Der Umgang miteinander…

Wenn es um das Flüchtlingsthema geht, da erhitzen sich schnell die Gemüter…auch hier im Bloggerland. Das ist durchaus verständlich, wenn man die Bilder in den Medien sieht oder sich selbst vor Ort einen eigenen Eindruck verschafft hat. Viele sprechen von Wut und Hilflosigkeit angesichts dieser Flüchtlingsdramen und deren Folgen, von Ausländerfeindlichkeit und Versagen der Politik, denn was sich da vor unseren Augen abspielt, ist eine humanitäre Katastrophe.
Quelle: Wikipedia
Doch beim Lesen dieser zum Teil recht emotionsgeladenen Artikeln* merke ich, wie sich bei mir allmählich auch Unbehagen breit macht, und ich brauchte zunächst ein Weile, um es in Worte fassen zu können. Es ist dieser anklagende Ton, dieser erhobene Zeigefinger, dieser Hang zur Pauschalisierung, dieser Generalverdacht (mit dem Wörtchen “wir”), das Fehlen von Selbstkritik und Anbieten konstruktiver und realistischer Lösungen, aber auch der Anspruch, Deutschland ist grundsätzlich für alles und jeden verantwortlich und schuld, wenn es in der Welt Probleme gibt.
Nicht nur, dass man sich so den Dialog mit all denen verbaut, die Flüchtlingen eher abweisend gegenüber stehen oder einfach diffuse Ängste verspüren, man tut meiner Meinung auch denen unrecht, die sich für die Flüchtlinge engagiert haben und in selbstloser Weise helfen, ohne es (u. a. in sozialen Netzwerken) an die  große Glocke zu hängen. Ich bin überzeugt davon, dass die Deutschen lange nicht so ausländerfeindlich sind, wie ihnen ständig  (von den eigenen Landsleuten) nachgesagt wird und dass die Solidarität und die Bereitschaft zu Spenden in der Bevölkerung deutlich höher ist, als es in (Medien-)Berichten so rüber kommt. Mittlerweile wissen wir doch alle, wie die Berichterstattung vor allem funktioniert…es werden in erster Linie die Themen gesendet, bei denen die meisten Einschaltquoten zu erwarten sind, Bilder und Berichte gezeigt, über die man sich empören kann. Berichterstattungen über die vielen ehrenamtlichen Helfer und deren zum Teil nervenaufreibende Arbeit findet man da immer nur am Rande. Flüchtlingsströme zu leiten, Auffanglager zu schaffen, die (medizinische) Betreuung zu organisieren, Spenden zu koordinieren uvm. sind sehr verantwortungsvolle Aufgaben, die niemals ohne Konflikte und Probleme einhergehen werden, wenn Menschen unterschiedlicher geografischer Herkunft, Wertvorstellungen, Traditionen und Religionen sowie unterschiedlicher Sprachen aufeinander treffen. Für machbare und konstruktive Vorschläge und Hilfsangebote, die die Situation in den Flüchtlingslagern verbessern könnten, sind sicherlich alle dankbar, die dort wohnen müssen oder ehrenamtlich tätig sind. Nur allein darüber meckern, was alles (noch) nicht funktioniert, bringt niemanden weiter…auch nicht über DIE Politik herziehen, die angeblich so gar nichts tut, denn damit macht man es sich aus meiner Sicht zu einfach.
Ich würde mir wünschen, dass man sich gegenseitig mehr zuhört, nicht nur auf vorgefasste Meinungen beharrt, weniger emotionsgeladen diskutiert, offener ist für andere Standpunkte und nicht jeden, der kritische Gedanken zur Aufnahme von Flüchtlingen anschlägt, gleich als Nazi beschimpft. Ich würde mir wünschen, dass in Deutschland weniger genörgelt und gemeckert, Kritik konstruktiver angebracht und nicht alles so zerredet wird, sondern eher Taten folgen.
Ich würde mir wünschen, dass man nicht nur in Aktionismus verfällt, wenn ein akutes politisches oder gesellschaftliches Problem auftaucht, sondern sich grundsätzlich mehr engagiert. Viele Menschen tun es bereits, ohne groß darüber zu reden oder Bilder darüber zu posten.
Es gibt viele, viele Möglichkeiten…eine davon wäre, HIER Mitglied zu werden.

