Beim Wort Weihnachten durchströmt mich ein wohliger Weihnachtszauber und breitet sich bis in die kleinste Faser meines Körpers aus.
In frühen Kindertagen hat sich dieses Weihnachtsgefühl bei mir eingenistet; ein Gefühl, dass bis heute in meiner Erinnerung weiterlebt.
Mit Weihnachten verbinde ich insbesondere jenen Weihnachtszauber von dem etwas Geheimnisvolles sowie Mystisches ausgeht und gleichzeitig auch eine vertraute Geborgenheit, ein Dazugehören zu einer Gemeinschaft und das Sehnen nach häuslicher und menschlicher Wärme, das einem wie ein Mantel von Liebe umschliesst.
Der Monat Dezember war und ist für mich aber auch ein Fest für weitere Sinneseindrücke. Ich denke an das gemeinsame Kekse backen, verbunden mit Teig kneten, auswallen und natürlich zwischendurch immer mal wieder davon zu naschen bis dann die Sterne, Herzen und Monde ihren unvergesslichen Duft aus dem Backofen verbreiteten.
Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, kommen mir brennende Kerzen in den Sinn, welche auf eine heimelige Weise Licht in die dunkelste Jahreszeit brachten, das Gefühl von Geborgenheit und Wärme im Hausinnern, während es draußen kalt und nass war.
Die Vorfreude auf den sehnlichst herbeigewünschten Weihnachtsabend.
Nicht zu vergessen die Welt der Düfte wie Tannenzweige, den typischen zitrusartigen Geschmack von geschälten Orangen und Mandarinen, all die weihnachtlichen Gewürze und noch viele weitere.
Die Krönung bildete damals aber ganz klar der Moment, als kurz nach dem Essen das Christkind die Glocke am Weihnachtsbaum läutete und wir begleitet von weihnachtlichen Klängen des Plattenspielers das dunkle Wohnzimmer betraten, welches bis dahin verschlossen war. Jahr für Jahr brachte der Anblick des geschmückten Weihnachtsbaums mit den brennenden Kerzen und den Geschenken unsere Kinderaugen zum Strahlen und durchströmte eben jenes bereits erwähnte Weihnachtsgefühl.
Ja damals war die Weihnachtszeit die schönste Zeit im Jahr – und heute?
Heute wünsche ich mir dieses unbeschreiblich intensive Gefühl, welches früher Realität war und heute wohl als Erinnerung weiterlebt, manchmal zurück. Natürlich ist Weihnachten immer noch mit Stimmungen, Gerüchen, Ritualen, Düften und Traditionen verbunden, aber da ist auch noch etwas anderes. Da sind auch ganz viele Termine, welche zur Weihnachtszeit unter einen Hut gebracht werden wollen:
Anlässe in der Schule, im Kindergarten, diverse Vereine, im Geschäft, im Familien- und Freundeskreis, im Dorf Adventsfenster mit Weihnachtsstuben, kirchliche Weihnachtskonzerte, mehrere weihnachtliche Sportanlässe etc. Die Liste lässt sich sicher noch beliebig weiterführen.
Jeder einzelne Anlasse für sich wunderschön und stimmungsvoll; in der Kumulation jedoch eindeutig zuviel des Guten. Und dieses Zuviel nimmt leider dieser Zeit einen grossen Teil ihres Zaubers.
Neben den äusseren Umständen kommen noch die eigenen Ansprüche hinzu. Alles wird aufwändig dekoriert, viele Sorten Weihnachtskekse gebacken, jedes Kind bekommt einen eigenen – natürlich selbstgebastelten – Adventskalender, bestenfalls jedes Jahr einen neuen! Die Geschenke werden teurer und „wertvoller“ – aus materieller Sicht betrachtet. Mit jeder neuen Generation steigen die Anforderungen an ein gelungenes Weihnachtsfest.
Stress, Überforderung und Missstimmungen sind da oftmals vorprogrammiert. Die helle und dunkle Seite der Weihnachtszeit gehen in diesen vier intensiven und stimmungsvollen (auf welche Weise auch immer) Wochen dicht nebeneinander her -der Weihnachtszauber wird schnell einmal vom Weihnachtswahnsinn überschattet.
Die Hoffnung und Sehnsucht nach einer heilen Welt, sowie Erwartungen und Vorstellungen stehen oft im Widerspruch zur Realität In dieser kurzen Zeitspanne von wenigen Wochen sollen all diese Bedürfnisse gestillt werden. Diese unerfüllten Erwartungen erzeugen Frust.

Liebe Sarah, ganz herzlichen Dank für diesen wundervollen Post! Wie recht Du hast! Manchmal denke ich, man sollte die ganzen Hochglanzzeitschriften einfach zur Seite packen und sein Weihnachtsfest so gestalten, wie einem persönlich danach ist.
Sarah hat drei Söhne, lebt in der Schweiz und ist überaus kreativ und naturverbunden, ihr Blogname ist Programm! Ein Besuch auf ihrem Blog lohnt sich in jedem Fall!



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