Wenn man mit dem Auto von Leipzig nach Saalfeld fährt, führt einen der Weg auch durch Pößneck. Wir haben deshalb die Gelegenheit ergriffen, auch einen kleinen Bummel durch diese Thüringer Stadt zu unternehmen.
Pößneck befindet sich in der Orlasenke, einem Tal zwischen dem Thüringer Holzland im Norden und dem Oberland mit den Saalestauseen im Süden. Die erste Erwähnung fand Pößneck 1252 in einer Saalfelder Klosterurkunde. 1324 wurde sie dann als Stadt bezeichnet. Zwischen 1795 und 1823 machte Johann Wolfgang von Goethe auf seinen Reisen in die böhmischen Bäder Karlsbad und Marienbad achtzehnmal in Pößneck Station.
Als wirtschaftliche Grundlage der Stadt galt die Textilfabrikation. Im Pestjahr 1625 verstarben alle 60 Tuchmachermeister, was neben den Zerstörungen durch den Dreißigjährigen Krieges einen enormen wirtschaftlichen Schaden für die Stadt verursachte. Die neu ansässigen Weber spezialisierten sich später auf die Fertigung von hochwertigem Flanelltuch. Im Kriegsjahr 1871 wurden in Pößneck 14 große Textilfabriken gezählt. Die Arbeitsangebote hatte die Verdopplung der Stadtbevölkerung und einen Bauboom in den Vorstädten zur Folge. Die Blütezeit der Pößnecker Textilfabriken ging erst mit der massenhaften Verbreitung der Baumwolltextilien, die preiswerter angeboten wurden, zu Ende.

Das Pößnecker Rathaus gehört mit seiner überdachten Freitreppe im Stil der Frührenaissance zu den schönsten und sehenswertesten spätgotischen Rathäusern Thüringens. Erbaut wurde das Rathaus von 1478 bis 1499. Mit dem Bau der Freitreppe wurde es 1531 endgültig vollendet. Heute befindet sich im Rathausgebäude der Sitz des Bürgermeisters, des Standesamtes und des Fachbereiches Kultur der Stadtverwaltung.
Die evangelische Stadtkirche Pößneck ist eine ursprünglich im gotischen Stil erbaute und später veränderte Kirche am Marktplatz. Das Fehlen einer gotischen Ausstattung wird teils auf den Bildersturm von 1523, teils auf Brände zurückgeführt. Leider konnten wir das Innere der Kirche nicht bewundern, denn auch hier standen wir an einem Sonntag vor verschlossenen Türen.

