*nur ein Beispiel, man könnte hier auch zahlreiche andere aufführen

17 Responses to “Der Umgang miteinander…”
  1. Oja, heiße Diskussionen und ein schier endloses Dauerthema. LG. susanne

  2. Lotta, das hast du wieder wunderbar geschrieben, ich hätte das so nicht gekonnt. Ich teile alle deine Gedanken. Und über die Presse brauchen wir nicht zu diskutieren, es wird geschrieben, was Quote bringt.
    Ich bin der Ansicht, dass Deutschland nicht für alles zuständig ist und verurteile im Gegenzug aufs Schärfste Angriffe auf Asylbewohnerheime.
    Meckern ohne Engagement geht bei mir gar nicht, ich bin auch in einer ausländischen Familie ehrenamtlich tätig. Ich erwarte allerdings von allen, die hier leben, dass sie sich integrieren, egal ob sie deutsch sind oder aus anderen Ländern kommen!

    Sigrun

  3. Ich glaube das Viele von uns, gar nicht mit den Flüchtlingen konfrontiert sind. Aber sie können alle mitreden. Denn es "kostet" ja ihr Geld. Und von der Presse bekommen wir bestimmt nicht alles erzählt. Die brauchen ja eigentlich nur Quoten, wie Sigrun schon geschrieben hat.
    Gruß Andrea

  4. Liebe Lotta
    Alles richtig, was du schreibst. schön erklärt und aufgeführt.
    Trotzdem bin ich ratlos, was ich persönlich tun kann/soll !
    Spenden alleine sind mir irgendwie zu vage.
    Außerdem gibt es bei mir eine Hemmschwelle, die ich zu überwinden anscheinend noch nicht reif dazu bin. Aber ich arbeite dran.
    Was tust du spezielle für das Miteinander " Flüchtlingsthema " ?
    ♥liche Grüße
    Jutta

  5. Chapeau! Endlich mal ein ausgewogener sachlicher Text zum Thema.
    Nicht nur die alten Medien brauchen Quoten, vor allem die neuen Medien basieren ja auf "Klicks" und da beschimpft man auch schon mal pauschal die Menschheit. Polemik hat noch nie wirklich geholfen, da werden eher die vielen hilfswilligen, engagierten und lösungsbereiten Leute verärgert. Und ich glaube auch ganz fest, dass die Mehrheit der Bevölkerung eine vernünftige Sicht hat und dass es unzähliger Helfer "ohne Gesicht" gibt, frei nach dem alten Motto "Tu Gutes, aber rede nicht andauernd darüber". Das Thema ist so wichtig und aktuell, dass wir eine gemeinsame Ebene brauchen und auch kontroverse Meinungen dringend sachlich diskutiert werden müssen, es wird uns auch künftig noch lange begleiten.
    Liebe Grüße

  6. Hallo Lotta,
    ich finde es ganz furchtbar, wie sie mit diesen Schiffen runtergehen lassen werden.
    Bei uns existiert (statt dem schönen Blumen-Selbstpflückfeld) seit Januar ein Containerlager mit 100 Flüchtlingen. Ich habe von einer Sozialarbeiterin darüber ganz viel erzählt mitbekommen, daß es Menschen mit unterschiedlichsten Ursprung (und finanziellen Hintergrund) sind. Sind nicht alle vom Not, vom Krieg um ihr Leben zu retten geflüchtet, manche lebten nur einfach nicht gut dort, woher sie herkommen und sind einfach weg. Sind auch nicht alle arm. Ich finde es schön, Leute zu helfen, die aus dem Not kommen, aber wenn jeder, wer nur auch Lust hat zu kommen, darf auch, irgendwann gibt es keinen Platz mehr. Es sollte irgendwie dazwischen ein Unterschied gemacht werden. Es ist ein sehr schwieriges Thema.
    Liebe Grüße

    • Ja, liebe Flögi, das ist ein sehr schwieriges Thema…und es ärgert mich, dass manche offenbar denken, sie hätten den kompletten Durchblick und für alles eine Lösung. Warum z. B. 2014 75% der Flüchtlinge männlich waren, konnte mir bisher noch keiner zufriedenstellend beantworten…LG Lotta.

