Heute ist mein Gast

Astrid vom Blog „Le monde de Kitchi

 

Mit ihr meine „Caférunde“ zu starten, ergab sich einfach zwangsläufig, denn es gibt niemanden im Bloggerland, den ich mehr mit einem Besuch in einem schönen Café verbinde wie Astrid…;-).

 

1. Liebe Astrid, ich möchte mich zum Plaudern gern mit Dir in einem Café treffen, welches empfiehlst Du mir?
 
Ich würde so ein ganz klassisches, altes Café wie „Printen Schmitz“ nehmen, das ich mal HIER vorgestellt habe. Außerdem gäbe es da die geliebten Domspitzen…
2. Ich würde Dir gern ein kleines Büchlein mitbringen, von welchem Thema sollte es handeln?
 
Na, von einer tollen Frau, am liebsten eine, die ich nicht kenne.

 

3. Kaffee oder Tee?
 
Beides mit Begeisterung! Im Winter mehr Tee, im Sommer auch Nescafe frappé.

 

 
4. Welchen Kuchen magst Du am liebsten?
 
Linzer Torte

 

5. Was verbindest Du mit dem Begriff „Heimat“?

 

Das ist für mich ein ganz schwieriger Begriff, wie für meine Generation generell, da durch das Dritte Reich & die Nachkriegszeit gründlich verdorben. Mir wird heute noch schlecht, wenn ich die Reden entsprechender Funktionäre von damals höre. Außerdem bin ich ja als Kind zwangsumgesiedelt, sprich: entwurzelt worden, das bleibt in den Knochen. Am ehesten trifft der Begriff auf Köln, den Dom und mein eigenes Domizil zu.
6. Du stellst regelmäßig auf Deinem Blog Frauenportraits vor. Mit welcher dieser Frauen wärest Du gern mal verreist?
 
Herta Müller, der könnte ich stundenlang zuhören ( und das will bei mir was heißen, ich rede lieber selber )!

 

7. Magst Du den Winter? Was verbindest Du mit ihm?
 
Jaaa, denn da bin ich geboren, leider nur der Legende nach am kältesten Tag des Jahres. Aufgefrischt habe ich diese Liebe jenseits des Polarkreises bei minus 28 Grad. Einfach wundervoll!
Mit Frieren komme ich besser klar als mit Schwitzen, das kann man gut regeln durch entsprechende Kleidung.

 

8. Du hast eine große Vorliebe für kräftigere Farben, wer oder was hat Dich geprägt?

 

Die Malerei der Moderne wie die des Blauen Reiters, der Brücke, also des deutschen Expressionismus und des französischen Orphismus.
Die Chromophobie in der westlichen Welt ist mir völlig unverständlich. Ich liebe übrigens aber auch Schwarz – Weiß, z.B. in der Fotografie, der Grafik, der Typografie.
Nur laue Wischiwaschitöne mag ich weniger ( außer taupe ). In meinem Kunststudium habe ich Alpträume bekommen, als wir alle Farben wochenlang mit Grau abmischen mussten.

 

9. Was war Dein tiefstes Bildungserlebnis?

 

Eines? Ich hatte sicher mehrere…Einmal bedingt durch meinen Vater und seine Liebe zur Bildenden Kunst. Dadurch hatte ich Zugang zu Kunstbüchern, Museen, Reproduktionen.
Dann durch eine junge, chaotische Deutschlehrerin in der Mittelstufe, mit der wir wahnsinnig viel gelesen haben an Prosa, Drama, Lyrik. Da bin ich heute noch platt, wie wir das alles in relativ kurzer Zeit geschafft haben. Das war aber so anregend, dass ich mich selber durch Eigenlektüre, Theaterbesuche, Kino weiter gebildet habe.
Dann war es der Herr K. mit seiner Liebe, seiner Kenntnis klassischer Musik. Mein verstorbener Bruder hat das Spektrum noch erweitert. Und auch da habe ich mich ganz eigenständig weiter auseinandergesetzt und gebildet und mich durch die Musikgeschichte gehört.

 

10. Ich hätte große Lust, nach unserem Treffen im Café noch eine Runde mit Dir durch Köln zu wandeln…Was sollten wir uns unbedingt anschauen?

 

 
Wandeln? Mit mir ginge es entlang der nur noch rudimentär vorhandenen, meist sogar versteckten alten Stadtmauer der römischen CCAA, der Colonia, vier Kilometer im Quadrat, damit man sinnlich erfahren kann, welche Größe die Stadt einst hatte. Ich finde es großartig, in einer solch alten Stadt zu leben – der zweitältesten Deutschlands, der bedeutendsten Stadt des Mittelalters nördlich der Alpen! Ich finde, das müsste auch jeder Tourist mitkriegen.
Dass Köln nun gar nicht mehr danach aussieht, liegt an der 90 prozentigen Zerstörung der Innenstadt im 2. Weltkrieg und der Notwendigkeit, innerhalb kürzester Zeit für die vielen, vielen heimgekehrten Menschen Wohnraum zu schaffen. Wenn ich mir das klar mache und das Schicksal der Stadt mit dem anderer vergleiche, blutet mir oft das Herz.
Auf den Innenstadt – Gullydeckeln sind die Umrisse der Colonia zu erkennen:
Ja, „wandeln“, liebe Astrid! Wir (lust-)wandeln gern durch unser schönes Sachsen…Ihr nicht ;-)?
Linzer Torte kenne ich noch nicht…gibt es die auch in Köln? Ich werde mal schauen, was ich so auftreiben kann…über eine tolle Frau, die DU noch nicht kennst…;-)!
Liebe Astrid, ich danke Dir ganz herzlich für dieses anregende Gespräch im Rahmen eines virtuellen Treffens. Wir sollten das unbedingt wiederholen…aber dann ganz real…;-)