8. Türchen



Andrea vom Blog Holunder freut sich darüber, dass man Lebkuchen schon im Sommer kaufen kann…;o)… warum erzählt sie hier…


Ein Adventspäckchen wird gepackt

Lange bevor das erste Türchen des Adventskalenders geöffnet
wird – in der letzten Oktoberwoche, spätestens in den allerersten grauen
Novembertagen –  ist es für mich an der
Zeit zu überlegen, was unbedingt in das kleine vorweihnachtliche Päckchen
gehört, das rechtzeitig zu Beginn der Adventszeit bei unserem Familienzweig
(und –zweiglein) in Übersee eintreffen soll. Man weiß ja nie, wie lange so ein
Päckchen unterwegs sein wird (man hat da so manches Irrwegpaket nach Monaten mehr
durch Zufall den Weg zum Empfänger finden sehen). Gar nicht so einfach, wenn
man eigentlich noch ganz in der Herbststimmung verhangen ist.
Was vermisst man fern der alten Heimat in der adventlichen
Zeit, oder was kann man dort nirgendwo – oder nur in großen Städten zu teuren
Preisen – kaufen? 
Was gehört zur deutschen Vorweihnachtszeit und vor allem zu
unseren persönlichen Familientraditionen?
Wie würde es mir fern der alten Heimat gehen, was brauche
ich, für mein schönes Vorweihnachtsgefühl?

Da heißt es bei einer Tasse Tee am Kamin die Augen schließen
und eigene Kindheitserinnerungen aufrufen. 
Oh ja, Adventsspaziergänge im Schnee und sich dann drinnen bei einer
Tasse heißer Schokolade aufwärmen!   
Schnee im Advent ist herrlich! An Kälte, Eis und Schnee wird
es dort unweit der kanadischen Grenze bestimmt nicht mangeln.
Gerüche der Plätzchenbackstube und Stollengewürze lassen
mich schnell in die gewünschte Stimmung eintauchen, denn darauf bin ich frühkindlich
geprägt. Sterne, Tannen und Monde aus fein gerolltem Teig auszustechen und mit
klebrigen Kinderfingern auf das Kuchenblech zu transportieren, ist fest im
Gedächtnis verankert. Dass es auf Weihnachten zuging, zeigte sich auch daran,
dass der Postbote ein Paket der lieben Verwandten aus der DDR ins Haus brachte:
Aus dem Erzgebirge durfte nach altem Familienrezept  selbstgebackener Christstollen und manch
feines Weihnachtsengelchen zu uns auf der anderen Seite der Mauer ausreisen.
Bis heute habe ich nie selber Christstollen gebacken und
auch nie wieder so einen gekostet, der genauso wie der Kinderzeitstollen
schmeckte. Und nie war ein Weihnachtsleuchter größer und schöner als der
erzgebirgische,  an dem zu Weihnachten
zwei Kerzen angezündet wurden.
Also müssen unbedingt typische Weihnachtsgewürze für
Lebkuchen und Stollen, Rosenwasser, Marzipan und Backoblaten und alte
handgeschriebene Familienbackrezepte in das Päckchen, denn eine
Adventsbackstube wird dort  ganz bestimmt
eingerichtet. Spekulatius und Lebkuchen samt nötiger Zutaten findet man im
Supermarkt ja schon seit Sommerferienende. In diesem Fall ist das ganz
praktisch.
Die große Weihnachtskiste muss hervorgekramt und ein  Baumschmuck aus Kindertagen ausgewählt
werden. Diesmal wird er keine Mauer, sondern einen Ozean überqueren.
Habe ich mir nicht auch irgendwann von meinen Eltern aus
ihrer Weihnachtskiste jene Kindheitserinnerung – den „riesigen“ roten
Holzleuchter, dessen sterntragendes Engelchen mir als kleinem Mädchen ein Bild
der Weihnachtszeit bedeutete, gewünscht?
Staunend und glücklich hielt ich dann das – tatsächlich viel
kleinere – Original in Händen. 
Offensichtlich war er seit meinen Kindertagen geschrumpft…
Unsere Kinder liebten die abendlichen „Lichtergeschichten“
im Advent. Am großen dunkelblauen 
Stoffhimmel hinter dem Adventstisch wuchs eine selbstgebastelte
Sternenschar mit jedem Abend um einen Stern ergänzt heran. Eine kleine Kerze
mehr wurde entzündet und die Adventslandschaft wurde täglich sternenreicher,
kerzenheller und ausgestalteter. Erst ergänzt mit Steinen, dann mit Pflanzen,
Holztieren…Und jeden Abend gab es im Kerzenschein eine Geschichte. Genug in
Erinnerungen geschwelgt.
Gut – dann sollte auch noch eines der geliebten
Geschichtenbücher mitreisen – und Bienenwachskerzen. Ach ja, einen
Adventskalender sollte ich auch noch basteln.
Alles zusammenpacken und dann ab die Post mit dem
Adventspäckchen. Als nächstes ist dann das Geschenkepaket an der Reihe. …  Wenn hierzulande an Weihnachten gedacht wird,
sollten die Pakete längst auf der Reise sein.

Liebe Andrea, herzlichen Dank für Deinen Beitrag! Ich kann so gut nachempfinden, worüber Du schreibst! Wir haben Freunde in Florida und kennen solche Pakete für die Weihnachtszeit, die man selbstverständlich im Herbst schon verschicken sollte…Ein Christstollen ist Pflicht, aber auch über Lebkuchen…Duftkerzen…erzgebirgische Volkskunst wird sich sehr gefreut!
Andrea lebt am Bodensee und u. a. ist stolze Besitzerin von drei Hunden.


