Insel-Bücherei

Nein, um ehrlich zu sein, ich habe nicht wirklich gewusst, auf was ich mich da einlasse, als ich Raumfee einen Deal vorgeschlagen hatte…Sie schreibt über Fürth, ich über meine kleine Insel-Bücherei…

Man kann nicht über die eigenen Insel-Bücher schreiben, bevor man nicht grundsätzlich etwas über die Insel-Bücherei geschrieben hat. Doch diese Geschichte ist umfangreich…aber eben auch spannend und sich damit zu beschäftigen, macht einen nicht dümmer…
Im Juli 1912  startete im Leipziger Insel-Verlag die erste Auflage von 12 kleinen ansprechenden und preiswerten Büchern für kleine Werke wie Essays, Novellen oder Lyrik. Später  wurde diese Reihe u. a. ergänzt von Kunst- und Naturdarstellungen sowie Texten der Märchen- und Sagenwelt.
Die Büchlein wurden als Pappbände im Oktavformat gestaltet und ausgestattet mit bedrucktem Einbandpapieren und einheitlich gestalteten Titel- und Rückenschildern. Es gab darüber hinaus auch vereinzelt Ausgaben, wenn es der möglichst werkgerechte Wiedergabe der Kunstwerke diente, die im Querformat erschienen sind. Im ersten und zweiten Weltkrieg wurden für den Versand an Frontsoldaten Teilauflagen broschiert.
Die ersten 12 Bände wurden mit lithografierten Papieren nach Vorlage von historischen Modeldrucken der italienischen Firma der Gebrüder Rizzi bezogen.
Ab 1913 kamen dann neue Muster hinzu, die ab 1930 auch titelspezifisch ausgewählt worden sind.
Die Insel-Bücher erfreuten sich recht schnell großer Beliebtheit und das nicht nur wegen ihrer schönen Einbände, sondern, weil sie sehr handlich und durch den festen Karton vergleichsweise gut haltbar waren. 
Die Insel-Bücherei wurde sehr schnell zum dankbaren Objekt für Büchersammler. Zum 100. Jubiläum 2012 wurden 1.365 Nummern gezählt, allerdings gibt es das Phänomen der Doppel-und Mehrfachbelegung zahlreicher Titel und Nummern. Einige Titel existieren auf dem Markt überhaupt nicht mehr oder nur noch zu unerschwinglichen Preisen. Im Mai 1933 erschien im Börsenblatt eine „Schwarze Liste“ von 135 jüdischen und sonstigen verbotenen Autoren, die schließlich dazu führte, dass alle offensichtlichen jüdischen Autoren und Titel aus dem Verlagsprogramm zurückgezogen werden mussten. Im Rahmen der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 ist fast die gesamte 2. Auflage der Altjüdischen Legenden, herausgegeben von Bin Gorion, vernichtet worden. Als Folge dieser Verbote wurden zum Teil das Impressum „frisiert“ und Namen jüdischer Autoren weggelassen, um die Bücher weiter verkaufen zu können.
Im April 1945 gründete Anton Kippenberg in Wiesbaden eine Zweigstelle des Insel-Verlages, in der auch die Insel-Bücherei wieder eine entscheidende Roller spielte. Der Verlagssitz wurde dann 1960 nach Frankfurt am Main verlegt. 
In der sowjetischen Besatzungszone wurde der reguläre Verlagsbetrieb 1947 wieder aufgenommen. Eine entscheidende Rolle spielte dabei der Autor Johannes R. Becher sowie der Leipziger Oberbürgermeister Erich Zeigner. Die Herausgabe von Werken von Dichtern und Schriftstellern des deutschen Humanismus, des sog. Sozialistischen Realismus sowie aus der Sowjetunion und den anderen sozialistischen Saaten bildet in dieser Zeit den Schwerpunkt der Verlagstätigkeit. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem illustrierten Insel-Buch, hier bekamen vor allem junge Grafiker, häufig Absolventen der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, die Möglichkeit, ihre Künstlerschaft in die Gestaltung der Bücher einzubringen.
Während in West der Erscheinungsrhythmus der Bücher eher unregelmäßig und zum Teil stockend vonstatten ging, erschienen im Osten pro Jahr kontinuierlich 15-20 Bände im vertrauten Insel-Look. Die Bücher waren jedoch im normalen Handel nur schwer aufzutreiben, da sie von Händlern gehortet und teuer im Antiquariat verkauft wurden.
Im Ergebnis der deutschen Wiedervereinigung erschien die Insel-Bücherei wieder als einheitliche Reihe im wiedervereinigten Insel Verlag Frankfurt am Main/ Leipzig, ab 2010 in Berlin. Leider war der Umzug des Verlages nach Berlin mit der Schließung der Verlagsgebäude in Leipzig verbunden, was damals zu einem großen Aufschrei und Bedauern in der Leipziger Presse führte.
Schon Anton Kippenberger hatte als Verleger ein gutes Gespür für wichtige und bleibende Werke in der Literatur. Dutzende von Nobelpreisträgern aus 20 Ländern sind bis heute in der Autorenliste der Insel-Bücher zu finden.

