Was wäre…

…wenn Du ein Mann wärst…?

RAUMFEE hat in diesem Post bereits sehr ausführlich ihre Gedanken dazu geäußert und uns ermuntert, ebenfalls etwas zu diesem Thema zu schreiben…
Ich möchte gleich vorausschicken, ein Mann wollte ich nie sein…ich bin sehr gern eine Frau und es gibt nur wenige Augenblicke im Leben, wo ich das bedauert habe.
Was wäre anders in deinem Leben (verlaufen), wenn du ein Mann wärst?
Eine ganze Menge…würde ich behaupten. 
Als Kind hatte ich kaum Interesse an Puppen, bin lieber auf Bäume geklettert und habe mit den Nachbarjungs Fußball und „Mau-Mau“ gespielt. Zum Geburtstag bekam ich u. a. von meinem Vater eine Autorennbahn geschenkt. Ab der Grundschule verweigerte ich dann konsequent kratzige Strumpfhosen und Kleider. 

Meine berufliche Laufbahn wäre wahrscheinlich ein wenig anders verlaufen, wenn ich ein Mann gewesen wäre, denn Frauen bekommen die Kinder und müssen dementsprechend in der beruflichen Karriere Pausen einlegen. Ich sehe das aber für mich persönlich nicht so wirklich als Nachteil an, denn auch wenn mir mein Beruf Spaß und Erfüllung bringt, bin ich froh, dass er nicht mein komplettes Leben bestimmt. Karriere war mir noch nie sonderlich wichtig, wohl aber meine Berufstätigkeit. Keine Frage, besonders als meine Kinder noch klein waren, musste ich viel zurückstecken, bei Krankheit der Kinder den Berufsalltag und eine Betreuung organisieren, wichtige Termine der Kinder und den Haushalt koordinieren. Leider war es einfach so, dass auf der Arbeit meines Mannes kein Verständnis aufgebracht worden wäre, wenn er wegen der Kinder zurücksteckt hätte. Zum Glück ändert sich diese Einstellung langsam in der Gesellschaft.
Wahrscheinlich wäre ich auch weniger krank geworden, wenn ich ein Mann gewesen wäre, denn natürlich sind meine kranken Kinder vor allem zu mir ins Bett gekrochen und haben mich nachts auf Trapp gehalten, aber möchte ich diese intensive Zeit wirklich missen?
Wenn ich ein Mann wäre, dann hätte ich mir vielleicht nicht so viele Gedanken gemacht, ob das eine oder andere Hobby auch in den Familienalltag zu integrieren geht oder ob die eine oder andere Dienstreise organisatorisch möglich ist. Ich hätte mir wahrscheinlich auch weniger Gedanken gemacht über mein Aussehen, mein Gewicht und wie ich auf andere wirke.
Wenn ich ein Mann gewesen wäre, dann hätte ich Hélène Grimaud geheiratet, da bin ich mir sicher…;-).
Was tust du nur deshalb, weil du eine Frau bist? 
Ich habe die Kinder geboren und knapp 10 Monate in mir getragen…und diese Erfahrung möchte ich nicht missen. Ich habe Freude daran, für ein Konzert oder eine Feier in ein Kleid zu schlüpfen, die Absatzschuhe dafür herauszuholen und ich genieße es (mittlerweile), mich beim Tanzen führen zu lassen. Ich freue mich darüber, wenn mir ein aufmerksamer Mann die Tür offenhält oder mir in den Mantel verhilft. Ich mache mir Gedanken darüber, wie unser Zuhause wohnlicher wird und wie man der kranken Nachbarin vielleicht eine Freude machen kann. Ich lasse mich von meinen Töchtern beraten, welcher Nagellack mir gut steht (nur für die Zehennägel, ich hasse lackierte Fingernägel…) und gebe meinen Töchtern wiederum Tipps, wie man ungewünschte Körperbehaarung los wird. Ich muss zugeben, dass ich in meiner Ausbildung das „Frausein“ auch schon mal ausgenutzt habe, um es ein wenig leichter zu haben unter den männlichen Kollegen. 
Welche Dinge lässt du lieber, weil du eine Frau bist? 
Ich rülpse und pupse nicht in der Öffentlichkeit, pinkle nicht im Stehen und gehe nicht mit Trainingshose und Schlapper-T-Shirt einkaufen. Ich lasse mir keinen Bart wachsen und mache keinen Mann in der Öffentlichkeit sexuell an. Ich zweifle nicht daran, dass Männer Auto fahren können oder einen Nagel in die Wand bringen.

