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19. Türchen



Die liebe RAUMFEE ( klick ) erfreut uns heute mit wunderbaren Geschichten rund um den Weihnachtsbaum…

Als Lotta mich vor einiger Zeit fragte, welche Tradition rund um Weihnachten mir besonders wichtig wäre und ob ich nicht Lust hätte, in der Adventszeit bei ihr darüber zu berichten, habe ich sofort zugesagt – denn Weihnachten ist mir sehr wichtig. Als Kind habe ich mich das ganze Jahr lang auf Weihnachten gefreut und auch heute noch, wo das „Geschenke bekommen“ schon lange seine Wichtigkeit verloren hat, hat Weihnachten eine ganz besondere Bedeutung für mich. 
Schon öfters wurde ich gefragt, warum wir in unserer Familie eigentlich Weihnachten feiern, wo wir doch gar nicht religiös sind – Zwei gar nicht getauft, Zwei aus der Kirche ausgetreten, Eine Nichtkirchgängerin. Die Antwort ist ganz einfach: Ich mag die Symbolik von Weihnachten und ich mag all die Traditionen rings um dieses Fest. Die weihnachtliche Dekoration… die Überlegungen, mit welchen Gaben man den Menschen die man liebt eine Freude machen kann… das Wunschzettelschreiben… das Befüllen der Adventskalender… die Heimlichtuerei… das Geschenke verpacken… … den Mythos des Christkindes… die Vorfreude der Kinder… die Überlegungen für das Weihnachtsmenü… das gemeinsame Essen und Feiern… den Weihnachtsspaziergang. 
Und ganz besonders liebe ich den…
 Weihnachtsbaum.

  

Schon im Mittelalter soll man zu Festen Bäume mit Süßigkeiten, Nüssen und Früchten geschmückt haben und der katholischen Kirche war dieser Brauch anfangs ein Dorn im Auge, lenkte er doch ihrer Meinung nach zu sehr von der Krippensymbolik des Weihnachtsfestes ab und führte außerdem zu Baumplünderungen in den kirchlichen Wäldern, wo sich die ärmeren Menschen bedienten. Egal wie knapp das Geld oft war als ich noch klein war und egal wo wir an Weihnachten waren – wir waren immer als Familie zusammen und meine Eltern kauften immer einen Weihnachtsbaum. Sie schafften es sehr lange ein großes Geheimnis um das Christkind zu machen, das angeblich heimlich die Päckchen unter den Baum legte, wenn man sich nur mal kurz die Füße vertrat, um es zu suchen. Aber den Weihnachtsbaum, den hat nie das Christkind besorgt oder geschmückt, das haben wir immer gemeinsam gemacht.

Weihnachtsbaum im Wintercamping 1970

Seit ich denken kann ist da diese Nervosität, wenn die ersten Christbaumverkaufsstände öffnen, verbunden mit der Sorge, nicht mehr den perfekten Baum zu finden, wenn wir zu lange mit dem Kauf warten würden. Jeden Tag beherrschte man sich bei steigender Unruhe, bis dann endlich die erlösende Ansage ungefähr eine Woche vor Weihnachten kam, dass wir jetzt einen Baum kaufen gehen. Ein bisschen war das fast schon wie Bescherung, denn mit dem Baum, da ist Weihnachten dann unweigerlich da. Also fuhren wir alle Christbaumhändler ab, packten unzählige stachelige Bäumchen, schüttelten, wiegten, drehten sie und waren noch nie einer Meinung, welches der perfekte Baum wäre. Früher war es ganz klar, dass mein Vater den Baum mangelhaft fand, wenn meine Mutter ihn ausgesucht hatte und meine Mutter den Baum schäbig fand, wenn mein Vater die Wahl getroffen hatte. Aber letztendlich saßen wir doch alle vor dem Baum und sangen „Leise rieselt der Schnee“.

