Reisen in Corona-Zeiten

Das Reisen in Corona-Zeiten ist beschwerlich. Unmöglich ist es jedoch nicht. Ich möchte mich jetzt gar nicht dazu auslassen, was uns nach der Verabschiedung des als Entwurf schon vorliegenden neuen Infektionsschutzgesetzes noch bevorsteht, die eigenen vier Wände und ein Radius von willkürlichen 15 km sind auf Dauer keine Option. Nicht für mich.

Da sich meine Heimat in Mitteldeutschland befindet, kann ich mich mit dem Auto ein bis zwei Stunden in alle vier Himmelsrichtungen bewegen und bin immer noch in Deutschland. Oder ich besuche die Verwandtschaft und schlafe dort auf dem Sofa. Beide Optionen habe ich in den letzten Wochen ausprobiert.

Dank geöffneter Bäckereien und der Möglichkeit des „Kaffee to go“ kann man den ganzen Tag per Pedes unterwegs sein, ohne verhungern zu müssen. Natürlich tut es auch ein Pausenbrot und eine Flasche Wasser im Rucksack. Auf Bahnhöfen oder auf dem Friedhofsgelände findet man oft öffentliche Toiletten. Am Ende muss dann nur noch das Wetter mitspielen ;-).

Was ist Reisen? Ein Ortswechsel? Keineswegs! Beim Reisen wechselt man seine Meinungen und Vorurteile.

Anatole France

Weimar

Goethes Gartenhaus Weimar

Im März war ich mit meinem Lebensgefährten im schönen Weimar unterwegs. Von Leipzig aus sind es rund 80 min, die man mit dem Auto zurücklegen muss. Weimar ist eine charmante Thüringer Mittelstadt und vor allem bekannt als Ort der Weimarer Klassik. Christoph Martin Wieland, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Gottfried Herder und Friedrich Schiller fanden in der Stadt Weimar Heimat und Arbeitsstätte und schließlich den Ort der letzten Ruhe.

Auch wenn Museen und Schlösser in Corona-Zeiten weitgehend geschlossen sind, kann man einen wunderbaren Spaziergang durch die Innenstadt, das Schlossgelände, den Stadtpark und den historischen Friedhof unternehmen.

Wer auf dem Streifzug durch die Stadt Hunger verspürt, wird sicherlich an dem einen oder anderen Stand für Thüringer Bratwürste fündig.

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Jetzt muß der Geist von Weimar, der Geist der großen Philosophen und Dichter wieder unser Leben erfüllen.

Friedrich Ebert

Freiberg

Freiberg

Von Leipzig nach Freiberg fährt man etwa anderthalb Stunden. Freiberg liegt in der Mitte von Sachsen und hat mit seinen rund 40.500 Einwohnern den Status einer Großen Kreisstadt. Der gesamte historische Stadtkern steht unter Denkmalschutz. Er gehört, zusammen mit örtlichen Denkmälern der Bergbaugeschichte wie der Reichen Zeche, seit 2019 zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge.

Die historische Altstadt, umgeben von Resten der Stadtmauer, besteht aus einem unzerstörten Stadtkern mit unverändertem Grundriss aus dem 12./13. Jahrhundert. Hier gibt es viele kleine Gassen und Plätze, die für einen interessierten (fotografischen) Blick lohnenswert sind. Neben dem Albertpark mit den beiden Kreuzteichen lädt auch der Donatsfriedhof an der Jacobi-Kirche zu einem schönen Spaziergang ein.

Wer vom vielen Gehen hungrig geworden ist, dem empfiehlt sich der Besuch des Cafés Adelt am Untermarkt. Hier gibt es die legendäre Freiberger Eierschecke.

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Glück kann keine Zutat sein, wohl aber ein fertiger Kuchen.

Michael Wollmann

Hamburg

Hamburg

Nach Hamburg sind es von Leipzig aus über 400 km. Eine Reise lohnt sich dann nur, wenn man angesichts der geschlossenen Hotels für die Nacht ein Sofa bei Freunden oder Verwandten findet. Im März nun bot sich endlich die Gelegenheit, wieder einmal Hamburger Luft zu schnuppern.

So schade es ist, dass Museen und andere kulturelle Stätten geschlossen haben, ein Besuch der Stadt Hamburg lohnt sich trotzdem. In Hamburg kann man vermutlich tagelang spazieren gehen, ohne das einem langweilig wird. Es muss nur das Wetter mitspielen.

Wer in Hamburg plötzlich Hunger verspürt und kein Pausenbrot dabei hat, findet auf der Elbpromenade Stände mit leckeren Fischbrötchen.

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Wo ihr auch seid



Ob in Hamburg oder Gießen:
Leute, lasst euch nicht verdrießen!
Ob in Dresden oder Zossen:
Macht’s ebenso, seid unverdrossen!
Wo ihr auch seid in Ost und West: Das Leben sei ein großes Fest!

Wolfgang Lörzer

Quedlinburg

Von Leipzig bis Quedlinburg sind es rund 130 km, für einen Tagesausflug ist diese Strecke gut zu bewältigen. Bei schönem frühlingshaften Wetter haben sich mein Lebensgefährte und ich am Ostersamstag in diese historisch beeindruckende Stadt aufgemacht.

