Johannisfriedhof und Urnenhain Dresden/Tolkewitz

In Zeiten von Corona-Maßnahmen und Grundrechtsbeschränkungen ist es nicht immer einfach, Orte zu finden, in denen die Welt noch in Ordnung ist. Kurioserweise hat man vor allem auf Friedhöfen noch das Gefühl von Normalität und Entspannung. Vielleicht ist ja das der Grund, warum mein Lebensgefährte und ich in letzter Zeit so häufig auf Friedhöfen anzutreffen sind. Ein ganz wunderbares Beispiel möchte ich Euch heute vorstellen.

Johannisfriedhof

Einen der schönsten Friedhöfe Deutschlands findet man in Dresden/Tolkewitz. Der Johannisfriedhof wurde am 16. Mai 1881eingeweiht, der angrenzende Urnenhain 1911 eröffnet. Seine Fläche beträgt rund 25 Hektar. Der Friedhof ist geprägt von einer besonderen Atmosphäre, beeindruckenden Grabstätten, verschiedenen Gedenkstätten für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaften und der aus dem Jahr 1894 stammenden Kapelle mit imposanter Kuppel. Die im Mittelpunkt der Friedhofsanlage stehende repräsentative Kapelle entwarf Paul Wallot. Beim Bau entschied er sich für die damals moderne Neorenaissanceform nach dem Vorbild italienischer Friedhöfe. 

Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens haben auf dem Friedhof ihre letzte Ruhe gefunden, darunter der vor 1945 letzte demokratisch gewählte sächsische Ministerpräsident Walter Schieck und die Dresdner Oberbürgermeister Friedrich Wilhelm Pfotenhauer, Otto Beutler und Bernhard Blüher. 

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Urnenhain Tolkewitz

Der angrenzende Urnenhain Tolkewitz ist ein kommunaler Waldfriedhof, auf dem ausschließlich Urnenbestattungen stattfinden. Das Tolkewitzer Krematorium entstand 1909/11 unter Leitung des Stadtbaurates Hans Erlwein nach Entwürfen von Fritz Schumacher und gehört zu den bedeutendsten Monumentalbauten dieser Zeit in Dresden. Das Krematorium galt in den 1920er Jahren als beliebte Touristenattraktion, konnte für 25 Pfennige besichtigt werden und fand auf Postkarten Verbreitung.

Auf dem Gelände des Urnenhains ruhen u.a. der Zirkusdirektor Hans Stosch-Sarrasani, der bekannte deutsche Militärflieger Max Immelmann, der Schöpfer des “Blauen Wunders” Claus Köpcke sowie die TH-Professoren Fritz Foerster, Richard Mollier und Heinrich Barkhausen. 

In den Anfangsjahren der DDR befand sich die zentrale Hinrichtungsstätte im ehemaligen königlich-sächsischen Landesgericht Dresdens. Die Leichen der dort Hingerichteten wurden unter größter Geheimhaltung zum Urnenhain Tolkewitz gebracht, anonym verbrannt und auf einer unbepflanzten Sammelstelle beigesetzt.

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Besucht man einen Friedhof, weiß man sofort, daß auch im Tode die Menschen nie gleich sind.

Martin Gerhard Reisenberg

Adresse:

Wehlener Straße 13/15
01279 Dresden

Öffnungszeiten:

Mai bis August 8-20 Uhr (Urnenhain ab 7 Uhr)

September bis April angepasst an Sonnenuntergang (pro Monat Stunde kürzer oder länger)

4 Responses to “Johannisfriedhof und Urnenhain Dresden/Tolkewitz”
  1. Ja, das mag sein, dass auch dem Scheine nach im Tode Menschen nicht gleich sind.
    Aber diese pompösen Grabmäler hat man ja irgendwann dann verboten. Aber ich bin mir sicher,
    dass die Menschen, wenn sie vor den lieben Gott kommen, doch alle gleich sind.
    Das letzte Hemd hat keine Taschen, man kann nichts mitnehmen, da helfen ja auch Grabbeigaben nix.
    Schöne Bilder und Friedhöfe haben immer etwas.
    Liebe Grüße Eva,
    getestet, geimpft, genesen, das sind ja nun die Schlagwörter, wenn man irgendwo hinwill, ich kann mit keinem im Moment dienen. Testen lasse ich mich eben, wenn ich zum Friseur will.
    Liebe Grüße Eva

  2. Schöne Bilder. Der letzten grosse Friedhof, den ich besuchte, war in Rom. Und so nebenbei weiss ich jetzt auch, woher der Sarrasani seinen Namen hat.

    Eine gute Woche wünsche ich dir!

    Regula

  3. Kleiner Hinweis: Bei „der letzte demokratisch gewählte sächsische Ministerpräsident“ fehlt ein *vor 1945*. Viele Grüße!

    • Oh, herzlichen Dank. Ich habe das natürlich geändert. Trotzdem musste ich schmunzeln. Mir ist spontan die Wahl in Thüringen in den Sinn gekommen. Aber das gehört nicht hierher. Herzliche Grüße.

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