Meine eigenen Insel-Bücher stelle ich Euch in einem Extra-Post vor.
26 comments
  1. Guten MOrgen, liebe Lotta,
    mit großem Interesse habe ich Deinen so ausführlichen Bericht über die Insel-Bücherei gelesen! Danke dafür, nun freu ich mich zu sehen, welche Schätzchen Du davon in Deinem Bücherregal hast :O)
    Ich wünsche Dir einen wunderschönen und fröhlichen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße , Claudia ♥

  2. Liebe Lotta, da geht mir das Herz auf! Die Inselbücher sind wirklich das Sammeln wert, ich hab mit großem Interesse deine Ausführungen gelesen!
    PS: Muss es oben nicht 1912 heißen oder irre ich?

    Sigrun

  3. Guten Morgen liebe Lotta,
    Das war jetzt echt interessant und zum Morgenkaffee genau die richtige Lektüre! Ich glaube, ich jabe auch ein Inselbuch – ein Neues. Muss mal suchen!
    Mein Kopf raucht schon ganz arg, weil ich mir überlege wie ich dein Projekt mit dem Ort des Friedens umsetzen soll. Das hat eine ganze Gedankenlawine ausgelöst!
    Gros bisou
    Sandra

  4. Sorry, ich muss noch mal was sagen!
    In dem oberen Stapel ist ein Buch über Holbeins Bildnisse, wie ist das? Ich liebe seine Portraits! Hier in Brüssel ist zur Zeit eine Ausstellung über Renaissanceportraits, die wunderschön ist! Am liebsten hätte ich eine Dauerkarte, so sehr fasziniert mich dieses Genre!
    Gros bisou
    Sandra

  5. Hallo Lotta,
    Jetzt wo ich deine Bücher sehe, fällt mir ein, das mein Großvater eine ganze Reihe Dragon hatte! Als wir die Wohnung ausräumen mussten, hat mein Vater all die hübschen Büchlein entsorgt! Oh, was ärger ich mich!
    Liebe Grüße,
    Andrea

  6. ich habe auch eine kleine sammlung von inselbüchern, die ich oft nur wegen der wunderschönen einbände gekauft habe. sie sind wirkliche schätze im bücherregal und ich nehme sie gern in die hand, blättere darin und erfreue mich daran. so lernt man auch neue inhalte kennen ;-)! dein beitrag ist sehr interessant, denn mit der geschichte der insel hab ich mich bisher nur oberflächlich befasst. aber vermustert hab ich sie schon mal:
    http://manoswelt.blogspot.de/2014/08/inselmuster.html
    inselmuster – na klar!!
    liebe grüße, ich freu mich jetzt auf die deinen!
    mano

  7. Schön, dass du es so asführlich gemacht hast. Ich habe auch eine kleine Inselbücherei, die schon immer mein Herz erfreut hat wegen der wunderbaren Einbände, aber auch wegen der grafischen Illustrationenund der Lyrik. Es ist einfach Ästhetischer Genuß so ein Büchlein in der Hand zu halten. Beim Inselverlag ruft jeder band zu mir "Schau mich an!", wogegen ich andere Bücher links liegen lassen, deren Inhalt es sicher verdient hat gelesen zu werden, wo ich aber die Aufmachung abstoßend finde. Ich besitze aber keine wertvollen Bände aus der schwierigen Zeit des Verlages. Das Verlagsstreben und zusammenlegen etc. nach 1990 habe ich mit großer Traurigkeit beobachtet.
    Viele Grüße Karen

  8. Bei diesem Anblick stürzen sofort tausend Gedanken und Erinnerungen auf mich ein. Das sind so Themen, die enorm berühren. Deine Sammlung scheint sehr beachtlich zu sein, das ist toll. Ein paar habe ich auch noch und wenn ich günstig irgendwo welche entdecke, nehme ich sie mit. So ein Büchlein in den Händen zu halten, war schon früher ein Ereignis. Und zu DDR-Zeiten war der Inhalt dann schon manchmal zweitrangig 😉
    Selten war ein Gang nach Berlin so sinnfrei. Aber irgendwie müssen ja alle nach Berlin…
    Liebe Grüße

  9. Von den Insel-Büchern habe ich noch nie gehört, darum habe ich Deinen Berichtig sehr interessiert gelesen. Er hat mich richtig neugierig auf diese Bücher gemacht.

    Ich liebe Bücher und ich liebe es sie in der Hand zu halten und diese sehen so wunderbar aus, dass es mich regelrecht in den Fingern juckt.

