24. Türchen

Heiligabend mit Rebekka von THE BOXING DUCK

Ich liebe Weihnachten, die Adventszeit, die kurzen Tage und die langen Nächte,
denn dann kann ich Kerzen anzünden und mich mit einem Buch
einigeln.

Meine schönste Weihnachtserinnerung stammt aus meiner frühen
Kindheit. Ich bin noch nicht zur Schule gegangen, war also schätzungsweise 4
oder 5 Jahre alt, meine Schwester ein Jahr jünger.

Meine Eltern hatten
ein Lebensmittelgeschäft in unserem 2000-Seelendorf, das an Heiligabend bis 14
Uhr geöffnet war. Anschließend mussten das Geschäft, die Fleischtheke  usw.
geputzt und alles aufgeräumt werden. Die Zeit war immer knapp, denn gegen 17 Uhr
sollte die Bescherung stattfinden. Mein Papa machte sich als erster fertig und
schmückte den Weihnachtsbaum, dann war meine Mutti dran, die auch uns unsere
feinen Kleider anzog.

Jetzt musste nur noch das Christkind kommen. Mein
Papa war mit uns im Kinderzimmer und beschäftigte uns, während meine Mutti die
Geschenke unter den Baum legte, was wir natürlich nicht wussten. Wir waren noch
klein und wurden ein bisschen ungeduldig, fragten, wann denn das Christkind
endlich zu uns käme.

Mein Papa sagte, er würde mal schauen gehen, aber
wir müssten brav in unserem Zimmer bleiben. Während er weg war, hörten wir die
Türklingel. War das das Christkind?

Papa kam wieder in unsere Zimmer und
sagte, dass es noch ein paar Minuten dauern würde, das Christkind sei aber schon
in unserer Straße und gerade eben hätte ein Engel geklingelt und Bescheid
gesagt. Was waren wir aufgeregt!

Nach ein paar Minuten ging die Tür zum
Kinderzimmer auf und meine Mutti kam herein, um uns mitzuteilen, dass das
Christkind da gewesen sei. Wir waren aus dem Häuschen, konnte aber nicht
verstehen, warum wir nichts gehört hatten.

Meine Eltern nahmen uns bei
der Hand und führten uns aus dem Kinderzimmer in den Flur. Direkt links war die
Tür zum Wohnzimmer, die eine gelbliche Glasscheibe hatte, durch die ein warmer
Lichtschein drang. Im Wohnzimmer warteten bereits die Großeltern
väterlicherseits. Das Zimmer sah wunderbar märchenhaft aus. Das einzige Licht
kam von den Kerzen am Christbaum. Wir standen mit großen Augen da. Die vielen
Geschenke waren zwar interessant, aber der Baum und die Stimmung im Raum viel
wichtiger.

Doch bevor es Geschenke gab, sangen wir alle (ganz falsch)
ein paar Weihnachtslieder: Süßer die Glocken nie klingen, Stille Nacht,  Zu
Bethlehem geboren, O du fröhliche, Es ist ein Ros‘
entsprungen,  Ihr Kinderlein kommet
usw.

Ich kann mich kaum im Einzelnen an die Weihnachtsabende meiner
Kindheit erinnern, aber dieser hier ist fest verwurzelt, und ich möchte die
Erinnerung nicht missen. Im Laufe der Jahre habe ich diese Geschichte schon
häufig erzählt, insbesondere um den Briten klar zu machen, dass es viel schöner
ist, an Heiligabend Geschenke auszutauschen, als um 7 Uhr morgens (oder noch
früher) am ersten Weihnachtstag, wenn alle noch im Schlafanzug sind.

Liebe Rebekka, eine ganz zauberhafte Erinnerung an den Weihnachtsabend, vielen Dank dafür!
Rebekka, gebürtige Saarländerin, lebt seit 1990 in Schottland/ Edinburgh und bewohnt dort mit ihrer Lebensgefährtin ein zauberhaftes viktorianisches Haus. Rebekka arbeitet als Diplomübersetzerin. Zu ihren Leidenschaften gehören Kochen, Lesen und die Verschönerungen ihres Hauses…zum Beispiel mit wundervollen Blumen, über diese Themen schreibt sie auch auf ihrem Blog.

Ein gesegnetes und fröhliches Weihnachtsfest!

14 Comments

  1. Liebe Rebekka,
    schöne Erinnerungen sind das, die Du mit uns teilst. An geheimnissvolle Geräusche und Lichter hinter Glastüren erinnere ich mich auch und auch daran, dass ein Glöckchen erklang bevor die Tür sich öffnete. Den Klang hab ich heute noch im Ohr.

