Zeit für einen Kaffeeplausch

 

Heute bin ich zu Gast in Petersburg

 

Die liebe Mond habe ich kennengelernt durch Tabea und Michaela’s  Mail-Art-Aktionen. Im August hat sie zusammen mit ihrer Familie ihren Wohnsitz für vier Jahre nach Petersburg verlegt…eine spannende Sache, wie ich finde.

 

1. Liebe Mond, ich möchte mich zum Plaudern gern mit Dir in einem Café treffen, welches empfiehlst Du mir?

 

 

Hallo, liebe Lotta! Schön, dass Du Dich mit mir treffen möchtest. Wir tun mal so, als ob Sommer wäre, okay? Dann schlage ich vor, ins Café Mango zu gehen. Das liegt in einer ruhigen Straße im zentralen Distrikt von St. Petersburg, und dort kann man bei schönem Wetter auf einer kleinen Terrasse auf dem Gehweg sitzen und den vorbeilaufenden Menschen zusehen. Das macht besonders Spaß, weil sich im Haus nebenan ein Standesamt befindet, in dem viel geheiratet wird. Im Sommer hört man davor immer wieder Sektkorken knallen. Man kann zusehen, wie das frischvermählte Paar von der Hochzeitsgesellschaft umringt und beglückwünscht wird und wie jemand anschließend das Konfetti und die Blütenblätter wegfegt. Nur ein paar Minuten entfernt befindet sich ein hübscher Park, der Taurische Garten. Dort können wir später spazieren gehen.

 

Oh ja…Sommer ist gut…und Hochzeitsgesellschaften beobachte ich immer mit Vergnügen…Gern komme ich auch anschließend auf einen Spaziergang mit…

 

 

 

2. Kaffee oder Tee?

 

Im Café nehme ich einen Cappuccino. Aber zu Hause trinke ich auch gerne grünen Tee oder Früchtetee.

 

 
3. Du hast im vergangenen Jahr mit Deiner Familie Deinen Wohnsitz nach Petersburg verlegt. Welche drei Dinge sollte man unbedingt dorthin mitnehmen, wenn man von Deutschland nach Petersburg zieht?

 

Erstens: Einen Koffer voll Käse. Man bekommt hier überwiegend nachgemachte Produkte, auf denen zwar ein europäischer Name steht, die aber hier produziert wurden und nicht echt schmecken. Ab und zu hätte ich schon Lust auf ein Stückchen Gryère. Oder Old Amsterdam oder Camembert oder St. Agur…

 

 

Zweitens: Ein paar deutsche Zeitschriften. Ich bin nicht jemand, der viel Geld für Magazine ausgibt, aber ich würde gern den Spiegel, die Ottobre und hin und wieder auch (an regnerischen Tagen, wenn ich mieser Stimmung bin) eine richtig üble Klatschzeitschrift lesen.

 

Drittens: Einen Koffer voll Stoff zum Nähen. Obwohl es hier viele Stoffläden mit teils günstigen, teils teuren und qualitativ hochwertigen Stoffen und einer riesigen Auswahl von Stick- und Nähgarnen und Kurzwaren gibt, vermisse ich schöne japanische Baumwollstoffe oder bedruckte Baumwolljerseys, insbesondere für Kinder. Aber wie Du siehst, sind das alles absolute Luxusprobleme. Abgesehen von diesen Kleinigkeiten bekommt man hier in St. Petersburg fast alles, was das Herz begehrt.

 

„Ottobre“ musste ich erst einmal googeln, hatte noch nie davon gehört…jetzt weiß ich, warum ;-).

 

 

 
4. Du bist eine sehr emsige und geschickte Näherin und hast auch schon so einige sehr hübsche Sachen für Dich geschneidert. Wie schätzt Du das Modebewusstsein der Petersburgerinnen ein?

 

Aus irgendeinem Grund hatte ich, bevor ich hierher kam, ein Bild im Kopf, das aus schrillen, knalligen Farben, Plastik und Blingbling bestand. Ein Vorurteil, für das ich mich schäme. Zwar sieht man hier manchmal tagsüber auf der Straße Kleider und Highheels, die man bei uns nur am Abend und zu einem besonderen Anlass tragen würde. Die Mehrheit der Petersburgerinnen aber ist gut und geschmackvoll gekleidet. Der Look ist eher klassisch-feminin. Absätze sind fast ein Muss. Cool, lässig, hip bis verlottert aussehende Leute sind hier nicht so häufig wie beispielsweise in Berlin zu sehen und Tatoos und Piercings – soweit ich das beurteilen kann – noch nicht so verbreitet.

 

Die meisten Frauen schminken und frisieren sich sorgfältig – Schönheitssalons gibt es hier wie Sand am Meer. Ungeschminkt oder mit zerzausten Haaren geht kaum einer auf die Straße. Im Winter tragen sehr viele Frauen Pelzmäntel und -mützen. Auch wenn man da geteilter Meinung sein kann, verstehe ich nach meinem ersten Winter in Russland den Nutzen: Bei -20 Grad wärmt sicher nichts besser…

 

 
5. Es heißt, die Petersburgerinnen seien sehr stolz und selbstbewusst. Was könnten wir deutschen Frauen uns von ihnen abschauen?

