Mittwochs mag ich…

Kurt Tucholsky

„Dumme und Gescheite unterscheiden sich dadurch, dass der Dumme immer dieselben Fehler macht und der Gescheite immer neue.“
Kurt Tucholsky
In meiner Jugend sammelte ich mit einem Freund zusammen Aphorismen. Wir stöberten in Bibliotheken und Buchhandlungen nach geeigneter Literatur. Dabei stießen wir unausweichlich auch auf den Schriftsteller und Journalisten Kurt Tucholsky. Was für eine Offenbarung, was für ein unglaubliches Vergnügen bereitete es, seine Texte und Sprüche zu lesen!
„Manchen Leuten ist ein Stehplatz in der ersten Klasse lieber als ein Sitzplatz in der dritten.“
Kurt Tucholsky
Kurt Tucholsky wurde am 9. Januar 1890 in Berlin geboren und verlebte einen Teil seiner Kindheit in Stettin. Mit 9 Jahren kehrte er mit seiner Familie nach Berlin zurück. 1909 begann Kurt Tucholsky ein Jurastudium in Berlin, verzichtete aber aufgrund seiner bereits zur dieser Zeit umfangreichen journalistischen Tätigkeit auf das Ablegen der ersten juristischen Staatsprüfung. Seine journalistische Karriere wurde zunächst durch den ersten Weltkrieg unterbrochen. 1918 übernahm  Tucholsky die Chefredaktion der satirischen Zeitschrift „Ulk“. Regelmäßige Artikel erschienen von ihm in dieser Zeit auch schon in der „Weltbühne“, deren Mitherausgeber er später wurde. Für die Texte legte er sich verschiedene Pseudonyme zu, wie z. B. Kaspar Hauser oder Peter Panter. Tucholsky gehörte zu den gefragtesten und am besten bezahlten Journalisten der Weimarer Republik, der er zunehmend kritisch gegenüberstand. Er engagierte sich politisch und trat für Demokratie und Menschenrechte ein. Zunächst wurde Tucholsky Mitglied der linkssozialdemokratische Partei, trat dann kurz nach deren Spaltung der SPD bei, um schließlich sich mit der KPD zu sympathisieren. Er betonte jedoch immer, kein Kommunist zu sein. Nachdem Tucholsky die mit Hitler verbundenen Gefahren erkannte, verlegte er 1929 seinen Hauptwohnsitz dauerhaft nach Schweden. Ab 1931 verstummte Tucholsky zunehmend publizistisch, laborierte an einem chronischen Atemwegs- und Nasenleiden und verfiel einer resignativen Stimmung. 1933 verboten die Nationalsozialisten das Blatt „Die Weltbühne“, verbrannten Tucholskys Bücher und erkannten ihm die deutsche Staatsangehörigkeit ab. 1935 erkrankte Tucholsky an einem Magenleiden und litt in diesem Zusammenhang auch an Schlafstörungen. Inwieweit die Überdosis Barbiturate, an der er am 21.12.1935 in Göteborg starb, nur ein Versehen war, ist nicht ganz geklärt.
 
„Was die Leute wollen, ist ein Einfamilienhaus am Kurfürstendamm und hinterm Garten die Zugspitze.“
Kurt Tucholsky
 
„Neben manch anderem sondern die Menschen auch Gesprochenes ab. Man muss das gar nicht so wichtig nehmen.“
Kurt Tucholsky
 
„Einer allein kann das gar nicht glauben.“
Kurt Tucholsky
„Man soll Frauen keine Witze erzählen. Man muß sie ihnen immer erklären und dann sind sie enttäuscht.“
Kurt Tucholsky
Jeden Mittwoch sammelt  Frollein Pfau unsere Vorlieben…
20 comments
  1. Liebe Lotta,
    in der Schulzeit hatte ich auch öferts mit ihm zu tun …. die Aphorismen sind schon ganz speziell *schmunzel* Danke für die schöne Auswahl!
    Ich wünsche Dir einen wunderschönen und glücklichen Tag !
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

  2. Muss ich ja nicht viel sagen, der kommt gleich nach Fontane gemeinsam mit dem Ringelnatz. Man könnte sagen, ich habe den Tucholskyschen Humor verinnerlicht 🙂
    Liebe Grüße
    "Dies ist, glaube ich, die fundamentalste Regel allen Seins: Das Leben ist gar nicht so, es ist ganz anders!"

  3. Ja, Tucho spielt im Hause K. eine große Rolle. Zu Beginn unserer Beziehung spielte und sang mir der Herr K. immer "Es wird beim Happyend im Film jewöhnlich abjeblendt" vor. Na ja, zum Glück ist die Ehe nicht nur " verbrühte Milch und Langeweile" geworden….
    Einen schönen Tag!
    Astrid

  4. Ja der ist soooo gut und alles kenne ich noch nicht von ihm, aber ich hätte ihn liebend gern mal in echt getroffen und erlebt.Ich finde in der Schule wird viel zu wenig gelesen und genossen, da wird immer mehr extrahiert und analysiert.Mittwochsgrüße, Karen

  5. Hach, schön, Lotta, und was war das für eine Freude, als man damals diese Ausgabe ergattern konnte… Wir haben sie auch…, nun zweimal… Tucholsky wurde auch bei uns zu Hause oft zitiert (in dieser Bibliothek steht die dritte Reihe der Bände…) Ohhh, was hätte er wohl heute zu sagen. Und als Frau fühle ich mich beim Thema Witze jetzt aber ertappt… Und nach Rheinsberg könnte man auch mal wieder fahren 😉 Lieben Gruß Ghislana

  6. Sehr interessant und ja, in den Sprüchen steckt etwas Wahres.
    Außer in dem letzten natürlich, der ist 'ne Frechheit!
    Wobei ich MEINE Witze tatsächlich oft erklären muss. Aber auch Männern (sollte mir das zu denken geben – ich meine über die Qualität meiner Witze??)
    Liebe Grüße
    Jutta

  7. Jetzt hab ich sooo gelacht…einfach herrlich. Danke fürs Vorstellen..ich bin in dieser Hinsicht nicht so bewandert, wie du. Das Thema mit der Zugspitze hinterm Haus…..das hätte mal auf mich zutreffen können….jetzt aber nicht mehr. Ich versuche dann mal andere Fehler zu machen.
    LG Sigrun

  8. Ach wie schön den, guten alten "Tucho" bei Dir wiederzutreffen. Er gehörte doch zu den drei Autoren, über deren Zeit im Exil meine Staatsarbeit galt.
    Liebe Grüße
    Andrea

  9. Was Du so an einem Mittwoch magst 😉

    Nach langer Abstinenz komme ich endlich dazu einen Kommentar zu hinterlassen.
    Die Sprüche gefallen mir und es steckt eigentlich nur Wahrheit drin 😉

    Liebe Grüße
    Björn 🙂

  10. vielseitig begabt war Tucholsky und auch auf wikipédia franz. ist viel von ihm zu lesen. und verstehe jetzt besser die hintergründe "…man soll frauen kein witz …." und die briefmarke DDR 1990 mit sein portrait mit dem … *und überhaupt*
    liebe grüsse
    monique

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You May Also Like
Herbstboten

Querfeldein

…durch die Woche… Ich habe mich diese Woche wieder etwas rar gemacht…im Bloggerland. Es gibt einfach zu viele…