    Liebe Lotta, Dir vielen Dank für Deinen wunderbaren Adventskalender, der bei mir für ein wenig vorweihnachtliche Stimmung gesorgt hat. Ich freu mich, dass ich ein Teil davon sein durfte.
    Frohe Weihnachten Euch beiden!
    Lieben Gruß von Sabine

  2. Ich bin grade ganz sentimental, liebe Rebekka! Es ist fast so, als wäre ich dabei gewesen. Wir haben wohl alle ähnliche Erinnerungen: An die kaum zu bändigende Aufregung, das Staunen, die Besonderheit dieses Abends. Wie schön, wenn sie wieder so plastisch zum Leben zum Leben erweckt werden.
    Liebe Rebekka, liebe Lotta, Euch beiden ein wunderschönes Weihnachtsfest – so aufregend wie in Kindheitstagen!
    Herzliche Grüße!
    Sonja

  3. Liebe Rebekka,
    genau diese Stimmung ist die schönste Erinnerung an die Kindheit.
    Ein wunderschönes Weihnachtsfest wünsche ich dir! 🙂

    Liebe Lotta,
    ich möchte mich noch einmal für deinen tollen Weihnachtskalender bedanken 🙂
    und ich wünsche dir ein herrliches Weihnachtsfest und einen
    guten Rutsch in ein gesundes neues Jahr 🙂
    Ganz viele liebe Grüße sendet dir Urte

  4. Wenn man den Text liest und sich die Fotos anschaut, glaubt man fast, man sei dabei gewesen und mir wird warm ums Herz. Es sind besonders diese alten Fotos, die mich immer sehr berühren, sie wirken wie eine Zeitreisemaschine.
    Irgendwie vereint sie uns hier alle – die Erinnerung an frühere Zeiten.
    Es waren wunderbare 24 Tage mit all den spannenden, lustigen und bezaubernden Geschichten und Fotos.
    Danke dafür!
    FROHES FEST!
    Lg Gretel

  5. Liebe Lotta, liebe Rebekka! Ja, das Christkind, das war in meiner frühen Kindheit auf dem Dorf auch der Geschenkebringer ( das letzte Mal, mit 8, identifiziert von mir als meine Cousine im Hochzeitskleid ihrer älteren Schwester 😉 )… So zauberhaft ist das Fest nur im Kleinkindalter. Später kommt ein anderer Zauber dazu,wenn frau das Fest für andere ausrichtet ( und auch der Stress 😉 ). Ich wünsche euch Beiden heute Abend ein bisschen vom Weihnachtszauber zurück!
    Herzlichst
    Astrid

  6. Irgendwie haben wir doch alle ähnliche Erlebnisse und Erinnerungen an weihnachten, die uns ein Leben lang begleiten und immer wieder verzaubern. Danke liebe Rebekka, du hast das sooooo wunderschön geschrieben, danke liebe Lotta, für 24 abwechslungsreiche Türchen und danke, das ich dabei sein durfte. Ich wünsche euch fröhliche Weihnachtstage und einen schwungvollen Start ins neue Jahr.
    Lg Mickey

  7. Liebe Rebekka, liebe Lotta,
    der Zauber von Weihnachten, so habe ich das als Kind auch empfunden. Sehr schön geschrieben. Danke auch an Lotta für diesen wunderbaren Adventskalender mit so schönen Geschichten. Euch und Euren Familien schöne und fröhliche Weihnachten!

    Liebe Grüße
    Birgit

  8. Dein schöner Beitrag weckt auch in mir gleich wieder Erinnerungen. Wir hatten jedes zweite Jahr die englisch/amerikanische Variante. Dann gab es abends den wunderschönen Tannenbaum der wirklich ganz im Zentrum stand, und Weihnachtslieder. Die Geschenke wurden dann erst am nächsten Morgen verteilt, wenn Vati vom Dienst kam, denn er musste als Feuerwehrmann jedes zweite Jahr 24 Stunden-Dienst an Heiligabend tun und Tannenbäume löschen…
    Liebe Grüße und ein schönes Weihnachtsfest !
    Andrea

  9. Liebe Rebekka,
    dein Post hat mich auch wieder zurück in meine Kindheit versetzt…..deine Bilder ähneln meinen sooo sehr *g*
    Wunderschön geschrieben.

    Liebe Lotta,
    dein Adventskalender war W U N D E R S C H Ö N….ich habe mich jeden Tag darauf gefreut, einen neuen Post zu lesen
    ( wenn ich auch nicht täglich kommentiert habe….oft habe ich schnell übers Handy gleich morgen neben meinen Kaffe reingeschaut )
    DANKE !
    Liebe Grüsse Mia

  10. liebe lotta,
    vielen dank für ein wunderbares bloggerjahr mit dir.
    ich wünsche dir und deinen lieben von herzen eine strahende, fröhliche, glückliche, zauberhafte
    weihnachtszeit.
    mit lieben grüßen – elvi

  11. Ganz zauberhaft, ihr beiden, und so viele der Erinnerungen kann ich teilen.Und pünktlich zum Weihnachtsabend, liebe Lotta, steht ein feuriger Elche bei mir (naja als Briefmarke…) – Habt einen behaglichen Weihnachtsabend, ihr alle! Ghislana

  12. Hach, liebe Rebekka, wie schön doch solche Erinnerungen sind. Bei uns war es ähnlich. Und ich hab so lange ans Christkidn geglaubt. So schade fand ich es für die Schulkameraden meines Sohnes, die schon mit 6 Jahren rumposaunten, welche gecshenke sie sich "bestellt" hätten und dass ihre Eltern die dann auch kaufen würden, selbstverständlich. Für meinen Sohn habe ich versucht, diesen Zauber so lange wie möglich zu bewahren. Und er ist sich auch nach diesem Weihnachten nicht hundertprozentig sicher, ob es das Christkind jetzt gibt oder nicht, auch wenn er die Zahnfee und den Nikolaus schon enttarnt hat… 😉

    Herzlich, Katja

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