21. Türchen

 

Die liebe
berichtet heute, wie es im Schweizer Garten während der Weihnachtszeit zugeht…   
 

Heute öffne ich für Euch das Türchen Nr. 21

Glitzerndes
Winterbild im nahegelegenen Naturschutzgebiet
Gleich vorweg – ich bin kein klassischer Weihnachtsfan – katholisch erzogen habe ich die Institution Kirche schon früh hinterfragt und bin nun schon seit zwanzig Jahren konfessionslos. Geheiratet haben wir standesamtlich und unsere Kinder sind ungetauft. Warum wir trotzdem Weihnachten feiern? Gute Frage! Kann man sich konsequent in unserem Kulturkreis davon abwenden? Ich glaube an eine gute Macht, konnte der Institution „Kirche“ aber noch nie viel abgewinnen, hat sie sich doch in den letzten Jahrhunderten mehr durch Greueltaten, Macht- und Geldgier statt durch Barmherzigkeit und gute Taten hervorgetan.
Eigentlich hat für mich die Adventszeit erst einen höheren Stellenwert bekommen, seit wir Kinder haben. Die Rituale der Jahreszeiten werden innerhalb der Familie intensiver gelebt.
Winterspaziergang im Naturschutzgebiet,
links
unten unser Fensterplatz im Wohnzimmer. Das Sofa ist
ständig
vom
Kater belegt – sein Lieblingsplatz
Der Raureif und der meist recht frühe Wintereinbruch stimmen auf die bevorstehende Adventszeit ein. Pünktlich zum 1. Dezember wird ein kleiner Beistelltisch mit einem Bücherkorb bestückt, der voller Weihnachts- und Wintergeschichten ist. Alle Winter-Bücher lagern das ganze Jahr über auf dem Dachboden und werden jedes Jahr voller Vorfreude verschlungen. Dazu gesellen sich Deko-Tannenbäume aus Holz, Schneekugeln und ein nostalgischer Polyresin-Weihnachtsmann.
Links oben:
Adventskalender aus selbstbemalten
Holzwäscheklammern
Weihnachtsbaum
mit Masking Tape an der Wand.
Nebst dem selbstbefüllten Adventskalender mit Kleinigkeiten für die Kinder führt uns der immerwährende Papierkalender mit den Zwergen Zipf,Zapf, Zepf und Zipfelwitz durch die 24 Vorweihnachtstage. Jeden Tag wird im Zwergenhaus gewerkelt und die Kinder bestehen darauf, an denselben Tagen wie die Zwerge Grittibänze oder Plätzchen zu backen.
Am 6.Dezember zieht der Samichlaus mitsamt Schmutzli durch unser Dorf. Die Kinder schauen durch die dunklen Scheiben nach draußen und warten gespannt bis seine tiefe Stimme durch unser Haus hallt. In der einen Hand hält er den Bischofsstab, in der anderen das goldene Buch in dem gute und schlechte Taten fein säuberlich verzeichnet sind. Endlich betritt er mit seinen schneetriefenden Stiefeln die gute Stube.
Jedes Kind kennt ein Weihnachtsgedicht und im Ofen duften schon die selbstgebackenen Grittibänze. Am Schluss holt der Schmutzli (Knecht Ruprecht) für beide Kinder einen großen Sack mit Mandarinen, Nüssen und Schokolade hervor, die zusammen mit den warmen Grittibänzen unser Abendessen sind. Dieses Jahr wird er nicht mehr kommen, die Kinder sind nun schon groß. Und doch, wenn es am kommenden 6.Dezember einnachtet, werden sie wie immer mit leuchtenden Augen am Fenster stehen und zuschauen, in welche Häuser die beiden in diesem Jahr gehen. Zumindest auf den Chlaussack und die Grittibänze ist Verlass, für die bin ich zuständig.
Dem Plätzchen backen (bei uns in der Schweiz heißt es “guetsle”) sehe ich jedes Jahr mit Grauen entgegen. Wenn man schwanger ist, dann stellt man sich das traute Glück zur Adventszeit beim Plätzchen backen in den glühensten Farben vor. Die Mutter mit Schürze wallt glückselig strahlend den selbstgemachten Plätzchenteig in der blitzblank aufgeräumten Küche aus (20 vorbereitete Plätzchenteige warten selbstverständlich noch im Kühlschrank) Die Kinder stechen eifrig und mit roten Wangen perfekt geformte Plätzchen aus. Und schon nach kurzer Zeit zieht ein wundervoller Duft durchs ganze Haus. Die Wirklichkeit ist zumindest bei uns anders: als berufstätige Mutter habe ich nebst den Vorbereitungen, den Schul- und Geschäftsanlässen auch die meiste Arbeit im Büro. Doch die Kinder bestehen auf ihr “Geburtsrecht” –