    Liebe Grüße
    Sonja

  10. Wie schön du die wunderbaren Inselbücher würdigst. Bei mir werden es auch immer mehr, die ich vom Flohmarkt nur wegen der wunderschönen Einbände mitnehme. Liebe Grüße von Michaela

  11. Auch eine meiner "alten" Lieben, wir bekamen sie manchmal geschenkt, denn – wenn man sie bekam – war der Preis von 1,25 – 2,50 M je nach Dicke ja unschlagbar… Aus der Bibliothek meiner Eltern sind die dort gesammelten zu einer meiner Nichten gewandert, muss doch mal gucken, wo die dort stehen. Gerade schaue ich zu meinen…, und da steht davor deine Postkarte mit einem Inselbüchereifoto 😉 (Wenn du mir einen Wink gibst, wann du deine Inselbüchlein vorstellst, mache ich mit – übrigens sind manche der Einbände ja auch ein Beitrag zum Musterthema des Monats ;-). Lieben Gruß Ghislana

  12. Dankeschön – ein feiner kleiner Informationsbeitrag.
    Die Bücher bestechen nicht nur durch den Inhalt, sondern durch das Aussehen und die Verarbeitung – es sind Sammlerstücke.
    Liebe Grüße – Monika

  13. Wunderbar, deine Sammlung alter Bände der Insel – Bücherei!
    Ich besitze leider nur neue der westlichen Linie des Verlages, die ich allerdings meist aus Interesse am Inhalt gekauft habe, obwohl mich die Aufmachung auch seeehr angesprochen hat und anspricht.
    Über die jüngere Entwicklung des Verlages war ich nicht auf dem Laufenden. Es ist sicher ein großer Traditionsverlust für Leipzig, zumal die Stadt ja die Hochschule für Grafik und Buchkunst beherbergt ( meine Nachbarin hat dort bei dem Leipziger Volker Pfüller studiert ). Erfreulich, dass in deiner Stadt diese Tradition auch an die ganz Kleinen weitergegeben wird, wie ich ja zuletzt feststellen konnte…
    Ich würde mich freuen, wenn du mehr zeigen würdest.
    GLG
    Astrid

  14. Ganz herzlichen Dank für die vielen interessanten Informationen, liebe Lotta! Wenn ich mich richtig erinnere müssten innerhalb unserer Familie auch allerhand dieser Bücher vorhanden sein. Ich habe diese als Kind immer wegen der ansprechenden, gemusterten Umschläge bewundert 🙂
    Liebe Grüße,
    Sabine

  15. Diese wunderschönen Schätze stehen auch in unserem Bücherregal, viele davon ererbt. Ich muss mal schauen, wie alt sie eigentlich sind…. Jetzt, wo ich die Geschichte kenne…
    Liebe Grüße
    Andrea

  16. …sehr interessant, liebe Lotta,
    ich kenne die Bücherreihe zwar, besitze aber selbst keine…wir haben damals die Romanzeitung vom Verlag Volk und Welt Berlin gelesen…80 Pfennig das Stück…ein paar Exemplare davon habe ich auch noch…
    alleine die Buchumschläge der Inselbücher sind so schön…toll, dass du so viele hast…

    lieber Gruß Birgitt

  17. Danke für den kleinen Ausflug in die Geschichte der Inselbücher. Ich musste da doch glatt zum Bücherschrank rüber und meine kleine geerbte Sammlung anschauen. Es sind einige alte Exemplare dabei, aber leider ohne eingedrucktes Herausgabejahr. Dafür ist bei einigen Exemplaren innen die ursprüngliche Nummer handschriftlich vermerkt – soviel also zur Neubezifferung beim Nachdruck.

    Hast Du vielleicht bei Deinen Recherchen eine Übersicht über alle (alten) Titel gefunden, Lotta?

    Viele Grüße
    Anja

  18. Vielen Dank für die interessante Geschichte. 🙂
    Ich liebe die Inselbüchlein allein wegen ihrer Einbände und einige wohnen schon alleine deshalb auch bei mir. Das Blumenbuch auf deinem Foto auch. 🙂

    Herzlich, Katja

  19. Liebe Lotta,
    danke für diesen tollen Post!
    Ich habe nur ein paar von diesen Büchern
    und bin in ihren Aufmachung schon immer so verliebt
    gewesen. Kannte aber nie den Hintergrund 🙂
    Ganz viele liebe Grüße
    sendet dir die Urte 🙂

  20. Ich mag Inselbuecher auch sehr! Ich habe etliche Exemplare von meiner Oma geerbt, und jeden Tag faellt mein Blick aufs Buecherregal, wo mich die fein gestalteten Buchruecken anlaecheln und mich einladen wollen, doch endlich mal wieder mehr analog zu lesen. Danke fuer den Beitrag! Viele Gruesse von der Insel an eine weitere Inselbuchbesitzerin! Linda

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