Am Gründonnerstag unternahmen mein Mann und ich eine schöne Entdeckungstour durch das thüringische Greiz. Ein Freund machte uns auf diese Kleinstadt aufmerksam, die ich bisher noch gar nicht auf dem Schirm hatte.
Greiz, einst Residenzstadt des kleinsten Fürstentums Deutschlands, liegt im Südosten Thüringens unmittelbar an der Landesgrenze zu Sachsen im engen Tal der Weißen Elster. Die Stadt wird von großen Häusern aus der Gründerzeit im Historismus und Jugendstil geprägt, die vom einstigen Reichtum der Stadt infolge der Textilindustrie zeugen.

Da wir in der Osterzeit unterwegs waren, war die Stadt liebevoll österlich geschmückt. Ursprünglich aus der Fränkischen Schweiz stammend, hat sich der Brauch, in der Zeit vor Ostern öffentliche Dorfbrunnen mit bemalten Ostereiern und anderen Verzierungen als Osterbrunnen zu schmücken, seit den 1980er Jahren auch in weiten Teilen Süd-, Mittel- und Ostdeutschlands verbreite, so auch in Greiz.




Die evangelische Stadtkirche St. Marien wurde 1225 das erste Mal urkundlich erwähnt. Sie wurde nach dem Stadtbrand von 1802, der auch eine der größeren Silbermann-Orgeln mit zerstörte, im klassizistischen Stil wiederaufgebaut. Leider war auch diese Stadtkirche bei unserem Besuch geschlossen.
Das alte Rathaus fiel ebenfalls dem großen Stadtbrand von 1802 zum Opfer. Das heutige Gebäude im neugotischen Stil mit seinem markanten viereckigen Turm und den gotischen Spitztürmchen wurde in den Jahren 1840 bis 1842 wieder aufgebaut und 1909 durch einen Anbau, der heute den großen Sitzungssaal und weitere Räume beherbergt, ergänzt.
Neben dem Unteren Schloss und der Stadtkirche liegt die Hauptwache, ein klassizistischer Bau, der heute für Trauungen genutzt wird.

























Unteres Schloss
Das Untere Schloss liegt direkt am Ufer der Weißen Elster neben der Stadtkirche St. Marien und damit nur wenige Schritte von der Innenstadt entfernt.
Das Untere Schloss war über Jahrhunderte hinweg die Residenz des Fürstenhauses Reuß. Errichtet wurde es im 16. Jahrhundert von Heinrich dem Älteren (1578–1607). Nach dem verheerenden Stadtbrand im Jahre 1802 erfolgte bis 1809 der Wiederaufbau im klassizistischen Stil. In den historisch wertvollen Innenräumen befindet sich heute ein Heimatmuseum.

Oberes Schloss
Das Obere Schloss ist das Wahrzeichen der Stadt Greiz und thront weit sichtbar auf einem 50 Meter hohen länglichen Bergkegel aus Tonschieferfels. Die ersten urkundlichen Erwähnungen einer dort von den Vögten von Weida und Plauen errichteten Greizer Burganlage fallen bereits in die Jahre 1209 und 1225.
Von Süden her erscheint das Schloss als ein einfaches hohes Haus. Die Renaissancegiebel des Ostflügels stellen dagegen den schlossartigen Charakter der Anlage dar, während sie von Norden und Westen her bis heute wie eine mittelalterliche Burg wirkt.
Schon im 19. Jahrhundert beherbergte das Obere Schloss viele Wohnungen und noch heute dient ein Teil der Gebäude zu Wohnzwecken. Das Museum im Oberen Schloss bietet ein multimediales Geschichtserlebnis für Groß und Klein. Zu den herausragenden Besonderheiten des Museums gehört die romanische Doppelkapelle aus dem 12. Jahrhundert., die bei Restaurierungsarbeiten wiederentdeckt wurde.
Bis Anfang des 18. Jahrhunderts war das Stelzentor der Haupteingang zum Oberen Schloss. Darin befanden sich der Kerker mit Arrestzelle. Überlieferungen zufolge soll der Sohn Heinrichs des Alteren, genannt Stelzner, 1567 der erste Insasse gewesen sein. Ihm wurde vorgeworfen eine Bauerntochter misshandelt zu haben.


















Sommerpalais im Greizer Park
Das Sommerpalais im Greizer Park wurde in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet. Die dreigeschossige Anlage mit Erdgeschoss, Beletage und Mezzanin trägt ein flaches Satteldach mit Rundfenstern. Die Ausrichtung nach Süden gibt die Blickachse zum Oberen Schloss auf.
Nach einer grundhaften Sanierung in den Jahren 2005 bis 2011 präsentierte sich das Gebäude außen und innen wieder in seiner Ursprünglichkeit. Im Gartensaal und in der Beletage finden regelmäßig Ausstellungen der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung und des «Satiricums» statt. Weiterhin werden Gartensaal und Festsaal im Sommer für Konzerte, Lesungen und andere Veranstaltungen genutzt.

Der Fürstlich Greizer Park ist ein weitläufiger Landschaftspark mit zahlreichen Denkmälern und Sehenswürdigkeiten. Der Lustgarten erstreckt sich über eine Fläche von ca. 50 Hektar und kann über fünf Eingänge betreten werden. Seit 2009 gilt die gesamte Parkanlage als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung.























Neben dem Sommerpalais befindet sich im ehemaligen Küchenhaus ein hinreißendes Café* mit leckeren Kuchen, Torten, Eis- und Kaffeespezialitäten, sowie herzhaften Köstlichkeiten.
Der Park ist wirklich sehr sehenswert und zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Wir werden auf jeden Fall im Sommer wiederkommen, wenn der Park im satten Grün erstrahlt.
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