Jung und Alt…

…Wie Ihr bereits wisst, bei uns steht eine Konfirmation ins Haus. Zur Vorbereitung geht das Tochterkind schon seit Monaten zum Konfirmandenunterricht.

Vor Weihnachten hat sich der Pfarrer etwas Tolles ausgedacht, er hat die Konfirmanden in verschiedene Gruppen eingeteilt. Da gibt es die Gruppe Kindergottesdienst, die Gruppe Kirchen-Praktikum (z. B. Kirchenführungen ), die Gruppe Öffentlichkeitsarbeit ( z. B. Schaukasten gestalten ) und die Gruppe Diakonie.

 Mein Töchterchen ist in der Gruppe Diakonie gelandet. Hier haben die Konfirmanden z. B. die Möglichkeit, ein Pflegeheim zu besuchen, an einem Seniorentreff teilzunehmen, einen Aussiedlerkreis mit zu gestalten.

Nun dürfte meine Tochter eigentlich bereits Erfahrungen mit älteren, kranken Menschen haben, denn der Opa ist nach einem Schlaganfall auf fremde Hilfe angewiesen. Trotzdem spüre ich immer wieder Berührungsängste bei ihr und den anderen Konfirmanden. Früher, als Alt und Jung noch unter einem Dach gelebt haben, war so ein pflegebedürftiger oder alter Mensch ganz selbstverständlich, und heute? Ich finde, junge Menschen müssten viel mehr dazu animiert werden, sich auf alte Menschen einzulassen. Es gibt bereits Projekte wie das Mehrgenerationenhaus. Ich bin aber auch dafür, während der Schulzeit Praktika anzubieten, z. B. im Rahmen des Religions- oder Ethikunterrichtes. Dabei sollten die Jugendlichen keine Pflege verrichten, sondern sich mit den alten Menschen beschäftigen, ihnen vorlesen, Karten spielen, vielleicht gemeinsam Musik machen…Gerade in der Pubertät, wo sich bei den Jugendlichen eigentlich alles nur um die eigene Person dreht, finde ich, dass so eine Auseinandersetzung mit einer anderen Generation den Horizont erweitern kann.

Kleine Anekdote am Rande…
Vor einigen Tagen standen mein Tochterkind und ihre Freundin in der Küche und backten Kuchen für einen Seniorengeburtstag. Meine Tochter sollte den Guss noch mit Streuseln verzieren. Zunächst streute sie ganz zögerlich und ich fragte, warum. Ihre Erklärung…die Senioren könnten doch nicht mehr so gut beißen…

Marmorkuchen-Zutaten: 250g Butter, 250g Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker, 4 Eier, abgeriebene Schale von 1/2 Zitrone, 500g Mehl, 1 Päckchen Backpulver, 1/8 l Milch, 3 EL Kakao, 2 EL Rum, Puderzucker oder Zuckerguss zum Verzieren )

Wie sieht es bei Euch aus? Klappt das Miteinander zwischen Jung und Alt?

   
20 Responses to “Jung und Alt…”
  1. Da hatte der Pfarrer wirklich eine gute Idee!
    Liebe Grüße,
    Markus

  2. Ein Beitrag, der nachdenklich macht. Ich bin dafür – Jung und Alt zusammen.

    Sigrun

  3. Guten Morgen Lotta,
    das ist wirklich eine gute Idee. Vom Miteinander profitieren beide Seiten. Auch wer alt und krank ist, kann Geschichten und Geschichte erzählen. Ich hatte das Glück Kindheit und Jugend mit den Großeltern unter einem Dach zu wohnen. Vieles was ich weiß und kann, habe ich von ihnen. Meine Kinder sind nicht mit Großeltern aufgewachsen, ich habe mir das aber oft für sie gewünscht.
    Lieben Gruss von Sabine

  4. Das ist mal eine gute Aktion – auch die mit dem Kuchen 🙂
    Liebe Grüße!

  5. Guter Pfarrer, er lässt die Konfirmanden echt teilhaben am kirchlichen Leben.
    Die Gruppe Diakonie wäre für mich auch nicht wirklich was gewesen, ich hätte
    lieber die Öffentlichkeitsarbeit gemacht 😉
    Und der Kommentar beim Kuchen zeigt doch, dass sie sich sehr wohl Gedanken
    um die alten Leutchen macht 🙂