  7. Liebe Lotta,
    deinen Text finde ich gut und ich habe ihn erst einmal sacken lassen, bevor ich meinen Kommentar schreibe.
    Manche Gemüter kochen zur Zeit sehr hoch, denn ich denke das viele Deutsche die Nase langsam voll haben. Überall werden wir gefordert und teilweise ist die Unzufriedenheit in Deutschland selbst doch oft sehr groß.
    Die Flüchtlingsfrage ist eine große Problematik, die sicher noch viele Probleme bringen wird, denn bei allem Mitleid was ich habe, denke ich daran, wie sich wohl diese Menschen im Laufe der Zeit hier wirklich fühlen werden. Sie kommen meist aus Ländern, wo der Kulturunterschied zu uns doch sehr groß ist. Wie wollen all diese Menschen hier Arbeit finden, wo wir doch hier auch schon eine große Arbeitslosen Problematik haben. Ich bin sehr zerrissen und traurig das Menschen immer noch ihr Land verlassen müssen, um in Ruhe und Frieden mit ihren Familien leben zu können, wobei mit Sicherheit nicht jeder vor Krieg und Verfolgung aus seinem Land flieht. Es müsste einfach besser kontrolliert werden. Warum wird nicht dafür gesorgt, das bessere Verhältnisse in diesen Ländern herrschen, dann würden vielleicht auch nicht so viele Menschen kommen.
    Das Asylbewohnerheime bei uns angegriffen werden, verurteile ich auf das Schärfste, denn die Menschen die nun hier sind, müssen doch irgendwo bleiben und sie brauchen Hilfe. Es ist sehr schwierig hier alles richtig zu machen!
    Liebe Grüße Annisa

  8. Hallo Lotta,

    ein sehr schwieriges Thema, gerade in Deutschland wird viel zu gerne pauschalisiert. Hier die "Guten" und dort die "Bösen". Da ist es sehr schwierig auch negative Punkte in der Zuwanderung aufzuzeigen ohne gleich an den Pranger gestellt zu werden.

    Asyl suchenden zu helfen ist wichtig und richtig, aber natürlich können wir nicht jedem helfen, welcher mit seinem wirtschaftlichen Lebensumfeld nicht zufrieden ist – wir sind ein kleines Land können selbstverständlich nicht die "Welt retten".

    Hier gibt es viel Missverständnisse und ich kann es natürlich auch verstehen wenn der Arbeitslose aus Castrop-Rauxel denkt "die bekommen Geld ohne Leistung und ich muss jede Woche XY Bewerbungen schreiben". Schwierige Thematik.

    Wichtig wird es wohl auch sein der "Masse" der eintreffenden Personen logistisch beizukommen, es wird nicht einfach sein und die derzeitigen Lösungen scheinen mir nicht die richtigen. Viele kleine Gemeinden sind überfordert, auch weil die notwendigen Gebäude einfach fehlen.

    Ich bin gespannt wie sich dies entwickelt.

    Liebe Grüße
    Björn 🙂

  9. Liebe Lotta,
    vielen Dank, dass du das Thema hier aufreifst. Es ist schlimm, was hier in Deutschland in dieser Beziehung abgeht, wie feindlich die Leute den Flüchtlingen gegenüber gestimmt sind. Hier muß man schon Angst haben, zu sagen, dass man sich in der Hilfe hier am Ort engagiert.
    Ich werde am Samstag auch etwas darüber schreiben.
    Wir haben hier am Ort von der ev. Kirche und der Caritas eine Hifle für syrische Flüchtlinge eingerichtet. Ich betreue gerade ein fünfjähriges Mädchen Nayla. Sie kam mit ihrer Familie aus
    Syrien und ist hier mit ihrer Familie in eine Wohnung eingezogen. Was dieses Mädchen erlebt hat,
    möchte ich hier nicht schreiben. Ein bisschen mehr Engagment und weniger meckern, das wäre gut.
    Das Ausmaß dieser Welle ist natürlich im Moment nicht zu überblicken. Natürlich gibt es jede Menge Meinungen, wenn diese Flüchtlinge auch noch ein Smartphone haben und auch wie Björn es mit den Arbeitslosen scheibt, hier doch ein "Hass" aufkommt.
    Selbst die Politiker haben keine Lösung aber ich kann ein wenig mithelfen.
    Lieben Gruß Eva

    • Ich würde mir wünschen, dass es ein paar mehr Eva's gäbe, die nicht nur meckern, sondern vor Ort helfen, die Zustände zu verbessern und den Flüchtlingen humanitäre Hilfe zukommen zu lassen…in welcher Form auch immer. Und die im Dialog auch mit denen bleiben, die den Flüchtlingen kritischer gegenüber stehen, deren Ängste anhören und vielleicht zersteuen können. LG Lotta.