Quedlinburg liegt in Sachsen-Anhalt an der Bode nördlich des Harzes. Die Altstadt steht seit 1994 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. In der historischen Innenstadt mit ihren Kopfstein-gepflasterten Straßen, verwinkelten Gassen und kleinen Plätzen befinden sich gut 2000 Fachwerkhäuser aus acht Jahrhunderten.

Auch in Quedlinburg muss man in Corona-Zeiten nicht auf das leibliche Wohl verzichten. Am Fuße des Schlossbergs in direkter Nachbarschaft des Klopstockmuseums befindet sich die Käsekuchenbäckerei Vincent. Hier kann man per Fensterverkauf verschiedene Arten von Käsekuchen zum Mitnehmen erwerben.

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Wer sich nicht von dieser Welt fühlt, aber doch nicht aus ihr heraus kann, für den gibt es immer noch eine Gasse: Hindurch!

Emil Gött

Rudolstadt

Rudolstadt

Von Leipzig nach Rudolstadt sind es rund 130 km. Die thüringische Stadt liegt im Tal der Saale und wurde 776 erstmals urkundlich erwähnt. Ihr weithin sichtbares Wahrzeichen ist das beeindruckende Barockschloss Heidecksburg, welches die Stadt überragt.

Schloss Heidecksburg ist das ehemalige Residenzschloss der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt und liegt rund 60 Meter über dem Altstadtkern. Heute sind im Schloss das Thüringer Landesmuseum und das Thüringer Staatsarchiv Rudolstadt untergebracht.

Unterhalb der Heidecksburg lädt die historische Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen, Kirchen und Renaissance-Bürgerhäusern zum Bummeln ein. 

Im Rudolstädter Handwerkerhof findet man das CAFÉ ZEITLOS, welches in „Pandemie-Zeiten“ per Fensterverkauf leckeren selbst gebackenen Kuchen anbietet.

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Frage an Schiller: Kann das Gesetz der Freund der Schwachen sein, 
wenn es die Mächtigen machen?

Karlheinz Deschner

Ich hoffe, Euch hat meine kleine Auswahl an Reisezielen in Mitteldeutschland gefallen. Tagesausflüge bringen Lebensfreude, Abwechslung, Bewegung, Horizonterweiterung und frische Luft. Was kann es für ein Immunsystem Besseres geben 😉 …?!

Also macht Euch auf …

4 Responses to “Reisen in Corona-Zeiten”
  1. Hallo Lotta,
    es ist gut mal rauszukommen um etwas anderes zu sehen.
    Wir haben kein Auto und so wird sich in den Zug gesetzt und ich fühle mich auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln sicher.
    Deine Städtevorstellung sind sehr interessant.

    Da ich in der Nähe von Köln wohne sind auch schöne Tagesausflüge an den Rhein, Mosel etc. möglich.
    Aber traurig ist das schon, die geschlossenen Restaurants und die Geschäfte ansehen zu müssen.

    Grüße
    Hannelore

  2. Heute sogar den kleinen Grenzverkehr gewagt. Das ungute Gefühl beim Grenzübertritt ist ein Novum. Sogar in den 80er Jahren, als man in Kreuzlingen/Konstanz noch damit rechnen musste, allenfalls den Ausweis zeigen zu müssen (musste ich nie), spürte ich kein verleichbares Kribbeln.

    Auf jeden Fall lohnt es sich, das eigene Land zu bereisen.

    Liebe Grüsse zu dir.

    Regula

  3. Fein, dass wir mit Dir an so wunderbare Orte reisen durften, vielen Dank! Ich wohne in Deutschland ganz unten und bin schon ein bisschen traurig, dass ich nicht weiter als ca. 25 km weiter südlich reisen kann, kurz hinter der Grenze gäbe es sehr günstige Tankstellen und eine meiner Freundinnen wohnt in Tirol. Aber auch wir haben hier viele Ausflugsmöglichkeiten, die wochenends allerdings bei Menschen aus Städten sehr beliebt sind. Aber es findet sich immer ein Weg, ein See, eine Kirche, die es zu entdecken gilt und wo es nicht überlaufen ist. Oder ich wandere auf altbewährten Pfaden. Und auch wenn es manchmal schwer fällt, mich aufzuraffen, genieße ich das draußensein sehr. Herzliche Grüße von Christine, die vor Jahren sehr gerne an Deiner bunten Welt teilgenommen hat.

  4. Liebe Lotta,
    dankeschön für die schönen Bilder und natürlich auch die Reisen. Ja, man kann durchaus in Deutschland reisen und findet immer wieder schöne Orte.
    Ich mache das mit dem Fahrrad und bleibe dann im Schwabenland, heute waren wir auch sehr mit dem Rad unterwegs und haben doch wieder so viel neues kennengelernt.
    Ich bin eh kein Auslandsreisender mehr Ich meide auch Österreich, warum, es hat alles seinen Grund.
    Ich fühle mich wohl in Deutschland und ich war an den Orten im Ausland zu denen ich wollte und das ist in Ordnung. Mehr brauche ich gar nicht
    Aber die meisten Leute haben es noch nicht begriffen, was ihnen mit dem Infektionsschutzgesetz bevorsteht. Die meisten wissen ja nicht mal, was die Ermächtigungsgesetze waren, das hat mich dann doch fast umgehauen.
    Danke auch für die Lotosblume wunderschön, ich bin ganz begeistert, wie das Mädchen singen kann. Toll, schaue mir sicherlich weiteres an.
    Liebe Grüße Eva

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