Gedanken zum 9.Oktober…

Foto: Johannes Beleites
Ich bin ein freiheitsliebender Mensch, mag keine starren Vorschriften und Regeln, hasse das Gefühl des „Eingesperrtseins“. Deshalb habe ich mich wahrscheinlich auch selbständig gemacht, obwohl ich auch hier Regeln beachten muss.
In meiner Kindheit habe ich es als unsägliche Ungerechtigkeit empfunden, dass es keine Reise-und Meinungsfreiheit in meiner Heimat gab.
Gerade mit dem Abitur fertig, bin ich als junge Studentin dann auf dem Leipziger Ring mit marschiert, habe „Wir sind das Volk“ gerufen, wohlwissend, dass in den Seitenstraßen bereits die bewaffneten Sicherheitskräfte auf ihren Einsatzbefehl warteten.
Ich bin dankbar, dass ich mit ganz vielen anderen Leipzigern damals einen kleinen Beitrag leisten konnte, damit heute alle Deutschen die Reisefreiheit genießen können…

Foto: Gerhard Gäbler

Foto: Heinz Löster


Das Lichtfest am 9.Oktober in Leipzig erinnert alljährlich an die Friedliche Revolution und wird als „Tag der Freiheit“ begangen.

Quelle: http://www.famab.de/media/7/12886178214650/csc_001_lichtfest_leipzig.jpg
Quelle: http://leipzig-seiten.de/images/stories/2010/leipzig/leipzig_lichtfest_2010_1.jpg
Es heißt, man solle denen, die einem Unrecht getan haben, vergeben…Ich arbeite noch daran.

Liebe Grüße, Lotta.

13 comments On Gedanken zum 9.Oktober…

  • So ein wunderbarer Post.
    Manche Wutwunden heilen sehr schwer.
    Ich glaube, Du darfst Dir Zeit lassen.
    Lieben Gruß, vany

    • Ja, leider heilen solche Wutwunden sehr langsam…bei der Generation meiner Eltern müssten sie noch viel größer sein…ich habe sie eigentlich noch nie danach gefragt…fällt mir gerade auf…LG Lotta.

  • Liebe Lotta – du sprichst mir aus dem Herzen. In mir ist täglich noch Wut und oft stelle ich Menschen über 50 hier unter Generalverdacht. Aber " W i r arbeiten dran" lg

  • Liebe Lotta,

    ich habe den Herbst 1989 als Wessi erlebt. 29 Jahre war ich damals. Die DDR der siebziger Jahre kannte ich aus Besuchen bei der Verwandtschaft meines Vaters in Thüringen. Die Ereignisse bei Euch im Oktober/November 89 habe ich über die Nachrichten mitbekommen. Ich habe die Demonstranten in Leipzig damals für verdammt mutig gehalten und tue es noch. Am 9. November habe ich vor der Glotze gesessen und geheult, und ich weiß, dass mein Vater das auch getan hat.

    Es ist schwer, die Wut hinter sich zu lassen und zu vergeben, aber versuch es um Deinetwillen, denn sonst haben die, auf die Du wütend bist, irgendwie immer noch Macht über Dich. Und das tut DIR nicht gut.

    Ich wünsche Dir und allen anderen die Kraft, Ihre Wut mit der Zeit verschwinden zu lassen.

    Ganz liebe Grüße

    Kerstin

    • Ich weiß gar nicht, ob es nur Mut war…sicherlich auch eine große Portion Unbekümmertheit, die die Jugend halt so an sich hat…man hat sich über die Folgen nicht so Gedanken gemacht ( Rauswurf von der Uni, Gefängnis, Tod???…was hätte alles passieren können…). Beim Mauerfall hat mein Vater mit Freunden vor der Glotze gesessen und alle haben Rotz und Wasser geheult…werde ich nie vergessen…ich glaube, die Generation meiner Eltern hat noch viel mehr gelitten…LG Lotta.

  • Den 9. Oktober habe ich auch nur von Westen aus am fernseher erlebt. Aufregend war es zu sehen, was "dort drüben" passiert, wie mutig die Menschen auf einmal waren udn die große Frage, wie der Staat darauf reagieren würde. Freudige Aufregung war es und kurz darauf sind wir nach Berlin gefahren, um den Mauerfall live mitzuerleben. Eine aufregende Zeit.

