Quo vadis…deutsche Kultur?

Kultur

Die liebe Gretel hat über das Thema  KULTUR einen ganz wunderbaren Blogpost verfasst und ihn zu Astrid  und ihrer Sammlung zur „Kultur“ verlinkt.

Speziell die deutsche Kultur ist ein Thema, welches mich immer wieder bewegt und beschäftigt. In letzter Zeit frage ich mich allerdings schon, wohin mit ihr eigentlich die Reise geht…

Quo vadis…deutsche Kultur…fragt man sich zum Beispiel, wenn man liest, dass Deniz Yücel den Leipziger Medienpreis verliehen bekommen hat. Für diese journalistischen Ergüsse etwa…?!

„In der Mitte Europas entsteht bald ein Raum ohne Volk. Schade ist das aber nicht. Denn mit den Deutschen gehen nur Dinge verloren, die keiner vermissen wird.

[ …]

Der Erhalt der deutschen Sprache übrigens ist kein Argument dafür, die deutsche Population am Leben zu erhalten. Denn der Deutsche und das Deutsche haben miteinander etwa so viel zu schaffen wie Astronomie und Astrologie. Oder besser noch: wie Lamm und Metzger. „Für seinen Schäferhund und seine Wohnzimmerschrankwand empfindet der Deutsche mehr Zärtlichkeit als für seine Sprache“, bemerkte Thomas Blum einmal. Im Interesse der deutschen Sprache können die Deutschen gar nicht schnell genug die Biege machen.

Nun, da das Ende Deutschlands ausgemachte Sache ist, stellt sich die Frage, was mit dem Raum ohne Volk anzufangen ist, der bald in der Mitte Europas entstehen wird: Zwischen Polen und Frankreich aufteilen? Parzellieren und auf eBay versteigern? Palästinensern, Tuvaluern, Kabylen und anderen Bedürftigen schenken? Zu einem Naherholungsgebiet verwildern lassen? Oder lieber in einen Rübenacker verwandeln?

Egal. Etwas Besseres als Deutschland findet sich allemal.“

Deniz Yücel (Quelle: TAZ)

Ist das jetzt medienpreisverdächtig…fragt man sich anhand des folgenden Absatzes…?!

„Buchautor Thilo Sarazin, den man, und das nur in Klammern, auch dann eine lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur nennen darf, wenn man weiß, dass dieser infolge eines Schlaganfalls derart verunstaltet wurde und dem man nur wünschen kann, der nächste Schlaganfall möge sein Werk gründlicher verrichten“.

Deniz Yücel (Quelle: TAZ)

Keine Frage. Ich verurteile ausdrücklich, dass Deniz Yücel ohne Anklage in der Türkei inhaftiert bleibt. Dieser Umstand allein rechtfertigt aber aus meiner Sicht noch keinen Medienpreis, der sich der Erinnerung an die Friedliche Revolution 1989 verpflichtet hat. Ein Mindestmaß an Respekt auch für Andersdenkende erwarte ich da schon, erst recht für ein Land, für welches man eine Teilstaatsbürgerschaft erworben hat…

Quo vadis… deutsche Kultur…fragt man sich, wenn eine Integrationsbeauftragte der Bundesregierung eine spezifische deutsche Kultur jenseits der deutschen Sprache nicht für identifizierbar hält…

„Deutschland ist vielfältig und das ist manchen zu kompliziert. Im Wechsel der Jahreszeiten wird deshalb eine Leitkultur eingefordert, die für Ordnung und Orientierung sorgen soll. Sobald diese Leitkultur aber inhaltlich gefüllt wird, gleitet die Debatte ins Lächerliche und Absurde, die Vorschläge verkommen zum Klischee des Deutschsein. Kein Wunder, denn eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.“

Aydan Özoğuz (SPD)

Wie kann eine Frau Özoğuz als Integrationsbeauftragte agieren, wenn sie eine spezifische deutsche Kultur gar nicht sieht, in die Migranten integriert werden sollen? Was hat Integration dann überhaupt für einen Sinn…?

Wo geht sie hin, die deutsche Kultur…wenn Schweinefleisch von den Speiseplänen in Kindereinrichtungen und Schulen verschwindet oder die traditionelle Bockwurst im Freibad in Neuss abgeschafft wird? Wo geht sie hin, die deutsche Kultur…wenn unserer Fußballnationalmanschaft ihr „national“ und „deutsch“ abhanden kommt oder wenn das Abitur so abgewertet wird, dass fast nur noch Ausbildungsplätze mit Abitur erhältlich sind und gleichzeitig Viertklässler den schlechtesten Bildungsstand seit Jahren aufzeigen?

Wo geht sie hin, die deutsche Kultur…wenn eine Frau Özoguz als Staatsministerin vor einem generellen Verbot von Kinderehen warnt…oder es nicht wirklich ein Problem darstellt, Frauen den Handschlag zu verweigern, nur weil sie Frauen sind? Wo geht sie hin, die deutsche Kultur…wenn wir nicht mehr in der Lage sind, Flughäfen zu Ende zu bauen oder bei der Autosoftware schummeln müssen?