  10. Danke!
    Alles was du für Deutschland schreibst gilt genau so für Österreich! In den letzten Wochen habe ich mit wachsendem Bauchweh Zeitungsartikl nach Zeitungsartikel gelesen. Nun schwappt ein bisschen von der Problematik in unser heiles Städtchen, jetzt ist die Zeit gekommen einfach mal zu tun.

  11. Ein heißes Thema, welches Du da anpackst. Ich habe es bewusst im Blog noch nicht thematisiert, weil ich keine Lust auf Diskussionen habe.

    Deutschland ist ein sehr reiches Land und wir haben die humanitäre Pflicht, Schwächeren zu helfen. Diese armen Menschen riskieren ihr Leben um nach Europa zu kommen, weil es in ihrer Heimat einfach lebensgefährlich ist. In der Regel…

    Aber man muss auch die zurück schicken, denen es eben nicht ganz so schlecht geht. Und das stelle ich mir schon ziemlich schwierig vor.

    Die Rolle der Medien müssen wir hier gar nicht beleuchten. Die ist teilweise mehr als fragwürdig, und leider springt der einfach gestrickte, besorgte Bürger darauf rein.

    LG

  12. Oh, aber es gäbe eine ganze Reihe politischer Lösungsansätze. Die müssten nur vor allem in den Heimatländern der Flüchtlinge einsetzen. Aber solange sich deutsche Firmen z.B. mit Waffenlieferungen eine goldene Nase verdienen, solange mit Diktatoren diplomatische Beziehungen geführt werden, obwohl sie Menschenrechte massiv verletzen, weil sie Ressourcen haben, die Deutschland/ Europa nutzen will… usw…
    Ich möchte auf einen wichtigen Link hinweisen: http://missingmigrants.iom.int/
    Dort werden erschreckende Zahlen über die Menschen veröffentlicht, die bei der Flucht über das Mittelmeer sterben. Wer spenden will, kann das auch für Ärzte ohne Grenzen, die z.B. ein Schiff haben, um möglichen Überlebenden zu helfen.
    LG mila

  13. Liebe Lotta,
    auch in der Bloggerwelt macht sich das Thema "Flüchtlinge" breit so nach und nach und das ist gut so. Auch ich habe ein Posting dazu verfasst. – Deine Worte sind auch meine Gedanken.
    LG Heidi

  14. Liebe Lotta, hier noch ein Post dazu, den ich für bemerkens- und bedenkenswert halte: http://www.fraumeike.de/2015/die-sonne-der-eigenen-anstaendigkeit – Lieben Gruß zu dir und danke, dass du das Thema aufgreifst. Hier in meiner Nähe, 15 km entfernt, hat vor wenigen Tagen das Nachbargrundstück einer Unterkunft gebrannt, die ab September für Flüchtlinge geöffnet werden soll. Gleich nach der Wende passierte dasselbe im Ort gegenüber von unserem Seeufer. Die Brandstifter waren keine Naivlinge, keine bekennenden Nazis, sondern von Hass auf Fremde und von Angst um ihren "Reichtum" an Besitz und um ihre Feierabendruhe am See erfüllte "normale Deutsche", die diese Brandstiftung wahrscheinlich sogar in Auftrag gaben. Wo immer ich solchen Hass erlebe, werde ich vehement diskutieren. Das – verdammt noch mal – ist nicht deutsch. Oder anders – wenn es das wäre, würde ich nicht mehr deutsch sein wollen. Ach ja, christlich ist es natürllich auch ganz und gar nicht. Christen sollten öfter im Evangelium lesen. Für wen war Jesus eigentlich da, immer und immer wieder. Liebe Grüße Ghislana

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