Im Juni 2022 waren mein Mann und ich schon einmal auf Besuch in Torgau, warum ich darüber nicht berichtet habe, kann ich nicht mehr sagen. Am letzten Sonntag haben wir uns nun erneut in diese Elbstadt aufgemacht.
Torgau ist eine Große Kreisstadt mit etwa 20.000 Einwohnern und liegt im Norden des Freistaates Sachsen am westlichen Ufer der Elbe. Erste urkundliche Erwähnung fand der Ort unter dem Namen Torgove in einem Dokument aus dem Jahr 973. Wann der Ort eine Stadt wurde, ist nicht datiert. Der Name Torgau ist altsorbischer Herkunft. „Torg“ bedeutet Markt, Torgow ist also ein Marktort.
Rund 500 Baudenkmale der Spätgotik und Renaissance finden sich im Stadtbild. Torgau war mit Schloss Hartenfels das politische Zentrum der Reformation und ist heute eine wichtige Lutherstätte in Sachsen. Überliefert ist der Spruch: „Wittenberg ist die Mutter, Torgau die Amme der Reformation“. Die Torgauer Schlosskapelle war einer der ersten evangelischen Kirchenneubauten.
1552 reiste Luthers Witwe Katharina von Bora nach Torgau, um sich vor der in Wittenberg ausgebrochenen Pest in Sicherheit zu bringen. Bei einem Kutschenunfall brach sie sich jedoch das Becken und starb am 20. Dezember 1552 in Torgau an den Folgen.
Das Rathaus der Stadt ist von 1563 bis 1578 im Stil der Renaissance erbaut worden. Es ist der bedeutendste bürgerliche Profanbau der Stadt und ein wichtiges Bauwerk der Sächsischen Renaissance.
Die Marienkirche ist eine spätgotische Hallenkirche mit älteren Bestandteilen. Sie gehört zur evangelischen Kirchengemeinde Torgau und enthält eine reiche, teils künstlerisch wertvolle Ausstattung.
Die restaurierte Alltagskirche, die profanierte Kirche des ehemaligen Franziskanerklosters, wird als Aula des Johann-Walter-Gymnasiums Torgau genutzt.
Das historische Handwerkerhaus, ein kleines zweigeschossiges Renaissancegebäude, ist das älteste noch weitgehend in seinem historischen Zustand erhaltene Haus der einfacheren Bevölkerungsschichten Torgaus. Ursprünglich „am Beckerwall“ nahe des ehemaligen Bäckertores gelegen, hatte es seinen Platz am Rand der historischen Altstadt. Im 17. Jahrhundert wohnten hier drei Böttchermeister und zwei Schornsteinfegermeister mit ihren Familien sowie Gesellen und Lehrlingen.
Die Brunnenanlage auf dem Marktplatz „Musikanten und Narr“ wurde 2001 von der Künstlerin Erika Harbort (geb. 1954) geschaffen.
Schloss Hartenfels
Als sich das sächsische Herrschergeschlecht der Wettiner 1485 bei der Leipziger Teilung in zwei Linien aufspaltete, fiel die bisherige Hauptresidenz, die Albrechtsburg in Meißen, in den Besitz der albertinischen Linie der Wettiner. Kurfürst Friedrich III. und seine Nachfolger ließen später in Torgau das Schloss Hartenfels zur neuen Hauptresidenz der ernestinischen Linie ausbauen.
Der Name Hartenfels geht auf den felsigen Untergrund zurück, auf dem das Schloss steht. Errichtet auf den Grundmauern einer Burg entstand im 16. Jahrhundert eine der modernsten Schlossanlagen Europas. Der Schlossbau wurde im 15. Jahrhundert von Konrad Pflüger, einem Schüler Arnolds von Westfalen begonnen und im 16. Jahrhundert von Konrad Krebs fortgeführt. Es handelt sich um das größte vollständig erhaltene Schloss der Frührenaissance Deutschlands und eines der Hauptwerke der Sächsischen Renaissance.
Im späten 18. und 19. Jahrhundert wurde das Schloss Teil der sächsisch-napoleonischen Festung und später preußische Kaserne.
Auf der Hofseite des sogenannten Johann-Friedrich-Flügels oder Ostflügels befindet sich der repräsentativ gestaltete Wendelstein, eine fast 20 Meter hohe freitragende steinerne Wendeltreppe. Er zählt zu den Hauptwerken der deutschen Renaissancearchitektur.
Eine alte Tradition hat das Halten von Bären im Burggraben. Schon 1425 wurde dafür ein Bär gefangen. Der feudale Brauch wurde nach der Schlacht bei Torgau 1760 unterbrochen und in den 1950er Jahren wieder aufgenommen.
Das Schloss ist täglich außer dienstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.














































































