Heiligabend mit Rebekka von THE BOXING DUCK

Ich liebe Weihnachten, die Adventszeit, die kurzen Tage und die langen Nächte,
denn dann kann ich Kerzen anzünden und mich mit einem Buch
einigeln.

Meine schönste Weihnachtserinnerung stammt aus meiner frühen
Kindheit. Ich bin noch nicht zur Schule gegangen, war also schätzungsweise 4
oder 5 Jahre alt, meine Schwester ein Jahr jünger.

Meine Eltern hatten
ein Lebensmittelgeschäft in unserem 2000-Seelendorf, das an Heiligabend bis 14
Uhr geöffnet war. Anschließend mussten das Geschäft, die Fleischtheke  usw.
geputzt und alles aufgeräumt werden. Die Zeit war immer knapp, denn gegen 17 Uhr
sollte die Bescherung stattfinden. Mein Papa machte sich als erster fertig und
schmückte den Weihnachtsbaum, dann war meine Mutti dran, die auch uns unsere
feinen Kleider anzog.

Jetzt musste nur noch das Christkind kommen. Mein
Papa war mit uns im Kinderzimmer und beschäftigte uns, während meine Mutti die
Geschenke unter den Baum legte, was wir natürlich nicht wussten. Wir waren noch
klein und wurden ein bisschen ungeduldig, fragten, wann denn das Christkind
endlich zu uns käme.

Mein Papa sagte, er würde mal schauen gehen, aber
wir müssten brav in unserem Zimmer bleiben. Während er weg war, hörten wir die
Türklingel. War das das Christkind?

Papa kam wieder in unsere Zimmer und
sagte, dass es noch ein paar Minuten dauern würde, das Christkind sei aber schon
in unserer Straße und gerade eben hätte ein Engel geklingelt und Bescheid
gesagt. Was waren wir aufgeregt!

Nach ein paar Minuten ging die Tür zum
Kinderzimmer auf und meine Mutti kam herein, um uns mitzuteilen, dass das
Christkind da gewesen sei. Wir waren aus dem Häuschen, konnte aber nicht
verstehen, warum wir nichts gehört hatten.

Meine Eltern nahmen uns bei
der Hand und führten uns aus dem Kinderzimmer in den Flur. Direkt links war die
Tür zum Wohnzimmer, die eine gelbliche Glasscheibe hatte, durch die ein warmer
Lichtschein drang. Im Wohnzimmer warteten bereits die Großeltern
väterlicherseits. Das Zimmer sah wunderbar märchenhaft aus. Das einzige Licht
kam von den Kerzen am Christbaum. Wir standen mit großen Augen da. Die vielen
Geschenke waren zwar interessant, aber der Baum und die Stimmung im Raum viel
wichtiger.

Doch bevor es Geschenke gab, sangen wir alle (ganz falsch)
ein paar Weihnachtslieder: Süßer die Glocken nie klingen, Stille Nacht,  Zu
Bethlehem geboren, O du fröhliche, Es ist ein Ros‘
entsprungen,  Ihr Kinderlein kommet
usw.

Ich kann mich kaum im Einzelnen an die Weihnachtsabende meiner
Kindheit erinnern, aber dieser hier ist fest verwurzelt, und ich möchte die
Erinnerung nicht missen. Im Laufe der Jahre habe ich diese Geschichte schon
häufig erzählt, insbesondere um den Briten klar zu machen, dass es viel schöner
ist, an Heiligabend Geschenke auszutauschen, als um 7 Uhr morgens (oder noch
früher) am ersten Weihnachtstag, wenn alle noch im Schlafanzug sind.

Liebe Rebekka, eine ganz zauberhafte Erinnerung an den Weihnachtsabend, vielen Dank dafür!
Rebekka, gebürtige Saarländerin, lebt seit 1990 in Schottland/ Edinburgh und bewohnt dort mit ihrer Lebensgefährtin ein zauberhaftes viktorianisches Haus. Rebekka arbeitet als Diplomübersetzerin. Zu ihren Leidenschaften gehören Kochen, Lesen und die Verschönerungen ihres Hauses…zum Beispiel mit wundervollen Blumen, über diese Themen schreibt sie auch auf ihrem Blog.

Ein gesegnetes und fröhliches Weihnachtsfest!