Südwestkirchhof Stahnsdorf

Mich faszinieren alte Friedhöfe…
Schuld ist wahrscheinlich mein Großvater, der mich als Kind in den Ferien jeden Tag zum Gießen mit auf den alten Donatsfriedhof in Freiberg schleppte…
Heute entführe ich Euch mal auf einen ganz besonderen Friedhof…
den Südwestkirchhof Stahnsdorf in Berlin…
mein angekündigter verwunschener Ort
Kommt Ihr mit…?
Der Südwestkirchhof der Berliner Stadtsynode in Stahnsdorf wurde 1909 von der evangelischen Kirchgemeinde eröffnet und ist mit einer Fläche von 206 Hektar einer der größten Friedhöfe europaweit.
Er ist als Waldfriedhof angelegt und entstammt in seiner Planung der Feder des Gartenbauingenieurs Louis Meyer ( 1877-1955 ).
Um der Bevölkerung zu ermöglichen, den außerhalb der Stadt gelegenen Friedhof zu erreichen, wurde extra bis zum Friedhof eine S-Bahn-Verbindung geschaffen. Im Volksmund wurde diese Bahnverbindung auch als „Leichen-“ oder „Witwen-Bahn“ bezeichnet. Die Friedhofsbahn war bis zum Mauerbau 1961 in Betrieb.

Zahlreiche in den 1920er- und 1930er-Jahren verstorbene berühmte Persönlichkeiten fanden hier auf dem Friedhof ihre letzte Ruhestätte, wie z. B. Engelbert Humperdinck, Heinrich Zille, Louis-Ferdinand Ullstein, Alfred Struwe, Otto Graf Lambsdorff, Theodor Fontane jun., Hugo Distler uvm.
Die Industriellenfamilie Siemens hat hier ebenfalls ihre Familiengrabstätte:
Hier das Familienmausoleum des Chemiefabrikanten Harteneck, 
der ganz offensichtlich ein Ägypten-Fan war:
Berühmte Grabstätten sind mit Schildern versehen, die einen die Zuordnung der Person erleichtern…
Hier die Grabstätte des Verlagsgründers Langenscheidt:
 Dass dieser hier seine letzte Ruhestätte fand, obwohl er bereits 1895 verstorben ist, liegt daran, dass bis 1940 zahlreiche Gräber von anderen Friedhöfen, die geschlossen wurden, hierher umgebettet worden sind. So ist auch zu erklären, warum auf so manchem Grabstein eine Sterbejahr vor 1909 zu lesen ist.
Nach dem Mauerbau geriet der Friedhof in eine Isolation. Bedingt durch die geringe Nutzung des Friedhofs bis zur Wendezeit verwitterten die Gräber, wuchsen zu und versanken im Dickicht des Waldes. Doch genau dieser Umstand macht heute diesen Friedhof so einzigartig und so reich an Flora und Fauna.
Die Friedhofskapelle wurde von 1908 bis 1911 von Gustav Werner 
nach dem Vorbild einer norwegischen Stabskirche errichtet.
Wer übrigens mit Hund anreist, kann ihn an der Leine mitführen, 
was auf deutschen Friedhöfen nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist.
Ausgesprochen ärgerlich ist, dass viel Geld und Mühe in die Restauration von alten Gräbern gesteckt wird, dreiste Diebe von Kupfer einen erheblichen Teil wieder zerstört haben.
Ich hoffe, Euch hat mein Rundgang durch diesen Friedhof gefallen und ich habe Euch Lust gemacht,
 dort mal vorbeizuschauen!
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