Ich gebe zu, es ist schon sehr lange her, dass ich dem Land Tschechien einen Besuch abgestattet habe, obwohl die Grenze gar nicht so weit von meinem Heimatort entfernt liegt. Dank Freunden haben mein Mann und ich nun eine Reise ins Karlsbader Land unternommen und dabei die Stadt Loket kennengelernt.
Die Stadt Loket (deutsch Elbogen) liegt auf einer Höhe von 470 m ü. M. auf einem Granitrücken, der auf drei Seiten von dem Fluss Eger umgeben ist. Die Burg Elbogen prägt das Bild der Stadt und wurde wahrscheinlich schon Ende des 12. Jahrhunderts erbaut. Als Erbauer werden der böhmische Fürst Vladislav II. oder Ministeriale des Kaisers Friedrich I. Barbarossas vermutet. Im Mittelalter bestand in der Burg eine Meistersingschule nach Nürnberger Vorbild.
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Vertrag von Versailles, wurde Elbogen 1919 trotz der mehrheitlich deutschen Einwohnerschaft der neu geschaffenen Tschechoslowakei zugeschlagen. Von den 3998 Einwohnern im Jahr 1930 waren 238 Tschechen. Aufgrund des Münchner Abkommens kam der Ort 1938 dann zum Deutschen Reich und gehörte bis 1945 zum Landkreis Elbogen im Reichsgau Sudetenland. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutschsprachige Bevölkerung zu einem Großteil vertrieben.
Johann Wolfgang von Goethe weilte, von Karlsbad kommend, mehrmals in Elbogen und bemerkte: „Es liegt über alle Beschreibung schön und lässt sich als ein Kunstwerk von allen Seiten betrachten.“ 1823 feierte er mit Ulrike von Levetzow im Schwarzenberg-Lusthaus (heute „Hotel Weißes Ross“) seinen 74. Geburtstag.
Historischer Stadtkern
Das ursprüngliche Rathaus von Loket verfiel während des Dreißigjährigen Krieges. Mit der Errichtung eines neuen Rathauses wurde der erfahrene Baumeister deutscher Herkunft Abraham Leuthner beauftragt. Die Baurealisierung erfolgte in den Jahren 1682-1696. Die gotischen Keller des ursprünglichen Bürgerhauses blieben bis zum heutigen Tage erhalten.
Die Wenzel-Kirche steht an der Stelle der ursprünglich romanischen Kirche, die wahrscheinlich vor der Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut wurde. Als in den siebziger Jahren des 15. Jahrhunderts die alte Kirche ausbrannte, nahm der damalige Pfandinhaber der Burg Loket Matthias Schlick die umfangreiche Errichtung einer spätgotischen Kirche in Angriff. Sie diente dann auch als Familiengruft der Burgherren.
Von der ursprünglichen, mittelalterlichen Befestigungsanlage der Stadt blieben bis in die Gegenwart einige Fragmente erhalten, unter anderem der 32 m hohe Schwarze Turm, welcher nicht nur als Wehrturm, sondern auch mit seiner Türmerwohnung als Beobachtungstand diente.
Die dreiseitige, aus der Zeit des Hochbarock stammende Säule mit der Statuengruppe der Allerheiligsten Dreifaltigkeit wurde in den Jahren 1717-1719 zum Zeichen des Dankes der damaligen Einwohner dafür errichtet, dass die Pestepidemie bezwungen werden konnte.
Den Besuch der Burg Elbogen kann ich sehr empfehlen. Hier kann man u. a. eine Ausstellung zur baulichen Entwicklung der Burg, ein Museum mit historischem Porzellan und historischen Waffen, ein vierstöckiges Gefängnis, einen Zeremoniensaal und einen Rittersaal besichtigen. Außerdem gibt es eine alte Apotheke und die Nachbildung eines Meteoriten zu bestaunen. Der Meteorit soll im August 1422 in den Hof gefallen sein, was aber historisch nicht gesichert ist. Seine ursprüngliche Masse betrug ungefähr 107 kg.
Die Burg ist täglich ab 9 Uhr geöffnet.























































































