An einem schönen sonnigen Julitag haben mein Mann und ich uns aufgemacht, eine kleine Rundwanderung vom thüringischen Tiefurt bis Denstedt und zurück zu unternehmen. Bei diesem Rundgang kommt man an zwei Schlössern und einer Burg vorbei.
Tiefurt ist ein Ortsteil der thüringischen Stadt Weimar und liegt an der Ilm. Kromsdorf und Denstedt sind Ortsteile der Landgemeinde Ilmtal-Weinstraße im Nordosten des Landkreises Weimarer Land.
Schloss und Schlosspark Tiefurt
Tiefurt avancierte im 18. Jahrhundert zu einer Sommerresidenz der Weimarer Herzöge. Dazu wurde das Schloss Tiefurt ausgebaut und nördlich des Ortes an der Ilm ein weitläufiger Park angelegt. Schloss und Park gehören heute als Teil des Ensembles „Klassisches Weimar“ zum UNESCO-Welterbe.

Das Schloss war ursprünglich das Pächterhaus eines herzoglichen Kammergutes. 1776 richtete sich Herzog Carl Augusts jüngerer Bruder Konstantin unter der Anleitung seines Erziehers Karl Ludwig von Knebel in dem Schloss seine eigene Hofhaltung ein. Vier Jahre später, während einer längeren Abwesenheit des Prinzen, wählte seine Mutter Anna Amalia das Schloss als Sommersitz.
Durch die französischen Besatzer wurde der Bau 1806 geplündert und nach dem Tode der Herzogin, 1807, wurde er weiter vernachlässigt, doch leitete Großherzog Carl Friedrich, der Sohn Carl Augusts, noch zu Goethes Lebzeiten die Renovierung ein. Für die Parkpflege wurde der bekannte Landschaftsgärtner Eduard Petzold berufen. Unter Clemens Wenzeslaus Coudray erfolgte 1821–1828 der Umbau des Schlosses. Es erhielt damit die heutige Gestalt. 1907 wurde das Schloss zu einem Museum ausgestaltet und für Besucher geöffnet.










































Dorfkirche St. Christophorus
Im 12. Jahrhundert wurde die kleine Dorfkirche in Tiefurt gegründet und Sankt Christophorus geweiht. Sie ist seit dem 16. Jahrhundert Patronatskirche der Weimaraner Fürsten. Die Kirche befindet sich in geringer Entfernung zum Schloss und war eine Wirkungsstätte Johann Sebastian Bachs. Auch Goethe und Franz Liszt besuchten das Kirchengebäude oft, um den Klängen der Orgel zu lauschen.

Der archaisch wirkende Altar steht unter einem barocken Baldachin mit vier Palmenstämmen. Über der Pyramidenkanzel ist das Symbol des Dreieinigen Gottes, der Trinität, zu sehen. Den Kanzelkorb schmücken die Bildnisse von Moses, Johannes dem Täufer sowie der lehrende Christus als Mittler der Heiligen Schrift.










Schloss Kromsdorf
Kromsdorf war ursprünglich ein Rittersitz. Dieser lag in Form einer kleinen Herrenburg im Bereich des heutigen Pfarrhauses. 1580 ließ Georg Albrecht von Kromsdorf aus der Familie von Kromsdorf das heutige Renaissanceschloss südlich der Kirche errichten. Als der Baron Johann Theodor de Mortaigne, Oberst im Weimarischen Dienst, das Schloss 1666 übernahm, begann die zweite wichtige Bauphase. Das Schloss diente den Herzögen von Sachsen-Weimar und Sachsen-Weimar-Eisenach als Lustschloss.

Sein heutiges Aussehen erhielt das Schloss durch den Anbau von West- und Ostflügel. Außerdem wurde die Gartenmauer im Schlosspark mit 64 Nischen für Büsten versehen, von denen die beiden letzten verschollenen erst vor kurzem wieder aufgetaucht sind. Es gibt 32 europäische Büsten und 32 orientalische Büsten. Die Herrscher und Heerführer sind mit 45 Büsten mit Abstand in der Überzahl. Dichter und Denker hingegen gibt es nur drei.
Das Schloss wurde eine Zeit lang von mehreren Vereinen genutzt, darunter war das Thüringer Filmbüro, das Kinderhaus Kreativ und die Maria-Pawlowna-Gesellschaft. Das Schlossrestaurant mit gutbürgerlicher Küche ist seit März 2017 bis auf weiteres geschlossen. Derzeit befindet sich im Schloss nur das Büro einer Anwaltskanzlei.


















Burg Denstedt
Über die Bauzeit der Burg, ausgenommen der Anbau aus dem Jahr 1699, sind in der bisher erschienenen Literatur unterschiedliche Annahmen vorzufinden. Nach neuen Untersuchungen kann davon ausgegangen werden, dass die Burg in ihrer heutigen Form aus dem 16. Jh. stammt und unter Einbeziehung des spätmittelalterlichen Bergfriedes von der Familie von Gans errichtet wurde.

Das nach der Besetzung durch die Rote Armee 1945 entschädigungslos enteignete Gut wurde zu einem ihrer Schlachtstützpunkte umfunktioniert und ging dann in Volkseigentum über. 2001 ersteigerten die jetzigen Besitzer das Schloss. Ende 2016 ist in der Schlossanlage der „Sportpark Burg Denstedt“ eingerichtet worden.