 

Eine gute Haltung! Einige wenige Petersburgerinnen gehen so übertrieben gerade, dass es eher arrogant als elegant wirkt, aber insgesamt gefällt mir eine aufrechte Haltung besser, als wenn jemand krumm dahinschlurft.

 

 
6. Du hast bei MiMa berichtet, dass es in Petersburg sehr nette Cafés, Bistros und Restaurants gibt. Welches Gericht, Gebäck oder welche Leckerei sollte ich unbedingt probieren, wenn ich zu Gast in Petersburg bin?

 

Ich würde Dir Blini, dünne Eierkuchen aus Buchweizenmehl, empfehlen, die es in vielen Cafés gibt. Je nachdem, ob Du es süß oder deftig magst, kannst Du sie zum Beispiel mit Marmelade oder mit saurer Sahne bestellen. Als kalte Vorspeise mag ich Vinaigrette, die nichts mit der französischen Salatsauce zu tun hat, sondern ein Salat aus kleingeschnittenen gekochten Kartoffeln, roter Beete, Salzgurken, Erbsen und Karotten ist. Mein Sohn liebt zwei andere typisch russische Gerichte – Pelmeni, mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen, und Buchweizen mit Milch. Zum Trinken kann man in fast allen Cafés und Restaurants Mors bestellen, ein erfrischendes Getränk aus roten Moosbeeren.

 

 
7. In meiner Schulzeit bin ich mit meiner Klasse nach Moskau gereist. Ich kann mich noch ziemlich lebhaft an den fast beißenden Geruch von Knoblauch erinnern. Wie riecht Petersburg?

 

St. Petersburg riecht im Winter schon ein wenig rauchig. Aber nicht nach Knoblauch 😉

 

8. Jedes Land hat seine Traditionen und Gepflogenheiten. Was sollte ich als Tourist im russischen Petersburg lieber vermeiden, um nicht ins Fettnäpfchen zu treten?

 

Es ist hier unüblich, dass Männer Frauen die Hand geben. Man sollte als Frau also nicht die Hand ausstrecken, sondern abwarten und gegebenenfalls einfach so grüßen. Abseits von Flughäfen, Hotels und großen Museen habe ich die Erfahrung gemacht, dass manche Russen sich überrumpelt fühlen, wenn man erwartet, dass sie englisch sprechen – selbst, wenn dies eigentlich der Fall ist oder sie zumindest einiges verstehen. Wenn man aber freundlich und höflich auftritt und sich bemüht, ein paar Wörter russisch zu sprechen, werden die allermeisten Petersburger positiv und hilfsbereit reagieren.

 

 
9. Wenn ich nur einen Tag für die Stadt Petersburg zur Verfügung hätte, was sollte ich mir unbedingt ansehen?

 

Ich würde Dir raten, einen Spaziergang zu machen. Zu Fuß bekommst Du den besten Eindruck von St. Petersburg. Den Newski Prospekt entlang bummeln, auf die goldene Spitze der Admiralität zu, an prächtigen Schaufenstern vorbei, die bunten Kuppeln der Blutskirche bestaunen, durch den Sommergarten schlendern, die Wasserspiele rauschen hören, über schmale gebogene Brücken der Flüsschen und Kanäle oder die breiten Brücken der mächtigen Newa laufen, in einem Café Rast machen, weiterziehen, durch den Sommergarten oder den Michailowsky Park spazieren, den Blick schweifen lassen, das Bild der Stadt – Boulevards, Straßen, Häuser, Paläste, Statuen, Stuck, Mosaike, die Menschen, Autos, Busse, Trams, Stromkabel, all die bunten, vielleicht verwirrenden Schilder und Inschriften – in Dich aufsaugen… das wäre sicher die schönste Art, einen Tag hier zu verbringen.

 

 

10. Jeden Freitag veranstaltest Du auf Deinem Blog ein Bilderrätsel. Wie bist Du auf diese Idee gekommen?

 

2012 habe ich jeden Freitag ein Foto eines kleinen Hasen in unterschiedlichen Szenarien gepostet, und als das Jahr vorbei war, habe ich nach einem neuen Freitagsritual gesucht. Der Freitag ist mein Lieblingstag – kürzer als die anderen, optimistisch und fröhlich durch die wachsende Vorfreude auf das Wochenende – und jetzt mag ich den Freitag noch mehr, weil Ihr mich dann auf dem Blog besucht und den ganzen Tag lang Kommentare eintrudeln. Es macht mir einen Heidenspaß, mir so ein Rebus auszudenken, und es freut mich riesig, wenn es auch Euch gefällt. Aber eins kann ich Dir nicht sagen, Lotta: wie genau ich auf die Idee der Bilderrätsel gekommen bin, denn das weiß ich gar nicht mehr…

 

Hab vielen Dank für die Einladung zum Kaffeeplausch, liebe Lotta!

 

Den Dank gebe ich sehr gern zurück. Es war ein großes Vergnügen, mit Dir zusammen ein paar Eindrücke von Petersburg zu sammeln! 
Wenn die russische Post ein wenig zuverlässiger wäre, wüsste ich nun, wie man Dir in Petersburg eine Freude machen könnte…Vielleicht käme es auf einen Versuch an…;-)?