Heute macht der Himmel blau

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Chemnitzer Stadtteil Kaßberg

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Ich gebe zu, wenn es darum geht, einen schönen Ausflug zu unternehmen, fällt mir die Stadt Chemnitz in Sachsen nicht gerade als Erstes ein. Im zweiten Weltkrieg wurde der Bestand an Kirchen, öffentlichen Gebäuden und Wohnhäusern in der historischen Innenstadt und den inneren Vorstädten beinahe vollständig zerstört. Davon hat sich Chemnitz nie ganz erholt. Doch wie so oft lohnt sich jedoch auch mal ein zweiter Blick…

Chemnitz entwickelte sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu einer der bedeutendsten Industriestädte Deutschlands. Mit der wachsenden Bevölkerung erweiterte man seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Stadt baulich. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entstanden die Wohnviertel Brühl, Sonnenberg und Kaßberg.

Der Kaßberg ist der bevölkerungsreichste Stadtteil von Chemnitz und zählt zu den größten Gründerzeit- und Jugendstilvierteln Deutschlands. Besonders auffällig sind die langen Straßenzüge mit reich verzierten Fassaden, Erkern, Balkonen, Türmchen und sehr unterschiedliche architektonische Details.

1855 errichtete der Chemnitzer Lehrer Johann Friedrich Stahlknecht das erste Haus auf dem Kaßberg. Da das Gebiet zu dieser Zeit noch recht unerschlossen war, galt diese Entscheidung als waghalsig, weshalb das Haus von seinem Erbauer mit der vierfachen Aufschrift „Ich hab’s gewagt“ versehen wurde. 

Mit der zunehmenden Industrialisierung kamen auch Erschließung und Bebauung des Kaßbergs voran. Die Höhen des Bergs galten bald als bevorzugte Wohngegend, vor allem wegen der im Vergleich zum Rest der Stadt weniger stark verschmutzten Luft. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere während der DDR-Zeit verfiel ein Großteil der historische Bausubstanz. Ab den 1990er-Jahren wurde der Kaßberg jedoch mit zahlreichen Zuschüssen und Förderdarlehen umfangreich saniert. Der Kaßberg ist heute längst nicht nur ein „Museum für Gründerzeitarchitektur“, sondern ein beliebtes Wohn- und Ausgehviertel. Es gibt zahlreiche Cafés, Bars und kleinere Restaurants.

Eine der ungewöhnlichsten Seiten des Kaßberges liegt unter der Erde. Dort gibt es ein weit verzweigtes System historischer Gewölbegänge, die früher unter anderem zur Lagerung von Bier, Wein und Lebensmitteln genutzt wurde. Teile davon können heute in Führungen besichtigt werden.

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