W I R  W O L L E N  G U E T S L I   B A C K E N ! Oh Gott… schon den Teig vorzubereiten ist mir eigentlich zuviel und tue es dann doch – eine Sorte liegt immer drin. Die roten Wangen habe nun ich, denn das Telefon klingelt, das Mehl kippt um, die Kinder stibitzen vom Teig, das Kühlen geht viel zu langsam, das ausrollen will nicht so recht gelingen und die warmen Kinderhände matschen und essen lieber vom Teig als ihn auszustechen. Zum Schluss kleben die verflixten Plätzchen penetrant an der Arbeitsfläche. Verziert wird nichts, Hauptsache endlich im Ofen.
Nein, das Endergebnis sieht nicht perfekt aus, schmeckt aber so gut, dass ein großer Teil der noch warm auf dem Blech liegenden Plätzchen gleich aufgegessen wird. Zumindest der Duft bleibt der damaligen Illusion erhalten.
Da mag ich doch lieber die gemütlichen Bastelstunden abends nach dem Essen, sofern ich nicht nochmals ins Büro muss. Dann sitzen meine elfjährige Tochter und ich am Esstisch, basteln zusammen winterliche Papierdekorationen und plaudern über den vergangenen Tag. Später sehen wir uns einen Film auf dem iPad an, still vor uns hinfaltend, glücklich das schöne Papier zu spüren, das sich in unseren Händen zu wunderbaren Objekten verwandelt.
Faltsterne am Fenster
Weihnachtsdeko mag ich lieber schlicht, wenn es nach den Kindern ginge, gäbe es viel mehr Glanz und Glitter. Wir finden jedoch jedes Jahr einen akzeptablen Kompromiss.
Den Weihnachtsbaum holen wir jedes Jahr mit dem Handkarren direkt im nahen Wald. Wir haben eine Säge dabei und suchen uns den schönsten Baum aus. Der Waldbesitzer köchelt über dem offenen Feuer Punsch und Glühwein. Die Familien trudeln nach und nach ein und trinken später noch ein Gläschen mit. Weihnachten kann kommen!
Auf
dem Weg in den Wald, wo der perfekte
Weihnachtsbaum
auf uns wartet.
Seit einigen Jahren laden wir am Heiligabend immer unseren alleinstehenden einundsiebzigjährigen Nachbarn zu uns ein. Er hat keine Familie und gehört einfach bei uns dazu, auch an den Geburtstagen. Das Miteinander in unserem kleinen Dorf ist wirklich sehr schön!
Links
oben: Willi, unser Nachbar, gerührt wie jedes Jahr,
wenn
die Geschenke verteilt werden.
Das Power-Shopping in der Einkaufsmeile, wo hunderte von Leuten nach dem passenden Geschenk suchen, findet jedes Jahr ohne mich statt. Ich mag das Getümmel nicht und bestelle deshalb fast alles im Internet. Nach und nach trudeln die Präsente per Post ein. Eine Ausnahme mache ich nur für zwei kleine Adventsmärkte in der Region. Den Lebensmittel-Einkauf für die Festtage erledige ich im Dorfladen. Dort wo man mich persönlich kennt, wo es weder überfüllt, noch laut, noch musikberieselt ist.
An Heiligabend haben wir immer Gäste. Nebst dem Nachbarn kommen jedes Jahr abwechselnd meine Eltern oder die Schwiegereltern zu Besuch. An Weihnachten koche ich immer einfache Menue’s,  die ich aus dem Stegreif hervorzaubern kann. So klappt es auch mit der entspannten Atmosphäre. Den Baum schmücken wir gemeinsam am Vorabend, doch die Geschenke liegen erst nach dem Weihnachtsessen unter dem Baum. Wir machen uns gemeinsam zu einem nächtlichen Winterspaziergang auf und öffnen vorher die Fenster, damit das Christkind hereinfliegen kann. Erst wenn eine Kerze vor der Haustüre leuchtet, war das Christkind da und die Bescherung kann beginnen. Unsere Kinder wissen natürlich inzwischen, welches Christkind die Geschenke in aller Eile um den Baum verteilt, allerdings beharren sie immer noch auf diesem Ablauf. Traditionen und Rituale sind wichtig, in der heutigen Zeit mehr denn je.
Ich wünsche allen eine frohe Adventszeit, denkt an Eure Familie, an liebe Freunde, Bekannte oder eben den Nachbarn/in von nebenan. Kleine Zuwendungen bringen soviel Freude!
Frohe Weihnachten wünscht euch Carmen.
Liebe Carmen, ganz lieben Dank dafür, dass wir Dich und Deine Familie ein Stück in der Adventszeit begleiten durften. Besonders geschmunzelt habe ich über Deinen „Plätzchenbackbericht“…ich möchte nicht verhehlen, dass es bei uns da ganz ähnlich zugeht…Zumindest kommen wir langsam…mit steigendem Alter der Kinder… dahin, dass ich nach dem Plätzchenbacken nur noch die Küche schrubben muss… ;o) Die Tradition, Euren alleinstehenden Nachbarn einzuladen, finde ich ganz wunderbar!!!!
Carmen wohnt mit ihrer Familie in der Schweiz ( wie man beim Lesen des Beitrags unschwer erkennen konnte…), wohnt in einem von ihr persönlich konstruierten Haus und hat einen traumhaft schönen Garten!
 

