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Schulpforta

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Im Rahmen unserer Entdeckungstour durch Sachsen-Anhalt haben wir die ehemalige Klosteranlage und heutige Internatsschule Schulpforta besichtigt. Schulpforte ist ein Ortsteil von Naumburg an der Saale im Burgenlandkreis von Sachsen-Anhalt. 

Bischof Udo I. von Naumburg verlegte 1137 das wenige Jahre zuvor in Schmölln gestiftete und mit Mönchen aus dem Kloster Walkenried besetzte Zisterzienser-Kloster an die Saale und gab ihm den Namen Claustrum apud Porta (Kloster an der Pforte). 

Die Mönche kultivierten das Land um das Kloster und machten es so zu einem der reichsten Klöster Ostthüringens. 1150 wurde die Klosterkirche als romanische Basilika errichtet und von 1251 bis 1320 zur heutigen gotischen Kirche umgebaut.

Nach der Säkularisation des Klosters 1540 gründete der sächsische Herzog Moritz dort am 21. Mai 1543 eine der drei sächsischen Fürstenschulen, in deren Tradition die in den ehemaligen Klostergebäuden untergebrachte heute noch bestehende Landesschule Pforta steht.

Klosterkirche St. Maria und Johannes der Täufer

Die Abteikirche war ursprünglich (1137–1150) eine kreuzförmige romanische Pfeilerbasilika mit einem vierjochigen Mittelschiff und zwei niedrigen Seitenschiffen. Der spätere, 1251 begonnene und 1268 vollendete gotische Neubau verwendete große Teile des romanischen Baus und behielt dessen Grundriss bei.

Zu den bedeutenden Ausstattungselemente der Klosterkirche, die die Jahrhunderte teils seit romanischer Zeit überdauert haben, gehören das hölzerne, farbig gefasste Triumphkreuz aus der Mitte des 13. Jahrhunderts und die original erhaltenen mittelalterlichen Grisailleglasfenster. Aus der Zeit um 1300 stammt die für eine Zisterzienserkirche ungewöhnlich reich geschmückte Westfassade der Kirche.

In der Zeit zwischen 1945 und 1989 gingen von den Einrichtungsgegenständen unter anderem die Ladegastorgel, die Kanzel und das Gestühl verloren. Auch von der ursprünglichen Wandbemalung, die teilweise die Äbte des Klosters dargestellt haben soll, ist nichts mehr vorhanden.

Friedhof für Schüler und Lehrer

Auf dem Friedhof hinter der Klosterkirche wurden Lehrer und Angestellte mit ihren Familien, aber auch Schüler und ehemalige Schüler beerdigt. Die steinerne Totenleuchte wurde 1268 aufgestellt diente als Licht für die Verstorbenen.

Gotisches Haus

Das Gotische Haus ist das einzige erhaltene Gebäude aus dem Mittelalter. Um 1516 gebaut, diente das Steinhaus im Laufe der Jahrhunderte als Speicher, als Wohnhaus für Schweinehirten und als Brennerei. Das Gebäude hieß früher Alte Abtei. Darum nannte man den Schweinehirt in Pforte „Schweineabt“.

Neugotisches Haus

Das Neugotische Haus war das Schlachthaus und der Sitz des Gutsverwalters. Heute beherbergt es ein Standesamt.

Fürstenhaus

Das Fürstenhaus wurde um 1570 auf der ehemaligen Infirmitur errichtet. Kurfürst August von Sachsen ließ das Haus auf den Grundmauern des klösterlichen Krankenhauses bauen. Heute beherbergt es ein Internat. Die frühgotische Abtskapelle war ursprünglich die Kapelle der Infirmitur.

Das Torhaus

Das Torhaus weckt Assoziationen mit Torhäusern der Colleges von Cambridge und Oxford. Dieser Eindruck liegt nicht nur an der historistischen Bauweise des 1854-1860 nach Plänen von Friedrich August Stüler erbauten neugotischen Torhauses, sondern spiegelt vermutlich den Anspruch der Schule wider, sich mit den britischen Vorbildern auf Augenhöhe zu bewegen. Zwei Figuren zieren die Fassade, rechts Bruno vom Pleißengau, der fiktive Klostergründer, links Moritz von Sachsen, der Schulgründer.

Parkanlage

Im Park von Schulpforta steht eine beeindruckende Platane mit weit ausladenden, waagerechten Starkästen und riesigem Kronendurchmesser. Bezogen auf den Kronendurchmesser von 40 Metern ist sie der drittgrößte Baum Deutschlands. 

In Pforta leben und lernen heute ungefähr 300 Schüler/Schülerinnen aus allen Teilen Deutschlands von der 9. bis zur 12. Klasse. Aufnahmebedingungen sind gute schulische Leistungen, das Bestehen der Aufnahmeprüfung für einen der drei Spezialzweige, soziales Engagement und eine hohe Motivation. Ehemalige Schüler waren u.a. Klopstock, Fichte, Ranke und Nietzsche.

Weitere Impressionen

Das Besucherzentrum der Stiftung Schulpforta ist vom 30. März bis 25. Oktober täglich von 10-18 Uhr geöffnet. Das Schulhaus war während unseres Aufenthaltes eingerüstet. Den Kreuzgang kann man nur im Rahmen einer Führung besichtigen.

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