    Im übrigen hat mich der Klapperstorch auch irgendwie falsch abgegeben, dnen ich bin in einer Hochhaussiedlung aufgewachsen…

    Herzlich, Katja

    • Ja, es war eine unglaublich aufregende Wende-Zeit… meine Kinder können das nicht mehr so nachempfinden…und ich weiß gar nicht genau, ob ich mich nun darüber eher freuen soll oder es bedauerlich finde…LG Lotta.

  • Liebe Lotta,

    ich habe diese starren Grenzen immer als ganz schrecklich und bedrohlich erlebt.
    Ich habe in Leipzig Verwandtschaft, die wir in meiner Kindheit einmal im Jahr besucht haben.
    Es war für mich als Kind soooo bedrohlich….ich hatte immer Angst wir dürfen nicht mehr raus – zurück.
    Schrecklich wie sie beim Ausreisen im Tank herumgestochert haben…. wir alle Bänke umlegen mußten …. wir argwöhnisch betrachtet wurden…ob wir was zu verbergen hätten….
    Und beim Anmelden in Leipzig fühlte ich mich beobachtet und hatte immer ein ganz schlechtes Gefühl dabei……..

    Puuuhhh gut das diese Zeiten vorbei sind !!!!!!!!!!!

    Ganz liebe Grüsse Mia

    • Ja, zum Glück sind die Zeiten vorbei…aber ich finde, man sollte daran erinnern…Mich ärgert immer wieder, wie schnell man vergisst und glorifiziert…da kommt auch schnell mal der bekannte Satz…früher war alles besser gewesen…
      Ich bin übrigens unendlich dankbar, dass auch meine Großeltern die Wende noch miterleben durften, auch wenn meine Oma damals dann schon zu krank war, diese Freiheit wirklich zu erleben. Liebe Grüße, Lotta.

  • Ein schöner Post!
    Liebe Grüße,
    Markus

  • Liebe Lotta,
    Dein Post ist sehr beruehrend und gefällt mir sehr. Ich war damals erst 9 und habe nur nebenher mitbekommen, wie meine ELtern gespannt die Ereignisse im Fernsehen verfolgt haben und alle plötzlich ganz aufgeregt waren.
    Ich wuensche Dir ganz viel Kraft fuer´s Vergeben – aber das ist wirklich etwas, was wahrscheinlich sehr sehr lange dauert, wenn man es ueberhaupt schafft.
    LG, Appelgretchen

  • “Wir sind das Volk”:

    “Herrschsucht und Unduldsamkeit sind für die Massen sehr klare Gefühle, die sie ebenso leicht ertragen, wie sie sie in die Tat umsetzen. Die Massen erkennen die Macht an und werden durch Güte, die sie leicht für eine Art Schwäche halten, nur mäßig beeinflußt. Niemals galten ihre Sympathien den gütigen Herren, sondern den Tyrannen, von denen sie kraftvoll beherrscht wurden. Ihnen haben sie stets die größten Denkmäler errichtet. Wenn sie den gestürzten Despoten gern mit Füßen treten, so geschieht das, weil er seine Macht eingebüßt hat und in die Reihe der Schwachen eingereiht wird, die man verachtet und nicht fürchtet. Das Urbild des Massenhelden wird stets Cäsarencharakter zeigen. Sein Helmbusch verführt sie, seine Macht flößt ihnen Achtung ein, und sein Schwert fürchten sie. Stets bereit zur Auflehnung gegen die schwache Obrigkeit, beugt sich die Masse knechtisch vor einer starken Herrschaft. Ist die Haltung der Obrigkeit schwankend, so wendet sich die Masse, die stets ihren äußersten Gefühlen folgt, abwechselnd von der Anarchie zur Sklaverei, von der Sklaverei zur Anarchie.”

    Gustave Le Bon (Psychologie der Massen)

    Erst denken, dann handeln:

    http://www.swupload.com//data/Das-Juengste-Gericht.pdf

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