Wo geht sie hin, die deutsche Kultur…wenn immer mehr Kulturdenkmale abgerissen werden müssen, weil kein Geld für die Sanierung vorhanden ist? Für das sächsische Landesprogramm für den Erhalt von Kulturdenkmalen standen 2009 noch 12 Mio. Euro zur Verfügung –  2014 waren es nur noch 5 Mio. Euro. In Sachsen sind allein von 2000 bis 2014  mehr als 4.500 Baudenkmale abgerissen worden.

Wo geht sie hin, die deutsche Kultur…wenn sich immer mehr der kleineren Musik- und Theaterensemble aufgrund von Finanzsorgen auflösen müssen oder nur noch dadurch bestehen können, weil die Mitglieder auf einen Teil ihrer Gage verzichten…? So bekam z. B. die Landesvereinigung Sachsens für kulturelle Kinder- und Jugendbildung im Mai den Bescheid, dass die Bildungsmittel für 2017 und 2018 um 100.000 Euro gekürzt werden. Wo geht sie hin, die deutsche Kultur…wenn soziales Engagement und williger Nachwuchs bei freiwilliger Feuerwehr, THW oder anderen Sozialverbänden zunehmend ausbleiben…?!

Man könnte diese Reihe hier noch beliebig fortsetzen.

„Bürgerliche Freiheit ist abhängig vom Grade der Kultur des Volkes.“
Heinrich Daniel Zschokke (1771 – 1848)

Die deutsche Kultur war in der Vergangenheit geprägt von Meinungs- und Pressfreiheit sowie einer respektvollen Streitkultur. Was ist aus ihr geworden…fragt man sich schon angesichts des Kasperle-Theaters auf der Frankfurter Buchmesse…Warum sind wir nicht mehr fähig, eine vernünftige Debatte über Leitkultur, Einwanderung, Klima (!) und Missstände im Land zu führen? Warum sind wir nicht mehr in der Lage, Andersdenkende zu respektieren, ihnen vernünftig zuzuhören und ohne schlagende Argumente oder Kindergartenmethoden zu einer sachlichen Diskussion zurückzukehren?

Astrid vom Blog „Le monde de kitchi“ hat angeregt, über das Thema „Was macht für mich unsere Kultur aus?“ nachzudenken. Ich hoffe, sie ist mir nicht böse, wenn ich vielleicht mit meinem Post ein wenig „off topic“ liege, aber ich denke, es ist an der Zeit, sich nach der Frage „Was macht unsere Kultur aus?“ auch mal darüber Gedanken zu machen, wohin sie sich derzeit eigentlich entwickelt…

8 Comments

  1. Hallo Lotta,
    ich finde das super, was du schreibst, enthalte mich aber eines weiteren Kommentars und ich finde keinesfalls, dass du „off topic“ liegst.

    :-)))))))))))))))))))))))))))))))))))) !!!!!!!!!!
    LG Eva

  2. Ich habe gleich am Anfang die Petition für die Freilassung von Yücel unterschrieben und würde es sofort immer wieder tun.
    Eben weil ich mich in der Lage fühle, Menschlichkeit und Gerechtigkeit von Agitation, Provokation und Populismus zu trennen. Das vermisse ich so sehr in unserer Gesellschaft, da geht es nur noch um pure Ideologien. Und eigentlich dachte ich, das Thema hätte sich mit dem Ende der DDR für mich erledigt…
    Mit Kultur hat das alles gar nichts mehr zu tun.
    Keine Ahnung, wohin sie geht. Besser, das vielleicht gar nicht so genau zu wissen…..
    Liebe Grüße

  3. Warum sollte ich böse sein? Und ohne Bezug zum Thema finde ich deinen Beitrag auch nicht – also bitte verlinken. Es geht doch darum, individuelle Positionen zu sammeln und zu überdenken, und die Erfahrungen jeder Einzelnen, die bisher mitgemacht haben, sind so verschieden wie unsere jeweilige Lebensgeschichte.
    LG
    Astrid

  4. Ich seh das wie Eva, off topic bist Du auch in meinen Augen nicht. Wenn nicht hier wo dann? Dafür haben wir doch unsere Blogs… Unsere Spielwiesen! Und da machen wir die Regeln… Natürlich ist es schwer auf diese Art und Weise eine Diskussion zu starten und Meinungen auszutauschen… Aber Du hast Dein Statement abgegeben und das zählt! Bravo!! Und die Dinge die auf der Welt passieren sind oftmals völlig unverständlich. Leider…

    1. Ja, manchmal kommt es einem wirklich auf das Statement an…und gar nicht immer so sehr auf eine Diskussion, die kann man auch real führen. Wer meine Position kennt, weiß dann, wen er vor sich hat…und das ist mir wichtig, vielleicht, weil ich es andersherum auch gern wissen möchte, macht den Umgang miteinander leichter…;-).

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