    Liebe Grüße
    Sigi

  6. liebe Lotta,

    eine tolle Idee, die Euer Pfarrer da hatte.
    Meine Kinder hätten da sicherlich auch ihre Berührungsängste. Toll finde ich, dass sich deine Tochter dazu aber Gedanken macht.
    Ein schönes Projekt.
    Ich wünsche Euch schonmal eine schöne Konformation, dass Pfingstwetter soll ja durchwachsen werden.

    Liebe Grüße von Danny

  7. Ein sehr interessantes Thema hast Du da angestoßen, liebe Lotta. Und es ist eine wirklich tolle Idee von eurem Pfarrer, die jungen Leute so einzubinden. Ich selbst bin in einem 3-Generationen-Haus aufgewachsen und fand es wunderbar. Heute hat sich viel verändert, auch was den Familienzusammenhalt betrifft. Das beobachte ich immer wieder im Freundes- und Bekanntenkreis. Beruflich bedingt wohnt man oft weit auseinander, führt sein eigenes Leben, sieht sich meist nur noch zu Familienfesten. Ich selbst wünsche mir, im Alter in einem Mehrgenerationenhaus zu leben, auch wenn es nicht die eigene Familie sein wird. Mal sehen…

    Aber Du hast recht… die junge Generation sollte heutzutage mehr mit den Alten "konfrontiert" werden. Das führt auch sicher auf beiden Seiten zu mehr Verständnis. Manchmal denke ich, wir sind heute irgendwie viel egoistischer als früher…

    Lieben Gruß und danke für diesen Denkanstoß
    Jutta

  8. *lach*
    Ja, so ein Kuchen kann schon ne harte Nuß sein…
    Das mit den Berührungsängsten gibt es bei uns nicht so – aber wenn man mehrere Wochen im Jahr in einer Reha-Klinik wohnt, ist eben auch erst der wirklich auffällig, der sich überhaupt gar nicht mehr rühren kann. 😉 Es ist alles eine Frage der Gewohnheit.

    Klasse fand ich vor einigen Tagen den Dialog zwischen Jonas (5) und unserer Quasi-Oma (89):
    J:Anneli, wann wirst Du eigentlich tot?
    A:Ach, Jonas, bestimmt ganz bald – ich beeile mich ja schon.
    J:Und dann wirst Du eingebuddelt?
    A:Ja, das macht man so.
    J:Und wenn Du dann tot bist, mußt Du dann immer die Augen zu haben?
    A:Ist ja besser, sonst bekommt man doch Sand in die Augen.
    Jonas denkt nach.
    J:Anneli, kann ich dann denn auch mit Dir reden?
    A:Ja, das kannst Du. Du kannst mich dann besuchen aber ich kann dann nicht mehr so laut antworten. Aber ich höre Dir immer sehr gut zu.
    J (zufrieden):Ach, dann ist es ja gut.

    Wenn der zwischenmenschliche Umgang, egal ob zwischen verschiedenen Generationen oder nicht, immer so ehrlich und unbefangen wäre – wieviel angenehmer könnte der Alltag für uns alle sein…

    GLG,
    Mel

  9. Ein wunderbarer Kuchen und sicher mit viel Liebe und Herzblut von Deiner Tochter gebacken! Die Überlegung mit den Streuseln ist nicht verkehrt – im Seniorenheim bin ich zwar noch nicht vom Alter her gesehen, aber mein Backenzahn an den bunten Streuselguß meiner Tochter im letzten Frühjahr leider nicht überlebt, seitdem genieße ich Kuchen lieber ohne solchen 🙂
    Liebe Grüße,
    Sabine

  10. Das ist ein schönes Thema. Mein Großer ist – als er noch klein war – aus familiären Gründen in einem kleinen Seniorenheim aus- und eingegangen und er hatte die wenigsten Berührungsängste. Wenn es mir eng in der Kehle wurde, ist er ganz natürlich auf die Bewohner zugegangen. Das war sehr berührend und eine gute Erfahrung. lg