 

16 Comments

  1. Liebe Carmen,
    was für ein toller Bericht über Eure Weihnacht, da möchte wohl jeder gerne dabei sein.
    Plätzchen backen mein 11jähriger Sohn und ich heute die ersten, ging nicht anders, ich würde dieses Jahr ganz darauf verzichten, doch er besteht darauf.
    Nun ja, packen wir das Backen an.
    wünsche Dir eine gute Zeit

  2. Ich bin verzaubert… So winterlich schön und einladend die Aufnahmen der Winterlandschaft, die aussehen wie aus einem Wintermärchen entsprungen!
    Die Idee mit Eurem Nachbarn finde ich einfach großartig. So "geteiltes" Glück an Weihnachten macht sicher gleich doppelt Freude.
    Liebe Grüße,
    Sabine

  3. Liebe Carmen,

    abgesehen vom Plätzchenbackenhorror habt ihr wundervolle Traditionen, die viel Liebe, Freundschaft, Gemeinsamkeit und Gemeinschaft in sich vereinigen. So begeht ihr Weihnachten und die Adventszeit ganz im Sinne des Festes, das doch ein Fest der Liebe sein soll. Wozu braucht man da (ganz gleich welche) Religion?

    Ich wünsche euch wundervolle Weihnachten

    Rebekka

  4. Liebe Carmen, liebe Lotta,
    ein wunderbarer Beitrag. Viele Deiner Ansichten teile ich. Deine Worte zu Glauben und der katholischen Kirche beispielsweise. Auch das Geschenke besorgen erledige ich genauso. Dieses Jahr hab ich nur 2 Teile in einem Geschäft gekauft, alles andere im Internet. Außer Bücher, die ich in unserem kleinen Buchladen um die Ecke kaufe. Besonders schön finde ich, das Ihr Euren alleinstehenden Nachbarn einladet. Ganz toll!

    Liebe Grüße
    Birgit

  5. Liebe Carmen,
    wunderschöne Bilder begleiten Deine Geschichte. Auch bei mir sind es die (schon erwachsenen) Kinder, die die weihnachtlichen Traditionen hochhalten. Das ist gut so!
    Besonders angetan hat es mir Dein Wäscheklammern-Adventskalender. Der ist so hübsch!
    Lieben Gruß
    Sabine

  6. Was für ein schöner Beitrag, liebe Carmen. Mit den Ritualen ist es bei uns ähnlich – wir bestehen darauf, weil alle Freude daran haben. Plätzchen haben wir gerade gebacken und dekoriert und Morgen wandern sie an die Nachbarn im Haus. Wir selbst haben während dem Backen so viel genascht, dass die Bäuche wehtun und ich zumindest bis nächsten Dezember keine Plätzchen mehr sehen kann. Allein das mit dem Stress hab ich mir dieses Jahr – zum ersten Mal – anders geregelt. Gestern war mein letzter Tag im Büro bis Neujahr. Juhu.
    Wie schön, dass ihr euren Nachbarn einladet an Heiligabend. Hätte ich einen alleinstehenden Nachbarn, der nicht wüsste wohin, ich würde ihn auch einladen (auch, wenn er unter 45 und gutaussehend wäre ;-))).

    Lieben Dank an dich und an dich, Lotta, für die schönen unterschiedlichen Geschichten zum Advent.
    Herzlich, Katja

  7. Liebe Carmen
    Dein Beitrag habe ich mit Hochgenuss gelesen. Bezaubernd und echt weihnachtlich, der alleinstehende Nachbar ist bestimmt jedes Jahr im siebten Himmel, darf er bei euch mitfeiern-:) Die Sternendekoration ist fantastisch, gefällt mir so gut.
    Hab eine gute Zeit mit deinen Lieben!
    Elfe

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