Durch welche(s) Klischee(s) fühlst du dich persönlich beeinträchtigt? 
In meiner Ausbildung bin ich immer wieder auf das Vorurteil gestoßen, dass nur Männer in meinem Beruf wirklich kompetent sein können, die besseren Handfertigkeiten und mehr Ahnung von Bit, Pixeln und Co. haben. Immer noch wird Frauen nicht zugetraut, ein Auto vernünftig von A nach B zu fahren oder in eine Parklücke zu chauffieren, das ist so lächerlich! Auch ist es für Frauen nach wie vor schwerer, in Führungspositionen zu kommen, sie müssen dafür deutlich mehr Kompetenz vorweisen als Männer (Manchmal hat man das Gefühl, Männer brauchen dafür überhaupt keine Kompetenz, höchstens Selbstüberschätzung). Frauen können durchaus intelligent sein, auch wenn sie gern Minirock und hochhackige Schuhe tragen. Sie vermögen Bedienungsanleitungen zu verstehen und ohne fremde Hilfe technische Geräte zu bedienen. Sie können Flugzeuge steuern und den Dirigentenstab schwingen. Sie können einen Nagel in die Wand schlagen und den Fahrradschlauch wechseln. Frauen sind aus meiner Sicht sehr viel lebenstüchtiger als Männer.

In welcher Situation ist es von Vorteil, zur Gruppe der Frauen zu gehören?
Wie ich eingangs schon schrieb, bin ich sehr gern eine Frau. Frauen sind einfach das schönere (und oft stärkere…;-)) Geschlecht. Frauen haben die Fähigkeit, im Alltag deutlich besser zurechtzukommen, praktische Lösungen zu finden, neigen weniger zur Selbstüberschätzung und können Fehlschläge besser wegstecken. Sie definieren sich in aller Regel nicht über den Erfolg im Beruf, können sich Schwächen besser verzeihen und getrauen sich, Emotionen öffentlich zu zeigen. Freundschaften sind Frauen oft sehr wichtig und wie wir wissen, macht Gemeinschaft glücklich. Frauen bekommen die Kinder und wissen folglich genau, dass ihr Kind wirklich das eigene ist… Frauen bekommen mehr Komplimente und mehr Blumen geschenkt, sie müssen sich nicht täglich rasieren und sind weniger hormongesteuert. Frauen bekommen seltener einen Herzinfarkt und leben statistisch länger.
Niemals hätte ich übrigens mein Hochzeitskleid gegen den Anzug meines Mannes tauschen wollen…

Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt? 
Über diese Frage musste ich eine Weile nachdenken, denn leider scheint das Geschlecht im Alltag doch eine entscheidende Rolle zu spielen. Männer und Frauen ticken einfach anders, das hat zum großen Teil auch genetische und hormonelle Ursachen und beeinflusst viele Bereiche. Da ich gern eine Frau bin, möchte ich also solche auch erkennbar sein und wahrgenommen werden. Es ist relativ unerheblich, ob ich eine Frau oder ein Mann bin, wenn ich in einer Schlange stehe und warte, bis ich an der Reihe bin. Es macht auch wenig Unterschied…und das mag jetzt ein wenig zynisch klingen, ob man männlich oder weiblich ist, wenn man von einem Sattelschlepper überrollt wird…in der Regel hat man da keine Chance mehr. Viel mehr Situationen fallen mir jetzt nicht wirklich ein…und das finde ich bezeichnend.
Die ursprüngliche Idee stammt von HIER und wurde als Blogstöckchen angelegt. Wer mag, kann dieses Thema gern aufgreifen und seine Gedanken dazu niederschreiben, ich würde mich freuen. Gezielt ansprechen möchte ich aber Björn vom Blog „Erinnerungen aus dem Alltag“ . Vielleicht hat er Lust, diese Fragen zu beantworten, allerdings tauscht er dann bitte „Frau“ gegen „Mann“ und umgekehrt aus…;-).