Weihnachtsbaumsingen mit großer Schwester und Mutter 1972

Dieses Gestichel gehörte zu Weihnachten dazu wie der Baum selbst und die kleineren und größeren Weihnachtsbaumkatastrophen. Irgendwann wurden alle Weihnachtsbäume in schwere Bottiche mit nassem Sand gestellt, an der Decke und der Wand mit Draht angebunden, nur noch mit Feuerlöscher daneben erleuchtet und mit bruchfestem Schmuck geputzt. Denn da war das Jahr, in dem ich als Kind mit unserem Schaukelstuhl so heftig schaukelte, dass ich rückwärts in den geschmückten Weihnachtsbaum kippte und mit dessen Fällung alle Glaskugeln auf einmal vernichtete… oder der Weihnachtsbaum, der unter dem Gewicht des Katers im Gipfel umstürzte, in der Mitte zerbrach und den mein Vater mit Dübeln wieder zusammensetzte… der, dessen Kerzen meine Mutter nach der Bescherung für den zweiten Gang von unten nach oben anzündete und dabei feststellte, dass die neue Angora-Strickjacke hervorragend brannte… der Weihnachtsbaum, den ich an Silvester mit einem Kracher in Brand setze, nachdem ich diesen nicht über die Balkonbrüstung, sondern in die Kiste mit den anderen Böllern geworfen hatte und alle auf einmal auf dem Balkon losgingen und in den trockenen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer sprangen… und natürlich der verunglückte, gelbnadelige Tannen-Storch, den meine Mutter im Alleingang anschleppte und dem ich mit Blumendraht und eilig besorgten Tannenzweigen wenigstens einen Gipfel gab und ihm zusätzliche Äste andrahtete, damit man ihn auch schmücken konnte.

Pimp my Christmas tree 2007

Und da waren all die vielen wunderbaren, glitzernden, duftenden und von Kerzen erleuchteten Bäume, die wir ansangen und unter denen wir die Geschenke erst versteckten und dann wieder hervorklaubten, um sie feierlich nacheinander mit leuchtenden Augen zu öffnen.

Seit ich 14 Jahre alt bin, ist das Schmücken des Weihnachtsbaumes am Weihnachtsmorgen meine Aufgabe und es bedeutet mir immer noch unendlich viel, denn es ist für mich eine Familientradition und ein mir so liebes Ritual, dass ich es niemals missen wollen würde. Immer lief das Schmücken gleich ab: während Drei Nüsse für Aschenbrödel lief und meine Mutter schon in der Küche fürs Abendessen werkelte, schmückte ich den Weihnachtsbaum, den mein Vater am Abend vorher schon aufgestellt hatte – damit sich die Zweige aushängen können, ganz wichtig. Mein Vater saß in seinem Sessel, sortierte die Lebkuchenherzen, die Spekulatius, die Schleifen, Äpfel und Kugeln. Er pfriemelte die ineinander verhedderten hölzernen Christbaumfiguren auseinander, reparierte kaputte Engel und Strohsterne und dirgierte mich zu Lücken und Überfüllungen. „Da muss noch ein Engel hin… genau dort fehlt noch ein Spekulatius… die Kerze steht schief…da hängen zu viele rote Kugeln…“.

Wenn dann mein Lieblingsweihnachtsfilm aus und der Baum fertig aufgeputzt war, wurden alle zusammengerufen, um den Baum mit vielen „Oooohs…“ und „Ahhs…“ zu bewundern und gemeinsam festzustellen, dass das der schönste Weihnachtsbaum wäre, den man jemals gesehen hätte.

Bei meinen Eltern 2009
Lieblingssohns erster Weihnachtsbaum 2004
Unser Weihnachtsbaum 2010

Seit mein Sohn auf der Welt ist, feiern wir traditionell den Weihnachtsabend zusammen mit meiner Schwester abwechselnd bei uns und bei meinen Eltern und so stand der Baum immer abwechselnd hier und dort. Unseren Baum kaufe ich seitdem zusammen mit meinem Sohn und wir kabbeln uns wie früher meine Eltern, welches der perfekteste Baum von allen ist. Heute stellen wir unseren Baum immer schon eine Woche vor Weihnachten auf, damit wir länger etwas von der Vorfreude haben. Geschmückt wurde und wird der Baum – mit etwas Kinderhilfe – immer noch von mir, egal wo er aufgestellt wird… und immer läuft dabei das Aschenbrödel.

Dieses Jahr werde ich zum ersten Mal den Weihnachtsbaum ohne meinen Vater schmücken und gerade deshalb soll er ganz besonders schön werden. So, wie ihn mein Vater gern hatte: Ohne viel Klimbim, mit Kerzen, Nüssen, Lebkuchen und vielleicht mit echten Äpfeln.

Gestern haben wir unseren Baum gekauft… und waren uns natürlich, wie immer, auch nach Einbruch der Dunkelheit noch nicht einig, welcher wohl der Schönste ist. Genommen haben wir dann einen mit zwei Spitzen und Klumpfuß, weil: perfekt ist langweilig.
Vielleicht war es auch Mitleid, damit er nicht in 8 Tagen an die Bisons im Zoo verfüttert wird. 🙂

Liebe Lotta, ich wünsche dir und deinen Lesern ein wunderschönes Weihnachtsfest – natürlich mit einem besonders schönen Weihnachtsbaum.