Verschickt Ihr auch Pakete um die Welt?

Ich wünsche Euch einen

 wundervollen 2. Advent!

15 Responses to “8. Türchen”
  1. Liebe Andrea,
    das hast Du ganz wunderbar geschrieben und dieses besondere Adventpäckchen wird sicherlich auch in diesem Jahr heiße erwartet worden sein ….da drüben in Canada! Wir verschicken auch in jedem Jahr ein Paket mit selbstgebackenen Plätzchen, Marmelade und kleinen Geschenken! Aber weit hat es das Paket nicht, denn unser Familienteil lebt in der Nähe von Kopenhagen!
    Liebe Andrea, liebe Lotta, habt einen schönen 2. Adventssonntag! Viele Grüße von Swantje

  2. Wie wunderschön der Post ist!
    Ich kenne das zu gut, lebt meine Schwester doch überall auf der Welt und im Moment gerade in Washington D.C.
    Liebe Grüße,
    Markus

  3. Ein so liebevoll gepacktes Weihnachtspaket aus der Heimat, da wird einem ja ganz warm ums Herz, liebe Andrea!
    Und die weihnachtlichen Leckerein, die Du da so schön beschreibst und auf den Bildern festgehalten hast, gehören auch bei uns
    jedes Jahr fest in die Adventszeit. Adventskalender und ein großer Schwung an Weihnachtsbüchern nicht zu vergessen. All das macht die Weihnachtszeit
    zu etwas ganz besonderem 🙂
    Ich wünsche Euch und Euren Familien einen rundum stimmungsvollen 2. Advent,

    liebe Grüße
    Sabine

  4. wie wunderbar! ja manch päckchen ist ganz schön lange auf reisen, ich erinnere eins, das für weihnachten gedacht war und zu ostern aus srilanka bei mir einschiffte 😉
    der liebevoll ausgesuchte inhalt deines päckchens verzaubert mich. da wird wer große freude haben, bestimmt!
    lieben gruß an euch beide!
    dania

  5. So ein schöner, zu Herzen gehender Post ♥♥♥ Auch wir haben Verwandte in Kanada und kennen das Problem, manches Weihnachtspäckchen schon lange vor der Zeit loszuschicken 😉 Das Buch "Das Licht in der Laterne" ist wunderschön und ein tolles Buch für die Adventzeit!

    Ganz liebe Grüße
    Bianca

  6. Ja, das Weihnachtspäckchen – immer noch etwas besonderes 🙂

    Liebe Grüße – Monika mit Bente

  7. wie schön! so liebevolle gedanken, so ein schönes päckchen gefüllt mit weihnachtsstimmung!
    liebe grüße, mano

  8. schön, so ein liebevoll gepacktes weihnachtspäckchen zu bekommen. auf tannen- und kiefernzweige, stollen und lebkuchen könnte ich
    in dieser zeit so gar nicht verzichten.
    lg und einen kuscheligen 2. adventssonntag
    mickey

  9. wie schön vorausgedacht und liebebvoll gepackt… und dieses hin und her der päckchen von einer seite deutschlands auf die andere und umgekehrt war bei uns auch so…, ein ganz besonderer duft kam aus den paketen, und mancher erzgebirgische räuchermann ist damit losgestapft… lieben gruß an euch beide, andrea und lotta, von ghislana

  10. Liebe Andrea, liebe Lotta,
    Dein Post hat mich sehr bewegt, auch wenn wir keine Pakete in die Welt verschicken. Schön finde ich, wie viele Gedanken Du Dir darüber machst, worüber sich die Empfänger freuen würden. Ich hoffe, dass Dein Paket rechtzeitig zum Fest bei den Empfängern ankommt!

    Einen schönen 2. Advent und liebe Grüße
    Birgit

  11. Liebe Andrea, liebe Lotta,
    das ist wieder ein so schöner vorweihnachtlicher Post!
    Ich wünsche euch noch einen gemütlichen 2.Adventsabend
    und ganz viele Grüße sendet Urte

  12. Schön, wo "unser" Erzgebirge inzwischen überall zu Hause ist.
    Und es ist auch wunderbar, immer wieder die glücklichen Kindheitserinnerungen an Weihnachten zu lesen. Das bestärkt mich wieder, dass der ganze "Weihnachtszinnober", den man jährlich veranstaltet, doch gut und richtig ist. Lg

  13. Wie schön, dass Du all diese Sachen weitergibst. Genau das ist für mich Weihnachten. Zuhause in meinem Elternhaus gibt es auch ganz viele kleine Erzgebirgsfiguren, jedes Jahr kamen neue dazu. Und wir Kinder hatten alle unsere Lieblingsfiguren… die habe ich noch heute.

    Herzlich, Katja

  14. So eine schöne Idee ein wenig Heimat und weihnachtliche Erinnerungen zu verschicken! Und wie lustig wie seit der Kindheit alles ein wenig geschrumpft ist oder nie mehr so gut schmeckte wie damals 😉 Ich kenne solche Eindrücke auch…
    Liebe Grüsse
    Sarah

  15. Ein tolles Weihnachtspaket und ich merke gerade, ich komme derzeit kaum mit lesen hinterher 😉
    Man möge es mir verzeihen – lieben Gruß und eine schöne Woche für Euch Björn 🙂

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