Heute macht der Himmel blau

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Das Schloss Goseck und das Sonnenobservatorium

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Am nördlichen Steilhang der Saale

Das Schloss Goseck stand schon länger auf meiner Liste und so haben wir uns an einem Tag im Mai nach Sachsen-Anhalt aufgemacht. Die Wetter-App zeigte zunächst nur ein kleines Zeitfenster für regenfreies Wetter voraus, doch Petrus hatte ein Einsehen mit uns. Am Ende war es ein wundervoller Ausflug mit vielen sonnigen Abschnitten.

Die Gemeinde Goseck liegt an der Saale im Burgenlandkreis. Erste Spuren menschlicher Besiedlung reichen in die Jungsteinzeit um 5000 v. Christus. Zeugnis davon legt die durch Luftbilder in den 1990er Jahren entdeckte und seit 2003 freigelegte Kreisgrabenanlage von Goseck ab, das älteste Sonnenobservatorium Europas.

Wir haben uns zunächst die bezaubernde Anlage des Schlosses Goseck angesehen und sind anschließend zum Sonnenobservatorium spaziert. Auf dem Weg bot sich ein traumhafter Blick auf das Saaletal.

Schloss Goseck

Schloss Goseck ist eine Schlossanlage auf einer Anhöhe von etwa 50 m über dem Saaletal. Im frühen Mittelalter stand an dieser Stelle eine Burg und seit Mitte des 11. Jahrhunderts eine Klosteranlage. Als „Gozacha zivitas“ wird Goseck bereits im 9. Jahrhundert im Hersfelder Zehntregister erwähnt und gehört somit zu den Grenzburgen an der Saale.

Im Jahr 1041 ließen die Söhne des Pfalzgrafen Friedrich I., der spätere Erzbischof Adalbert von Hamburg-Bremen und die Pfalzgrafen Dedo und Friedrich II. ein Benediktinerkloster auf der ehemaligen Burganlage errichten. Das Kloster Goseck wurde infolge der Reformation 1540 säkularisiert und in ein Rittergut und Sitz der Herrschaft Goseck umgewandelt.

Von der ebenfalls 1053 geweihten Klosterkirche sind heute noch die Ostteile (Querhaus mit Vierung und Chor) samt der bereits 1046 geweihten Krypta erhalten. Anstelle des im 13. Jahrhundert erbauten Langhauses steht das heutige unter Bernhard von Pölnitz von 1609 bis 1635 erbaute Renaissanceschloss.

Das Epitaph neben dem Altar zeigt Bernhard von Pöllnitz, seine drei Frauen sowie Söhne und Töchter. Bernhard von Pöllnitz, Kanzler und Geheimer Rat des Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen in Dresden und Oberhofrichter, wurde am 5. August 1628 in der Schlosskirche beigesetzt.

Die Orgel der Kirche erbaute 1875 der berühmte Weißenfelser Orgelbauer Friedrich Ladegast. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Orgelmechanismus durch Vandalismus zerstört. Heute ist nur noch das Gehäuse sichtbar.

Als erste Besitzer des Rittergutes sind bislang Georg von Altensee († 1565) und sein Bruder Lamprecht von Altensee († 1581) nachweisbar. Das Schloss Goseck blieb bis zur Bodenreform 1945 im Besitz der Familie Graf von Zech-Burkersroda, diente danach zeitweilig als Kornspeicher und wurde dann Jugendherberge „Arthur Weisbrodt“ und Polytechnische Oberschule. Von 1989 bis 1997 befand sich im Verwaltergebäude eine Grundschule mit Hort. 

Verein Schloss Goseck

Im Herbst 1998 gründete sich in dem leerstehenden Schloss derVerein Schloss Goseck. Der Verein baute nach und nach das Europäische Musik- und Kulturzentrum auf und veranstaltet Konzerte mit überwiegend Alter Musik. Es gibt Gästezimmer und eine Schloss-Schenke. Im Jahr 2006 wurden Informationsräume zum Gosecker Sonnenobservatorium eröffnet.

In der Mitte des Schlosshofes steht ein beeindruckender etwa 180 Jahre alter Gingkobaum. Die Schloss-Schenke ist von Frühlingsanfang bis einschließlich Weihnachten täglich außer dienstags ab 11 Uhr geöffnet.*

Öffnungszeiten Schloss Goseck

Vom 01.04. bis 31.10. täglich von 11 – 17 Uhr.

Sonnenobservatorium

Das Sonnenobservatorium von Goseck ist eine jungsteinzeitliche Kreisgrabenanlage. Die ringförmigen Bodenverfärbungen entdeckte der Luftbildarchäologen Otto Braasch 1991 bei einem Erkundungsflug.

Nach Untersuchungen des Astroarchäologen Wolfhard Schlosser vom Astronomischen Institut der Ruhr-Universität Bochum sind die beiden südlichen Tore und Zugangswege (vom Mittelpunkt der Anlage aus gesehen) mit einer Genauigkeit von drei bis vier Tagen auf den Sonnenauf- und Untergang zur Wintersonnenwende um 4800 v. Chr. ausgerichtet. Das nördliche Tor weist annähernd genau auf den astronomischen Meridian, nämlich nach Norden.

2004 wurde eine weitere Visiereinrichtung in der Palisade gefunden, die auch die Bestimmung der Sommersonnenwende ermöglichte. Die astronomische Ausrichtung von Zwischenräumen und Durchgängen in den Palisadenringen und Funde von rituell niedergelegten Gegenständen in Gruben und im Graben der Anlage lassen vermuten, dass der Ort Zusammenkünften und rituellen Handlungen zu wichtigen Terminen im Jahreslauf diente.

* Angaben ohne Gewähr

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