Herzlich,
Katja

Liebe Katja, einen ganz zauberhaften Post über den Weihnachtsbaum hast Du verfasst, lieben Dank dafür! Ich kann Deine Vorliebe für den Weihnachtsbaum sehr gut verstehen, mir geht es nicht anders. Niemals, NIEMALS könnte ich mir ein Weihnachtsfest ohne eigenen Baum vorstellen!
Katja vom Blog „RAUMFEE“ habe ich zunächst über die Wohnplattform „So leb ich“ kennengelernt und war sofort magisch angezogen von DIESEM wunderbaren Schrank mit den Globen darauf. Darüber hinaus liebe ich ihre wundervollen und ideenreichen Posts. Katja arbeitet als überaus kreative Innenarchitektin, ist alleinerziehende Mutter eines Sohnes und derzeit auf Suche nach einer neuen Wohn-Heimat. 

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17 Kommentare auf "19. Türchen"

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Claudia
Gast

Liebe Lotta, ein schöner Post von der lieben Katja!
Danke dafür!
Danke auchDir, liebe Lotta, für die lieben Glückwünsche zu meinem 3. Bloggeburtstag :O)
Ich wünsche Dir einen schönen und fröhlichen Tag!
♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

sabine
Gast

Liebe Katja, liebe Lotta,
obwohl ich kaum weihnachtlich dekoriere, auf den Weihnachtsbaum möchte auch ich nicht verzichten. Zumal mir vor ein paar Jahren der schöne alte Christbaumschmuck des Schwiegervaters anvertraut wurde. Vielen Dank Katja für Deine Weihnachtsbaumgeschichten, die Suche nach dem Perfekten und die Sticheleien kenne ich auch und auch die Freude, über den Frischgeschmückten.
Lieben Gruß
Sabine

Ein Schweizer Garten
Gast

Was habe ich jetzt über die kleinen und grossen Katastrophen gelacht, ein wunderbar geschriebener Beitrag!
Auch die Sticheleien zeigen diverse Paralellen zu unserer Familie.
Liebe Grüsse
Carmen
@Lotta, das Kommentieren auf deinem Blog wird zur Bewährungsprobe. Es ist alles irre langsam und ich fliege dauernd raus, hoffen wir, dass dieser Beitrag überhaupt abgesendet wird.

Himmelblau
Gast

Hmmmm….Schneegestöber entfernt…und immer noch so langsam??? Merkwürdig! Ich habe gerade keine Probleme mit dem Kommentieren hier…Ich werde mal die anderen fragen…Tut mir jedenfalls sehr leid, denn ich freue mich über deine Kommentare sehr! LG Lotta.

Das rote Haus Nr. 12
Gast

Liebe Katja,
ganz wunderbar – und sehr persönlich – hast Du das geschrieben! Vielen Dank für diese Einblicke in Eure Familientradition rund um den Baum. Ein ähnliches Bild mit meiner Mutter und Blockflöte gibt es bei uns auch …wir haben gerade letzte Woche darüber schmunzeln müssen. Das Baumschmücken ist hier auch meine Aufgabe und ich kann mich auch gut an den ersten Weihnachtsbaum ohne meinen Vater vor 5 Jahren erinnern.
Liebe Katja, liebe Lotta, ich wünsche Euch noch schöne Tage bis zum Fest! Herzliche Grüße, Swantje

Die kleine Werkstatt
Gast

Du hast es so wunderbar beschrieben – dazu noch die Fotos! Ich bin mal wieder ganz gerührt … und wünsche Dir ein zauberhaftes Fest. Ich bin mir sicher, Dein Vater wird sich freuen über den für ihn geschmückten Baum!

Mit einer lieben Umarmung und herzlichsten Grüßen, natürlich auch an Lotta,
Steph

*Smukke Ting*
Gast

Guten Morgen Katja und Lotta,
ein wunderschöner Post. Vieles was Du zeigst und schreibst trifft meine Sicht von Weihnachten sehr. Deine sehr persönlichen Worte haben mich tief berührt. Bei mir ist es meine Mutter, die das alles nun nicht mehr miterleben kann und für die ich mir mit dem Baum, den jahrelang vor allem sie geschmückt hat, besondere Mühe gebe. Denn sie sieht ihn ja auch und soll sich daran erfreuen! Weihnachten ohne Baum wäre für mich auch ganz undenkbar.

