Heute macht der Himmel blau

Ein Blog über Fotografie, Reisen und Spuren im Sand.

Der Bilz-Rundweg (Lehrpfad)

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An einem schönen Augusttag haben mein Mann und ich uns aufgemacht, um wieder einmal im wunderschön gelegenen Radebeul vorbeizuschauen. Radebeul ist eine Große Kreisstadt im Freistaat Sachsen und bekannt als Wein-, Villen- und Gartenstadt.

Ich hatte mir im Vorfeld den Bilz-Rundweg herausgesucht, welcher rund 10 km lang ist und den Spuren des Naturheilkundlers Eduard Bilz folgt. Er ist als Lehrpfad mit vielen Infotafeln und Hörspuren angelegt und führt durch Wälder, vorbei an stillen Teichen, durch den tief eingeschnittenen Lößnitzgrund und hinauf zu den Weinbergen der Lößnitz mit ihren weiten Ausblicken ins Elbtal.

Beginn des Rundweges ist der seit 2002 so genannte Eduard-Bilz-Platz. Er wurde 2017 neu gestaltet. Kernstück ist die Skulptur einer Nymphe, die eine von Bilz als Werbung für sein Bad und sein Sanatorium genutzte idealisierte Jugendstildarstellung einer strahlenden, blumenbekränzten Jungfrau neu interpretiert.

Das Spitzhaus ist einer der landschaftlichen Höhepunkte der Tour. Der Ausblick von hier auf das Elbtal ist grandios. Direkt daneben steht der Bismarckturm, von dessen Plateau sich der Blick ebenfalls lohnt. Über die Spitzhaustreppe mit ihren vielen Stufen gelangt man wieder hinab ins Tal. Hier trifft man vor allem in den Morgenstunden einige Sportler, die ganz offensichtlich die zahlreichen Treppenstufen in ihr Trainingsprogramm aufgenommen haben.

Am Buchholzweg wendet sich der Weg nach Norden bis zum Meiereiweg. Hier befindet sich das Bilzbad. Im ehemaligen Pförtnerhäuschen hat der Bilzbund eine kleine Sammlung über Eduard Bilz zusammengestellt. Über den Unteren Langenwiesenweg gelangt man zum historischen Dorfanger Altwahnsdorf. Hier trifft man je nach Jahreszeit auf liebevoll zusammengestellte Straßenverkaufsstände, die auf Vertrauensbasis setzen.

Auf dem Bilz-Rundweg begegnet man der Strecke der Lößnitzgrundbahn. Die Lößnitzgrundbahn ist eine Schmalspurbahn, die seit 1884 durch das Tal dampft und von den Einheimischen liebevoll „Lößnitz-Dackel“ genannt wird. Überregional bekannt ist die Strecke vor allem aufgrund des 1974 eingeführten Traditionsverkehrs mit historischen Lokomotiven und Wagen aus der Frühzeit der sächsischen Schmalspurbahnen. 

Der Naturheilkundler Friedrich Eduard Bilz

Friedrich Eduard Bilz (* 12. Juni 1842 in Arnsdorf b. Penig; † 30. Januar 1922 in Radebeul) war ein deutscher Naturheilkundler und Lebensreformer. Er wird auch als Vater der volkstümlichen Naturheilkunde bezeichnet. 

Bilz machte zunächst eine Lehre als Weber und eröffnete dann zusammen mit seiner Gattin 1872 einen Kolonialwarenladen. Während seine Frau erfolgreich den einträglichen Laden führte und sich um die Familie kümmerte, wendete sich Bilz zunehmend der Naturheilkunde zu und erlangte nach und nach eine naturorientierte Weltanschauung. Ab 1882 veröffentlichte Bilz im Eigenverlag mehrere Bücher, wie z. B. „Das neue Heilverfahren. Lehrbuch der naturgemäßen Heilweise und Gesundheitspflege“.

1889 gab die Familie den Kolonialwarenladen auf und zog nach Dresden, 1890 dann nach Oberlößnitz, heute Stadtteil von Radebeul. Dort hatte er das Anwesen des Wiener Privatiers Richard Strubell auf einem Teilstück des Weinbergs Albertsberg oberhalb von Haus Albertsberg gekauft, auf dem er 1892 in dem bestehenden klassizistischen Gebäude ein kleines Sanatorium für seine Naturheilanstalt (später Kurhaus I) für anfangs 15 Patienten eröffnete (Bilz-Sanatorium).

Da dieses Gebäude schnell zu klein wurde, ließ Bilz bis 1895 im Anschluss an das Kurhaus I nach Osten das Kurhaus II errichten, das sogenannte Schloss Lössnitz. Im gleichen Jahr kaufte er auch noch das Anwesen Jägerberg hinzu, aus der Hantzsch-Villa wurde Haus Bilz. Ab 1896 wurde das Badehaus (Kurhaus III), nach Norden hinter dem Kurhaus II im 45 Grad-Winkel, angebaut, sowie 1898/1899 auf dem nahe gelegenen Jägerberg das Kurhaus IV in Betrieb genommen. Zeitweise drei Ärzte unterstützten Bilz bei der Behandlung der täglich bis zu 180 Patienten aus dem In- und Ausland. Im

Im Ersten Weltkrieg sanken die Besucherzahlen und erreichten nie wieder die Höchstwerte. Seit 1941 Wehrmachtslazarett und dann von der Roten Armee besetzt, diente das Sanatorium 1946 – 1953 als Finanzschule und 1953 – 1991 als Internat des Instituts für Lehrerbildung. Ab 2006 wurde es für Wohnzwecke saniert.

1902 entwickelte Bilz zusammen mit dem lippischen Kaufmann und Getränkefachmann Franz Hartmann die Bilz-Brause, aus der 1905 Sinalco (sine alcohole = ohne Alkohol) wurde.

1905 eröffnete Bilz oberhalb des Lößnitzgrunds das Bilz-Licht-Luft-Bad (Bilzbad). Das schließlich eine Fläche von 300.00 Quadratmeter einnehmende Gelände wurde zum Anziehungspunkt für Sonnenhungrige aus Dresden und dem Umland. Neben den kleineren Abteilungen für Damen und Herren war das Familienbad mit großem Schwimmteich, Tennis- und Fußballplatz, Turngeräten und Sandplatz besonders beliebt. 1912 wurde die Undosa-Wellenmaschine eingebaut, die noch heute genutzt wird. Das über hundert Jahre alte Freibad-Becken mit der Undosa-Wellenmaschine steht unter Denkmalschutz.

Friedrich Eduard Bilz starb am 30. Januar 1922 in seinem Heimatort und wurde auf dem Platz direkt rechts neben seinem langjährigen Freund Karl May auf dem Friedhof Radebeul-Ost begraben. Das heute denkmalgeschützte, aus Stein und Kreuz bestehende schlichte Grabmal hat die Inschrift „Die Natur war mein Leitstern“.

Bilz-Bund für Naturheilkunde e. V.

Der Bilz-Bund für Naturheilkunde e. V. wurde 1995 in Radebeul gegründet. Er hat sich die Aufgabe gestellt, die Tradition der Naturheilkunde im Sinne von Friedrich Eduard Bilz für die heutige, moderne Zeit wieder zu beleben und bekannt zu machen, da man zu DDR-Zeiten der Bilz-Medizin eher skeptisch gegenüber stand.

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