  11. Schönes Thema!
    Liebe Grüsse und einen wundervollen Tag, Babs

  12. Lieben Dank für deinen diesen Post! Ich bin in einem Dreigenerationenhaushalt groß geworden mit meiner von Geburt an gehbehinderten Großmutti – unschätzbar wertvoll und um nichts in der Welt wollte ich das missen! Und oft gruselt mich, wenn ich von Kindern und deren Eltern höre "die kann ich nicht mehr auf Besuch einladen, furchtbar, erzählen immer dasselbe, können nicht mehr allein aufs Klo, die sollten in ein Pflegeheim…" Erst unlängst machten wir einen Ausflug in eine Meierei. Am Damenklo war eine kleinere Schlange. Und als dann ("na endlich" jemand von hinten vorwurfsvoll) eine ältere Dame herauskam mit ihrer auch schon älteren Tochter, sagte doch glatt die Dame hinter mir "so jemand dürfe halt nicht mehr in ein Lokal gehen". Unfassbar finde ich so etwas. Und stimme demnach deinem Wunsch nach mehr Generationenvermischung absolut zu!
    Alles Liebe
    Dania

  13. Ich finde es großartig, dass die Kids sich so in der Gemeinde bewähren müssen. War bei uns auch geplant, aber das Pfarrerduo hat es nicht auf die Reihe gebracht. Schade drum. ;(

    LG

  14. Hallo Lotta,

    die Idee ist wirklich gut – da habt ihr scheinbar einen mitdenkenden Pfarrer, sehr schön.
    Ja, ich habe auch Erfahrungen. In meiner Zivi-Zeit habe ich auch alte und kranke Menschen betreut, gewaschen usw.
    es waren sehr liebe Menschen darunter, die sich wirklich darüber gefreut haben eine Hilfe zu haben 🙂

    Lieben Gruß
    Björn 🙂

  15. Das ist wirklich eine sehr schöne Idee des Pfarres gewesen. Gefruchtet hat sie ja scheinbar schon.
    Ich bin ab und an mit meinem Hund (Therapiehund) zu Besuchen in Senioreneinrichtungen unterwegs. Diejenigen, die an Tieren Freude haben, leben dadurch immer sehr auf.
    Das wäre doch schön, wenn die Jugendlichen auch noch der Konfirmationzeit den Kontakt weiterpflegen würden.
    Liebe Grüße
    Andrea

  16. Schön deine Idee mit einem Praktikum während der Schulzeit, wäre eine Bereicherung für Jung und Alt.
    Die Umsetzung des Konformationsunterrichts in verschiedenen Gebieten ist toll.
    Liebe Grüsse
    sarah

  17. Ich habe nun auch einen Konfirmanden im Haus – nächstes Jahr im Mai ist es dann bei uns soweit. Die Idee mit den Gruppen bei Euch finde ich sehr schön. Mein Sohn wäre sicher auch etwas befangen im Umgang mit älteren Menschen die er nicht kennt. Der Kontakt fehlt und ist nicht selbstverständlich – das selbe bei behinderten Menschen. Toll, dass Deiner Tochter die Gelegenheit gegeben wird. Alles Liebe für Euch und ein schönes Fest.❤Anette

  18. eine ganz großartige idee! großes lob an den pfarrer, die konfirmanden und an deine tochter, die ziemlich klug ist!
    liebe grüße von mano

  19. Das ist eine sehr gute Idee.
    Viele kennen das mit den vielen Generationen
    unter einem Dach gar nicht mehr. Das ist sehr schade.
    Ganz viele liebe Grüße
    sendet dir Urte

  20. Schön der Versuch die Entfremdung der Generationen hier mal aufzubrechen! Es wäre Vieles einfacher, wenn so etwas ganz selbstverständlich wäre und man sich dafür auch ZEIT nimmt. Und die gegenseitigen Klischees und Vorurteile würden etwas zurechtgerückt. Lieben Gruß und heute eine ganz wunderbare Konfirmation der Tochter! Ghislana

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