Liebe Grüße
Birgit

gretel
Gast

Gebannt habe ich diese Geschichte gelesen – spannend, lustig, rührend.
Heiligabend habe ich die meisten Kindheitsjahre mit meiner Mutter alleine verbracht, aber wir hatten immer eine große Kiefer, gemeinsam geschmückt.
Das Gekabbel um den Baum haben mein Mannn und ich perfektioniert.
Und auch bei mir wird es das erste Weihnachten ohne Papa.
Wir lieben den Baum und er wird, auf ausdrücklichen Wunsch der Kinder, auch schon eher aufgestellt und jedes Jahr gemeinsam, mit einer Weihnachts-CD im Player und einem Räucherkerzchenen an, geschmückt. Lg

Astrid Ka
Gast

Eine spannende Geschichte mit vielen, vielen Bäumen aller Arten! Drei Spitzen – ein Nest für meine Federvögelchen- hatten wir auch schon& ein Unglück, das alle Glaskugeln vernichtete, auch. Dieses Jahr gibt's wieder keinen Baum, weil wir gar nicht bei uns sein werden…
Danke fürs Teilhabenlassen!
Liebe Grüße
Astrid

frau kreativberg
Gast

Ich musste so schmunzeln bei euren "Unfällen" mit dem Baum – wir haben heuer einen besonders kletterfreudigen kleinen Mann hier und ich warte darauf, dass alles umfällt – trotz aller Vorsichtsmaßnahmen 😉
Bei uns wird der Baum meist eine Woche vor Weihnachten aufgestellt und geschmückt. Nur die Kerzen, die zünden wir erst am Hl. Abend an.
Alles, alles Liebe! Danke Katja für deinen schönen Post – und danke Flottelotta für diesen schönen Adventkalender!
Maria

The Boxing Duck
Gast
Meine Güte, was ist es gefährlich, bei euch Weihnachten zu feiern! Wir hatten nur einen ähnlichen Unfall, an den letzten Weihnachten mit meinem Vater. Wer hätte es ahnen können. Wir waren am Umbauen, die Dachzimmer schon fertig, der Baum klein und stand auf einem Tisch. Beim Anzünden der Kerzen brauch ein Streichholz ab und die Tischdecke fing Feuer – sie hatte Fransen. Zum Glück ist nicht viel passiert. Wäre mein Vater noch unter uns gewesen, wären vielleicht auch danach wieder Kerzen an den Baum gesteckt worden. So kaufte meine Mutter 1976 die erste elektrische Lichterkette… Ich gehe übrigens nur zu… Read more »
mickey
Gast

Ein wunderschöner Post, liebe katja. Über eure kleinen und großen weihnachtsbaummißgesckicke habe ich mich köstlich amüsiert.
Wie unterschiedlich die Lebensgewohnheiten auch sind….an Weihnachten ist es überall ähnlich. Eine wunderschöne zeit!
Lg Mickey

Lebenslustiger.com
Gast

Ach Katja – wie zauberhaft Du doch schreiben kannst. Lustig und bewegend und mit ganz viel Herz – ich habe Deine Geschichte verschlungen! Wir haben auch mal einen Weihnachtsbaum ziemlich heftig in Brand gesetzt. Seitdem sind meine beiden Kinder traumarisiert und bestehen – sehr zu meinem Leidwesen – auf künstliche Kerzen… Danke für Deinen tollen Kalender, liebe Lotta! Herzliche Grüße an Euch Zwei von Anette

mano
Gast

wie schön, deine ganz persönliche weihnachtsbaumgeschichte zu lesen! für dieses jahr wünsche ich dir keinerlei schaukelstuhl-feuerwerks-kerzen-unglücke, sondern ein fröhliches, besinnliches fest, das bestimmt auch deinem vater gefallen würde. ich bin mir sicher, dass es ein sehr schöner baum sein wird!
liebe grüße von mano

Elfenrosengarten
Gast

Uiuiui,
soviele Tannenbaumpannen 🙂
Aber da hat man immer etwas zu erzählen und
sich zu erinnern 🙂
Ganz viele liebe und gemütliche Grüße
sendet euch Urte

Die Raumfee
Gast

Vielen Dank für eure lieben Kommentare hier – es ist lustig zu hören, dass das Gekabbel um den perfekten Baum fast überall gleich ist. 🙂

Herzlich, Katja

Anonym
Gast
Wir waren uns in diesem Jahr erstmals direkt einer Meinung, welcher Baum perfekt für uns ist…das lässt mich etwas misstrauisch sein, was die Stimmung an Heiligabend angeht! Jetzt steht er übrigens gerade ungeschmückt bereit, damit die Äste sich aushängen (ganz wichtig!) und duftet ganz wunderbar. Geschmückt wird gemeinsam mit den Kindern, die jedes Jahr zu Weihnachten ein neues Ornament geschenkt bekommen, die sie dann beim Auszug als "Basisausstattung" mitnehmen (damit sie ja nicht auf die Idee kommen, Weihnachten ohne Baum sei möglich). Das Ritual des Aussuchens einer handwerklich schönen Kleinigkeit macht mir ungeheuren Spaß und die Kinder freuen sich an… Read more »
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